Hoheluft-West

Hamburg plant erstmals seit 1997 neues Gymnasium

Foto: Klaus Bodig

Die Nachbarschulen sind überlaufen. Am Standort in Hoheluft-West laufen schon bereits die Vorbereitungen für die Eröffnung im nächsten Jahr.

Hoheluft-West. Das Gebäude stammt aus der Zeit, als Schulen noch Lehranstalten hießen. Der wuchtige, vierstöckige Bau, der die Nachbarschaft überragt, trägt die Jahreszahl 1907. Zwei respektheischende Portale schmücken die Eingänge - einen für "Knaben", einen für "Mädchen". Und in der Mitte prangt als Sinnbild des Bürgerstolzes über diese Bildungsstätte für alle das Hamburger Wappen - in Stein gemeißelt.

Die Schule Christian-Förster-Straße in Hoheluft-West ist ein Vorzeigeschulbau der Gründerzeit. Doch es wächst längst Gras an den Rändern des asphaltierten Schulhofs. Auf den zweiten Blick ist klar: Dieser Schulbau dient nicht mehr seinem Zweck, hier spielen nur noch nachmittags Kinder.

Vor vier Jahren zog die Grundschule aus, die zuletzt hier untergebracht war. Noch erinnert ein Riesenmobile im Treppenhaus an bewegtere Zeiten. Weil die Anmeldezahlen zurückgingen, reichte die Dependance in der nahe gelegenen Wrangelstraße allein aus. Jetzt hat die Beratungsstelle Rebus in dem Bau noch ihr Eimsbütteler Domizil. Außerdem nutzt das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung einen Teil. Vor einer Klassentür stehen ein paar Schuhe: Eine Hortgruppe ist hier untergebracht.

+++ Hamburg führt kostenlosen Nachhilfe-Unterricht ein +++

+++ Mehr Schüler und Lehrer an Hamburgs Schulen +++

Doch schon bald soll pralles Schulleben in das Haus zurückkehren. Längst sind die Vorbereitungen angelaufen, damit zum nächsten Schuljahr eine neue Schule ihre Arbeit aufnehmen kann: Geplant ist, hier im Norden des Bezirks Eimsbüttel ein neues Gymnasium aufzubauen. Schon kursieren erste Überlegungen für einen Namen. Gymnasium Hoheluft wäre einer ...

Noch hält sich die Schulbehörde mit öffentlichen Äußerungen zurück. Eine Entscheidung über die Schulgründung wird erst im Zuge der neuen Schulentwicklungsplanung fallen, die Schulsenator Ties Rabe (SPD) um die Herbstferien vorstellen will. "Wir werden uns klar am Elternwunsch orientieren", sagte Rabe dem Abendblatt. Seit Jahren müssten viele Schüler in der Region Eimsbüttel bei ihren Wunschschulen abgewiesen werden, weil es zu wenig gymnasiale Kapazitäten gebe. "Dafür müssen wir eine Lösung finden. Daher prüft die Schulbehörde, ob an der Christian-Förster-Straße von 2012 an ein weiterer Gymnasialstandort eingerichtet werden kann", sagte Rabe.

Die drei Eimsbütteler Gymnasien zählen zu den beliebtesten Standorten dieser Schulform in Hamburg: Für das vierzügige Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium an der Bundesstraße wurden zum laufenden Schuljahr 140 Kinder für die fünfte Klasse angemeldet. 28 Jungen und Mädchen mussten abgewiesen werden. Für das benachbarte, ebenfalls vierzügige Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer gab es 118 Anmeldungen, drei Kinder mussten abgewiesen werden. Den Topwert erreichte das Helene-Lange-Gymnasium an der Bogenstraße mit 153 Jungen und Mädchen, von denen 35 auf eine andere Schule wechseln mussten. Die sechszügige Ida-Ehre-Stadtteilschule an der Bogenstraße zählt mit 125 Anmeldungen zu den beliebtesten Standorten dieser neuen Schulform.

Von dem Run auf die Eimsbütteler Schulen profitierte das Gymnasium Corveystraße in Lokstedt, das zu den eigenen 103 Anmeldungen noch 39 Schüler vom Emilie-Wüstenfeld- und dem Helene-Lange-Gymnasium übernahm. Die Schulplaner halten ein viertes Gymnasium für die Region Eimsbüttel auch deswegen für vertretbar, weil zum Beispiel auf dem Gelände des ehemaligen Sportplatzes am Grandweg rund 600 Wohnungen gebaut werden.

Das Gymnasium in Hoheluft-West wäre die erste staatliche Neugründung dieser Schulform seit 1997. Damals nahm das Gymnasium Allermöhe im Bezirk Bergedorf die ersten Schüler auf. Diese Schule liegt aber in einem neuen Stadtteil. Die letzte Gymnasialgründung in einem gewachsenen Wohngebiet dürfte 40 Jahre zurückliegen.

Die 80er- und 90er-Jahre waren von Schulschließungen geprägt: Das Gymnasium Curschmannstraße in Eppendorf (heute Stadtteilschule Eppendorf) lief 1989 aus, das Gymnasium Glückstädter Weg (Osdorfer Born) 1988 und das Kirchenpauer-Gymnasium in Hamm 1987. In den 90er-Jahren wurden das Gymnasium Am Heegen in Rahlstedt und das Ernst-Schlee-Gymnasium (Groß Flottbek) aufgegeben. Vor vier Jahren kam das Aus für das Gymnasium Uhlenhorst-Barmbek.