Zwischenruf

Professorale Protest-Posse

Eine Polemik von Sven Kummereincke

Sie wird mal wieder zu Grabe getragen, die Bildung. Es wird sich auch mal wieder vergangen: an der Zukunft der Stadt, den Perspektiven der jungen Generation und - natürlich - am Abendland. Denn der Senat, der gerade die Abschaffung der Studiengebühren beschlossen und die Modernisierung und Erweiterung der Uni für mehrere Hundert Millionen Euro angekündigt hat, dieser Senat will den Etat der Hochschulen um 13 Millionen Euro kürzen. Nun, dass die Studenten eine solche Vorlage nutzen, um endlich mal wieder zu protestieren, ist logisch. Man tut ja schließlich, was die Obrigkeit einem sagt. Denn der Uni-Präsident höchstselbst hat die Studenten-Demos angeordnet. Da kann einem so richtig angst und bange werden angesichts solch revolutionärer Stimmung auf unseren Straßen.

Was soll's, nun demonstrieren die Studenten eben Seit an Seit mit ihren Professoren. Und die haben wirklich allen Grund, in Sorge zu sein. Sie haben auch ohne Kürzungen ein wirklich nicht leichtes Leben. Acht Stunden pro Woche müssen sie lehren, das ist hart. Und das sechs Monate per annum, denn die vorlesungsfreie Zeit dauert gerade mal ein knappes halbes Jahr. Schlimm. Forschungssemester werden nur noch alle paar Jahre mal bewilligt. Gemein. Wann soll man da noch gut bezahlte Vorträge halten? Die Verpflichtungen aus den hoch dotierten Beraterverträgen erfüllen? Es ist also die pure Not, die die Professoren auf die Straße treibt. Denn wenn man jetzt wegen des Spardrucks Assistentenstellen streicht, dann müssen sie noch mehr arbeiten. Falls aber die ohnehin schon unmenschlichen Arbeitsbedingungen noch weiter verschlechtert werden - dann ist das Abendland wirklich in Gefahr.