Biotonne ist bisher ein Flop

Auch der Kreis Stormarn hatte Probleme mit der Einführung. Nach 15 Jahren ist Trennung dort selbstverständlich

Hamburg. "Pannen überschatten den Start der Biotonne": Unter dieser Überschrift berichtete die Stormarn-Ausgabe des Abendblatts im Januar 1995 über die Einführung des neuen Behälters für Bioabfall. Damals fehlte es zum Beispiel an Formularen. Mit denen konnte sich vom rechtlichen Zwang zur Biotonne befreien lassen, wer im eigenen Garten einen Komposthaufen hatte. Mittlerweile ist der braune Behälter im Kreis Stormarn akzeptiert. 60 Prozent aller Haushalte haben ihn - eine beachtliche Zahl in einer Region mit vielen Eigenheimen. Und ein Beispiel für Hamburg, wo trotz der ab 1. Januar geltenden Pflicht erst 3000 Biotonnen bestellt wurden.

17 100 Tonnen Abfall haben die Stormarner im vergangenen Jahr in die braune Tonne geworfen, 2009 waren es sogar knapp 18 000 Tonnen. Das von der Einwohnerzahl her achtmal größere Hamburg hat es in jenem Jahr nur auf rund 45 000 Tonnen Bioabfall gebracht. Für die Müllentsorgung müssen die Stormarner übrigens weniger Geld zahlen als die Hamburger. Die Abfallwirtschaft Südholstein, die für die Abfuhr zuständig ist, erhebt keine Grundgebühr, verzichtet allerdings auch darauf, den Preis für die Biotonne künstlich niedrig zu halten. Eine 80-Liter-Kombination aus Restmüll- und Biotonne (zweiwöchige Leerung im Wechsel, keine Transportgebühr) kostet 15,48 Euro im Monat, in Hamburg sind es 16,92 Euro. Beliebt ist in Stormarn auch die 60-Liter-Biotonne, die es in Hamburg nicht gibt. Sogar ein 40-Liter-Behälter wird angeboten.

Das Problem in Hamburg ist, sagt der Vorsitzende des Mietervereins zu Hamburg, Eckard Pahlke: "Nach unseren Erfahrungen lehnen viele Mieter und Vermieter insbesondere die Biotonne ab." Neben den drohenden Mehrkosten für die Umgestaltung der Müllanlage, die auf die Mieter umgelegt werden können, wirke die zu erwartende Geruchsbildung von vergammelndem Biomüll abschreckend. "Die kann bei einer Leerung, die nur alle zwei Wochen erfolgt, beträchtlich sein", so Pahlke. Zwar stinke Biomüll auch, wenn er in die Hausmülltonne geworfen werde - doch befände er sich dann meist in Plastiktüten, geleert werde wöchentlich.

Ein solcher Gegner der Biotonne ist Harald Adorf, der ein Haus mit 20 Mietwohnungen auf der Uhlenhorst besitzt. "Wir sind gegen die grüne Tonne", sagt er. Und das, obwohl Mülltrennung bei ihm großgeschrieben wird: Im Kellerflur stehen dicht an dicht Tonnen für Hausmüll, Wertstoffe und Altglas; auch Papier, Batterien und Medikamente können die Bewohner loswerden. Doch beim Biomüll hört das Umweltbewusstsein für Adorf auf. "Biotonnen stinken und ziehen besonders im Sommer viel Ungeziefer an. Das gilt auch für die Sammelbehälter in den Wohnungen."

Ausgenommen von der Verordnung, Biotonnen aufzustellen, sind Hauseigentümer, die kompostieren, oder diejenigen, wo die Tonne im Keller stehen msste. Das hält selbst die Stadtreinigung für keinen geeigneten Standort für die schwere Biotonne - die ihre Mitarbeiter dann die Kellertreppen hochwuchten müssten. Stattdessen sollen die Biotonnen in Müllanlagen vor den Häusern unterkommen. "Dort können graue Tonnen durch grüne ersetzt werden", sagt Reinhard Fiedler, Sprecher der Stadtreinigung.

Ansonsten müssen schon triftige Gründe vorliegen, um der Wertstoffverordnung zu entgehen. "Einfach zu sagen, ,ich hab keinen Platz' oder ,ich mag keine grünen Tonnen', geht nicht", sagt Fiedler. Er hofft, dass sich die Hamburger von ihrer "Schwerfälligkeit in Sachen Mülltrennung" abbringen lassen. Irgendwann werde man auf die Grundeigentümer zukommen, die keine Tonnen aufgestellt hätten und sie zur Rechenschaft ziehen.