Flugverkehr

Hamburg will Nachtflüge eindämmen

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Bis Ende Juli gab es 521 Landungen nach 23 Uhr auf dem Flughafen. Behörde ermittelt in zwölf Fällen wegen unerlaubter Störung der Nachtruhe.

Fuhlsbüttel. Die Zahl der Landungen auf dem Flughafen Fuhlsbüttel nach 23 Uhr ist in diesem Jahr deutlich gestiegen: 521 verspätete Flüge wurden im Zeitraum von Januar bis Ende Juli gezählt. In zwölf Fällen ermittelt die zuständige Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) nun wegen unerlaubter Störung der Nachtruhe. Bislang wurden vier Bußgelder zwischen 150 und 180 Euro verhängt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009 wurden insgesamt 579 verspätete Flüge zwischen 23 und 24 Uhr registriert. Das geht hervor aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Gunnar Eisold: "Dass bei 521 Verspätungen nur in 12 Fällen ein Bußgeldverfahren gegen die Fluggesellschaften geprüft wird, ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein", kritisiert Eisold.

Das Problem beginne bereits mit der Planung der Flugverbindungen. "Wer in flugintensiven Urlaubsmonaten Landungen für 22.50 Uhr und 22.55 Uhr im Flugplan erlaubt, weiß vorher, dass es eine große Zahl an Verspätungen geben wird. Für die Anwohner ist diese dauernde Störung der Nachtruhe eine Zumutung", sagt Eisold. In Hamburg sind im Flugplan Landungen bis 23 Uhr vorgesehen. Für den Zeitraum von 23 bis 24 Uhr gilt die sogenannte Verspätungsregelung. Das heißt, die Fluggesellschaften können bis Mitternacht ohne Ausnahmegenehmigung landen, müssen aber die doppelte Landegebühr bezahlen.

Nur für Landungen zwischen 24 und 6 Uhr gilt die Nachtflugbeschränkung und es muss eine Ausnahmegenehmigung des Fluglärmschutzbeauftragten der Stadt eingeholt werden. Dessen Mitarbeiter Uwe Schacht sagte dem Abendblatt: "Unser Ziel ist es, die Zahl der Landungen nach 23 Uhr so weit wie möglich einzudämmen. Wir können es nicht hinnehmen, dass einige Fluggesellschaften die Verspätungsregelung zu einer Dauereinrichtung machen." Die Stadt überlegt nun, die Maßnahmen zu verschärfen: "Eine Möglichkeit wäre, dass besonders auffällige Fluggesellschaften künftig jede Verspätung zwischen 23 und 24 Uhr schriftlich begründen müssten und zwar noch vor der Landung", sagt Schacht.

Besonders die Maschinen der Air Berlin stören die Anwohner häufig in ihrer Nachtruhe: Neun der 13 Flüge der Airline in diesem Sommer zwischen den Kanaren und Hamburg landeten nicht planmäßig um 22.50 Uhr, sondern erst nach 23 Uhr. Dazu Schacht: "Wir haben Vertreter von Air Berlin für Ende Oktober zu einem Gespräch in der BSU eingeladen. Die hohe Zahl der Verspätungen ist nicht mehr zu akzeptieren."

Auf Abendblatt-Anfrage sagte Air-Berlin-Sprecherin Tina Birke: "Viele Verspätungen im Sommerflugplan ergaben sich aus den Herausforderungen aufgrund der Aschewolke nach dem Vulkanausbruch auf Island. Außerdem aus den Umlaufverspätungen, die Resultat der personellen Engpässe der Deutschen Flugsicherung sind. Dazu sorgten Streiks für erhebliche Behinderungen, allein im Juli gab es sieben."