Kommentar

Das Recht auf Nachtruhe

Die Nachtruhe ist ein hohes Gut. Das gilt auch für die Anwohner des Hamburger Flughafens. Aber das scheint zahlreiche Fluggesellschaften nicht besonders zu interessieren. Das beweist der dramatische Anstieg der verspäteten Flüge nach 23 Uhr in den ersten sieben Monaten dieses Jahres.

Die Anwohner werden im Schnitt pro Nacht zweimal vom Lärm landender Maschinen belästigt. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Die Stadt hat extra einen Fluglärmschutzbeauftragten, doch der hat auch keine wirkliche Handhabe gegen die Airlines. Denn dank einer sehr kulanten Verspätungsregelung haben die Fluggesellschaften bis 24 Uhr nichts zu befürchten. Die doppelte Landegebühr, die je nach Maschine bei ein paar Hundert Euro liegt, dürfte keine abschreckende Wirkung haben. Deshalb werden die Airlines weiterhin ihre Ankunftszeiten im Flugplan auf kurz vor 23 Uhr legen und einkalkulieren, dass es häufiger mal deutlich später wird.

Natürlich darf man bei aller Kritik nicht vergessen, dass der Flughafen für Hamburg wirtschaftlich bedeutsam ist. Die Fluggesellschaften bringen viel Geld in die Stadt. Und natürlich müssen die Maschinen irgendwo starten und landen.

Aber trotzdem hat die Nachtruhe der Anwohner höchste Priorität. Das sollte auch die Stadt erkennen und endlich handeln. Ein Fluglärmschutzbeauftragter ist eine gute Sache. Aber dieser muss auch die Möglichkeit haben, mit spürbaren Sanktionen gegen die Airlines vorzugehen.