Winternothilfe beendet

Bündnis fordert 1029 Wohnungen für Obdachlose

Das Winternotprogramm der Sozialbehörde ist vorbei. Ein Aktionsbündnis demonstriert für den Erhalt der Schlafplätze für Wohnungslose.

Hamburg. Seit knapp einem Monat ist der Winter vorbei - zumindest aus meterologischer Sicht. Die Hamburger Sozialbehörde hatte deshalb für diesen Montag das Ende ihres Winternotprogramms für Obdachlose angekündigt. Die zusätzlichen 360 Notunterkunftsplätze in der Innenstadt (Spaldingstraße 1), in Wohncontainern und im Altonaer Rumond-Walther-Haus werden aufgelöst – zum großen Unmut des "Aktionsbündnisses gegen Wohnungsnot": 30 bis 50 Menschen haben sich am Morgen vor der zentralen Anlaufstelle in der Spaldingstraße versammelt und gegen den Abbau von Obdachlosen-Schlafplätzen protestiert. Mit einem 20 Meter langen Banner "Eine Brücke ist kein Zuhause - 1029 Wohnungen für Obdachlose" wiesen sie auf die akute Wohnungsnot in der Hansestadt hin. „Jetzt müssen Hunderte Obdachlose wieder auf die Straße zurück, denn in Hamburg fehlen akzeptable Unterkünfte und bezahlbare Wohnungen“, beklagte Diakoniesprecher Steffen Becker.

Die Sozialbehörde hatte die Zahl der Schlafplätze während der kalten Jahreszeit im Vergleich zum Vorjahr von 270 auf 360 erhöht. Die sollen nun wieder gestrichen werden. Das Aktionsbündnis kämpft hingegen für die Beibehaltung aller Schlafplätze. „Rund 1400 Menschen haben die Übernachtungsmöglichkeiten im Winternotprogramm genutzt, nur sehr wenige konnten eine Wohnung beziehen, fast alle sind jetzt wieder auf der Straße“, sagte Bettina Reuter vom Aktionsbündnis. Der Senat hingegen spricht von einem vollen Erfolg: "Die städtischen Schlafplätze für Obdachlose waren im vergangenen Winter zu über 100 Prozent ausgelastet. Überwiegend wurden sie von Bulgaren, Rumänen und Polen in Anspruch genommen, sagte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD). Die Sozialbehörde finanzierte das Programm mit rund einer Million Euro.

Abriss des Hochhauses vielleicht erst im kommenden Jahr

Viele der Obdachlosen schliefen während des Winters in der neu eröffnete Unterkunft in der Spaldingstraße 1. Doch um die Schlafplätze in einem ehemaligen Bürohochhaus in der Nähe des Hauptbahnhofs hatte es Streit gegeben, weil die Sozialbehörde das ehemals leer stehende Gebäude für 530 000 Euro umbauen ließ. Wenig später wurde bekannt, dass die Finanzbehörde das Haus nach dem Winter abreißen will, um dann das leere Grundstück zu vermarkten. Doch ab es noch in diesem Jahr zu einem Abriss kommen wird, steht bislang nicht fest: "Wenn die Sozialbehörde das Hochhaus im kommenden Winter noch einmal benötigt, werden wir es erst 2013 abreißen", sagte Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde, gegenüber abendblatt.de.

Das Gebäude gehört der Finanzbehörde, sie hat es der Stadt lediglich vermietet. Der B-Plan sieht für die Fläche Bürobebauung vor, "daran halten wir auch weiter fest", sagte Stricker. Nicole Serocka, Sprecherin der Sozialbehörde, bestätigte: "Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit dem Eigentümer. Es wäre natürlich schön, wenn wir das Hochhaus im kommenden Winter wieder nutzen könnten." Zuvor müssten aber bauliche Gutachter zur Tauglichkeit und Statik des Gebäudes befragt werden. "Wir erwarten eine Entscheidung in den nächsten Wochen", sagte Serocka. (sap)