Flughafen Hamburg

Passagiere beklagen miserables Krisenmanagement

Foto: Hamburger Abendblatt / Andreas L / Hamburger Abendblatt / Andreas L/Andreas Laible

Böses Erwachen für viele Passagiere am Flughafen Fuhlsbüttel: Der Notfallplan der Lufthansa greift nicht, rund 4004 Fluggäste waren betroffen.

Hamburg. Die Reise von Wulf Mey beginnt entspannt. Der Chef einer Hamburger Künstleragentur hat schließlich vorgesorgt, die Notfallpläne der Lufthansa schon am Freitag studiert. Am Sonnabend hat er sich in die Schlange der Passagiere am Lufthansa-Schalter eingereiht. Nach zwei Stunden Wartezeit umgebucht. Und dem Streik der Piloten gelassen entgegengesehen. Seiner Reise nach Valencia, dem zeitigen Einstieg in das Kreuzfahrtschiff "Aidablu" steht nichts mehr entgegen. Denkt er. - Montag um 7.15 Uhr dann das böse Erwachen. Flug nach Düsseldorf gestrichen. Anschluss verpasst. Der Notflugplan der Lufthansa greift nicht. Für Mey beginnt das Zittern.

Der Streik der Lufthansa-Piloten hat gestern am Hamburger Flughafen zu etlichen Streichungen geführt. Von 97 regulären Flügen starteten nur 44. Rund 4000 Fluggäste waren betroffen. Viele von ihnen hatten sich jedoch auf die Situation eingestellt, waren auf die Bahn umgestiegen oder hatten gleich das Auto genommen.

Und auch die Lufthansa hatte Vorkehrungen getroffen, um das Chaos an den Flughäfen und den Unmut der Passagiere möglichst klein zu halten. Eine Hotline geschaltet, Sonderflugpläne erstellt. Getränke in der Abflughalle verteilt. Kostenlos.

Doch das System funktioniert nicht wie geplant. Die Hotline ist dauerbesetzt. Sonderflüge fallen aus, weil die Crews nicht erscheinen. "Es ist eine Sache, ob gestreikt wird. Eine andere aber, wie die Lufthansa das händelt", sagt Mike Reschke. Der 42 Jahre alte Grafiker ist auf dem Weg nach München. Sein Flug LH037, Abflug 6.55 Uhr, wurde gestrichen. "Die Dame am Schalter hat mich auf die nächste Maschine um 7.30 Uhr umgebucht", so Reschke. Doch schon am Gate endet die Reise. Keine Verbindung zur Crew, heißt es. Erneut steht Reschke am Schalter an. Zwei Stunden lang. Es gebe keine Alternative. Reschke macht sich bei Air Berlin schlau, bekommt einen Flug um 10.05 Uhr. "Erst auf mein Drängen hat Lufthansa umgebucht", sagt Reschke. "Das ist doch vorsätzliche Verarschung."

Lufthansa-Sprecher Bernd Habbel bestreitet die Vorwürfe. "Wir haben 90 Mitarbeiter im Einsatz, versuchen, so gut es geht, auf andere Flüge und Airlines umzubuchen, damit die Passagiere ihr Ziel erreichen. Und im Internet werden unsere Sonderflugpläne ständig aktualisiert."

Und dennoch kommt es spontan zu neuen Ausfällen. So wird die Maschine LH4790 nach London kurzfristig gestrichen. "Der Notflugplan war falsch", beklagt sich Edgar L. Der Banker pendelt wöchentlich zwischen Hamburg und London. Seine Maschine sollte um 7.40 Uhr starten. "Ich hätte auch eine Maschine der British Airways nehmen können", sagt er. "Aus Kostengründen hat die Lufthansa nicht umgebucht. Das Krisenmanagement ist miserabel. Und die Piloten verhalten sich asozial."

Softwarefachmann Heiko Lenzing (46) findet den Streik in Ordnung, ärgert sich aber über die Abwicklung am Boden. "Ich habe mich am Sonnabend bei der Lufthansa informiert. Da hieß es noch, dass dieser Flug auf jeden Fall gehen wird." Zwei Stunden steht er am Umbuchungsterminal. Während auf der Rollbahn andere Fluggesellschaften mit gleichem Ziel abheben. Eine der Gesellschaften, die von dem Streik profitiert, ist Air Berlin. "Aufgrund der erhöhten Nachfrage setzen wir größere Maschinen ein", sagt Sprecherin Diane Daedelow. Aber: "Umso kurzfristiger die Buchung, desto höher der Flugpreis."

In der Frankfurter Lufthansa-Zentrale sieht man sich selbst als Opfer des Pilotenausstands. Sprecher Thomas Jachnow bezeichnet den Streik als einen "außerordentlichen Umstand", der für die Reisenden zwar "bedauerlich" sei, für den die Lufthansa jedoch keine Verantwortung übernehmen könne. Genauso wenig wie für verpasste Anschlussflüge und entstehende Übernachtungskosten. "Entschädigungen und Ausgleichszahlungen lehnen wir ab", sagt Jachnow.

So werden Sara Sörensen (20) und Katherine Christensen (19) auf ihren Ausgaben sitzen bleiben. Ihr Lufthansa-Flug LH011 nach Frankfurt, Abflug 9.45 Uhr, wurde gestrichen. Die beiden Abiturientinnen aus Dänemark verpassen ihren Anschlussflug nach San Francisco, müssen jetzt ihre Hotelbuchung in den USA absagen und die Rechnung aus eigener Tasche begleichen. Heute soll es für sie weitergehen.

Für Künstlervermittler Mey wäre das zu spät. Die "Aidablu" legt um 20 Uhr ab. Mit oder ohne Mey. Dieser fliegt schließlich doch noch los, mit Air Berlin. Über Mallorca geht es nach Valencia. Während seine Künstler, "Frau Emmi" und Valentin Willnowsky, bereits an Bord des Schiffes entspannen. Sie hatten von vorneherein nicht Lufthansa gebucht.