St. Pauli: Angst vor dem Ausverkauf

Anwohner kämpfen gegen Bernhard Nocht Quartier

Die Altbauten an der Bernhard-Nocht-Straße und der Erichstraße sollen teilweise saniert, modernisiert - und auch abgerissen werden.

Hamburg. Es war ein Aushang in der Bernhard-Nocht-Straße auf St. Pauli, der die Anwohner im Mai in Harnisch brachte: Ihr Kiez soll zum "Bernhard Nocht Quartier", kurz: "BNQ", umgestaltet werden. Einer der Anwohnerinnen war ein Protokoll einer Sitzung zugespielt worden. Teilnehmer: Bezirkspolitiker aller Fraktionen, Vertreter der Behörden und die neuen Investoren. Die nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Verlautbarungen hatten es in sich. Denn für 2010 sind umfangreiche Baumaßnahmen in dem Quartier südlich der Reeperbahn geplant. Die Altbauten in der Bernhard-Nocht-Straße und der Erichstraße sollen teilweise saniert und modernisiert, in mindestens einem Fall sogar abgerissen werden. Seit dem Bekanntwerden herrscht Unruhe auf St. Pauli. Die Bewohner fürchten, aus ihren Wohnungen vertrieben zu werden. "Die Investoren planen hier Luxuswohnungen, sie wollen die alten Mieter vertreiben", sagt Christoph Schäfer vom Interessenbündnis "NoBNQ", in dem betroffene Mieter und deren Nachbarn gegen die Pläne des Investors protestieren. Der Investor ist die Köhler + van Bargen OHG aus Hamburg. Mindestens eine Mieterin musste schon vor der Sanierung ihrer Wohnung eine Mieterhöhung schlucken.

Für die Anwohner ist klar: Wer wenig Geld hat und sich seine Wohnung wegen höherer Mieten nicht mehr leisten kann, findet auf St. Pauli keinen Ersatz. Das böse Wort der "Gentrifizierung" macht wieder einmal die Runde - so heißt das im englischen Fachsprech, wenn Alteingesessene Platz machen müssen für gutverdienende Zugezogene.

Das Interessenbündnis macht auch den Bezirk für die Pläne verantwortlich. Unlängst stellte sich Bezirksamtschef Markus Schreiber den Fragen der Anwohner und versprach, die Plausibilität der Einführung einer sogenannten Sozialen Erhaltungsverordnung zu prüfen. Doch bis die inkraft sei, "leben wir längst alle nicht mehr hier", fürchten die Mieter. Sie wollen nun kämpfen, mit verschiedenen Veranstaltungen (die größte findet am 5. September statt) und sich notfalls mit rechtlichem Beistand gegen Mieterhöhungen wehren. Schäfer: "Wir fordern einen öffentlich geförderten Sozialwohnungsbau."