Golf von Aden

Hamburger Seeleute nach Somalia verschleppt

Die Lage in den Piratengewässern im Golf von Aden spitzt sich zu. Ein Großteil der 24-köpfigen Crew des entführten Hamburger Frachters "Hansa... Bilder von Piraten.

Die Lage in den Piratengewässern im Golf von Aden spitzt sich zu. Ein Großteil der 24-köpfigen Crew des entführten Hamburger Frachters "Hansa Stavanger" ist nach Information des deutschen Reederverbands möglicherweise von Bord des Schiffs an Land verschleppt worden. Unklar sei, ob darunter auch die fünf deutschen Besatzungsmitglieder sind.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte sich zu Details nicht äußern, um die Mannschaft der "Hansa Stavanger" nicht zu gefährden, wie sie dem Abendblatt sagte. "Der Krisenstab bemüht sich weiter intensiv um eine Freilassung", sagte die Sprecherin. Das Containerschiff der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg war am 4. April rund 740 Kilometer vor der Küste des von Chaos und Bürgerkrieg geprägten Somalia entführt worden und vor dem Piratenstützpunkt Harardhere vor Anker gegangen. Derzeit sollen die Piraten trotz des Einsatzes westlicher Marine-Einheiten mindestens 18 Handelsschiffe mit mehr als 300 Seeleuten in ihrer Gewalt haben.

Mit der Verschleppung reagieren die Piraten offenbar auf die gewaltsame Befreiung eines US-Kapitäns durch amerikanische Soldaten. So sollen nach einer Meldung der Deutschen Nachrichtenagentur (dpa) nach der Verschleppung der Crew bewaffnete Milizen auf die "Hansa Stavanger" gegangen sein. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf Informationen der Umweltorganisation Ecoterra.

Unterdessen ist die spektakuläre Rettungsaktion des Hamburger Frachters MS "Dorian" in den Gewässern vor Ostafrika zu einem glücklichen Ende gekommen. Gestern konnten 75 Schiffbrüchige, darunter Frauen und Kinder, auf Sansibar an Land gehen. Das kleinere Containerschiff der Hamburger Reederei Komrowski ist derzeit für einen Liniendienst zwischen Indien, Iran und Ostafrika verchartert. Dabei fährt es regelmäßig nahe der Gefahrenzone, in der es bisher zu Piraten-Attacken gekommen ist. Aus Sicherheitsgründungen müsse das Schiff teilweise dicht unter Land in einem schmalen Zwölf-Meilen-Streifen bleiben, sagt Komrowski-Geschäftsführer Roland Höger (55). Dabei hatte die "Dorian" am Donnerstagvormittag der Hilferuf einer kleinen "ziemlich alten" Fähre erreicht, die zwischen den Komoren im Indischen Ozean und der ostafrikanischen Insel Sansibar verkehrt. Ihr Kapitän meldete über Funk SOS und starken Wassereinbruch, der Maschinenraum war bereits geflutet, die Motoren liefen nicht mehr und das nur 42 Meter lange Schiffe rollte mit 75 Menschen an Bord in der gut vier Meter hohen See. Der Kapitän des Hamburger Schiffs, der Ukrainer Mykola Chernikow (46) meldete sich sogleich bei seiner Hamburger Reederei, weil der Seenotruf auch eine Falle von Piraten sein könnte. "Wir haben uns dann mit dem internationalen maritimen Sicherheitsbüro in London auseinandergesetzt - die schienen absolut gut informiert zu sein", so Komrowski-Geschäftsführer Höger. Zudem habe das schlechte Wetter gegen einen Piratenangriff gesprochen. "Die Attacken geschehen meist bei ruhiger See", so Höger, der schließlich grünes Licht für die Rettung gab. Wenig später war der Havarist erreicht, die Schiffbrüchigen konnten an Bord des Frachters gelangen. Allerdings wurde ein Besatzungsmitglied des Passagierschiffs zwischen Bordwand und Rettungsboot eingeklemmt und starb an seinen schweren Verletzungen. Die Geretteten brachte Kapitän Chernikow in leeren Containern an Deck unter, die vier Kinder und elf Frau ließ er, selbst Vater eines Kindes, aber in die Mannschaftsräume. Höger: "Der Mann hat da einfach einen tollen Job gemacht."