Nachspiel

Realismus statt Sommermärchen

"Bei einem Rechteerwerb wären wir zu einem Sendevolumen verpflichtet gewesen, das angesichts der derzeitigen Akzeptanz dieses Sports in Deutschland nicht vertretbar ist." Gesagt hat diesen Satz Dieter Gruschwitz, der Sportchef des Zweiten Deutschen Fernsehens. Und weil es leider wahr ist, dass Eishockey hierzulande zur Nischensportart verkommen ist, muss man die Hoffnungen der Organisatoren, mit der morgen beginnenden Heim-WM ein Sommermärchen auf Eis zu schreiben, schon vor dem ersten Bully abhaken. Nur 13 Prozent der Deutschen wissen, dass die besten Puckjäger der Welt sich in ihrer Nähe messen. Wenn im Mai die Frühlingssonne lockt, ist das einzige Eis, das die große Mehrheit interessiert, das in einer Waffel, genossen im Freien und nicht vor dem Fernseher.

Dennoch müssen sich die Verantwortlichen nicht grämen. Eishockey war nie ein TV-Ereignis, diesen Sport muss man live erleben, um seine Faszination zu verstehen. Mehr als 76 000 Menschen werden dies beim Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und den USA in der Arena auf Schalke tun. Die Bilder davon werden in Print- und Onlinemedien um die Welt und im Deutschen Sportfernsehen, das jetzt Sport 1 heißt, auch in Deutschland laufen. Und natürlich kann davon eine Sogwirkung ausgehen, die dem jungen deutschen Team zu einer außergewöhnlichen Leistung und dem Sport zu ein wenig mehr Popularität verhilft.

Der wichtigste Unterschied zu Fußball und Handball ist jedoch, dass die deutschen Eishockeymänner den WM-Titel wirklich nur im Märchen gewinnen könnten. Deshalb ist es besser, von vornherein realistisch zu bleiben. Der Kater nach dem Aufwachen ist dann nicht so heftig.