Hamburg. Wer unter dunklen Flecken im Haus leidet, muss sein Lüftungsverhalten ändern. Allerdings ist das eine Wissenschaft für sich.

Es gibt da so manche Wörter, auf die ein Immobilienbesitzer verzichten könnte. Heizungsgesetz zum Beispiel. Oder Anschlussfinanzierung. Grundsteuerreform, Eigentümerversammlung, Streu- und Räumpflicht. Und: Tja. Zumindest, wenn es aus dem Mund eines Handwerkers kommt. In der Langfassung heißt das nämlich: „Es ist so, wie ich es mir gedacht habe, man kann da zwar was machen, aber keine Garantie, dass es nicht wiederkommt, und teuer wird es so oder so.“

Die Weisheit, die ansonsten für das Leben mit Kindern zitiert wird, gilt nun mal auch für Besitzer von Wohneigentum: Irgendwas ist immer. In diesem Fall handelt es sich um zwei weitere Unwörter aus dem Eigenheim-Lexikon: zu finden unter B wie Befall und S wie Schimmel.

Immobilien Hamburg: Schimmel ist quasi die Volkskrankheit der hiesigen Immobilien

Schimmelbefall ist ja quasi eine Volkskrankheit der hiesigen Immobilien, wobei zwar oft, aber bei Weitem nicht nur die betagte und unter Mauerwerk-Osteoporose leidende Spezies der Altbauten betroffen ist, sondern genauso die rüstige Rotklinker-Riege und der von oben bis unten durchoptimierte Neubau.

Denn die heterogene taxonomische Gruppe von filamentösen Pilzen kommt an den besten Adressen vor. Sei es durch undichte Stellen, schlechte Isolierung oder Kondensation. Unzureichend gedämmte Außenwände in Kombination mit gut abgedichteten Fenstern sind ebenso ein Problem wie frisch hochgezogene, nicht ausgetrocknete Räume.

Schimmel im Haus: Am besten nicht mehr duschen und kochen. Oder atmen

Doch egal ob schwarzbraune Flecken an der Deckenkante, pustelnde Punkte an Fensterlaibungen, blühende Landschaften hinter zu nah an Außenwänden postierten Schrankwänden oder flauschige Fellschichten auf im Keller gelagerten Kisten – die Ursache allen Übels ist immer: Feuchtigkeit. Diese zu vermeiden ist die ultimative Challenge eines jeden Wohnenden, und nicht wenige scheitern kläglich.

Kein Wunder: In einem Vierpersonenhaushalt entstehen jeden Tag täglich rund zwölf Liter Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf. Am besten also nicht mehr duschen, schlafen oder kochen. Und schon gar nicht atmen.

Immobilien Hamburg: Es dreht sich alles um das richtige Lüftungs- und Heizverhalten

Die Gebäude-Mykologie, die sich mit Schimmelpilz-Schäden befasst, ist eine Wissenschaft für sich. Sie füllt ganze Bücher, so etwa den Klassiker „Feuchtigkeit und Schimmelbildung. Erkennen, beseitigen, vorbeugen“ der Verbraucherzentrale, der kürzlich in zweiter Auflage erschienen ist.

Im Grunde dreht sich alles um eine hochkomplexe Formel, nämlich dem richtigen Verhältnis von warmer und frischer Luft, erzeugt durch ein „kontrolliertes Lüftungs- und Heizverhalten“.

Schimmel in der Wohnung: Warum Stoßlüften nicht die Lösung sein kann

Wichtigste Lektion der Experten der Verbraucherzentrale Hamburg: Lüften ist nicht gleich lüften. Doch wer glaubt, mit dem Begriff „Stoßlüften“ sei alles gesagt, liegt falsch. Mit weit geöffneten Fenstern lässt sich die Luft zwar schnell austauschen, doch gerade bei Feuchtigkeit nach dem Duschen, Kochen oder Schlafen reiche das nicht.

Denn da Wandoberflächen, Handtücher oder Matratzen die Nässe länger speicherten, sei es besser, nach dem Durchlüften das Fenster zwei bis drei Stunden zu kippen, damit die „Sorptionsfeuchte“ entweichen könne. Der Raumtrocknungseffekt sei so deutlich größer.

Wohnen in Hamburg: Bei einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent ist alles zu spät

Auch im Winter? Gerade im Winter! Kalte Außenluft enthalte wenig Wasser, sei also trocken. Und lasse sich leichter erwärmen als Luft mit hoher Feuchtigkeit, heißt es auf vzhh.de der Verbraucherzentrale Hamburg.

Doch das war noch nicht die ganze Lüftungslehre. Schließlich gibt es noch: das Querlüften. Dazu werden alle Fenster und Innentüren gleichzeitig geöffnet. Morgens und abends, im Winter für fünf bis zehn, im Sommer für 15 bis 30 Minuten. Quergelüftet wird, wenn die Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu hoch ist, das heißt, im Winter höher als 30 bis 45, im Sommer höher als 45 bis 65 Prozent. Bei mehr als 80 Prozent schimmelt es dann sowieso.

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Jetzt aber zum Heizverhalten. Im Schlafzimmer reichten 18 Grad, im Wohnzimmer und in der Küche 18 bis 20, im Bad 20 bis 22. Unter 16 Grad sollte laut Verbraucherzentrale kein Raum auskühlen, obwohl man nachts und wenn niemand zu Hause ist, die Temperatur insgesamt senken könne – wobei dieser Wert wiederum, natürlich, vom Feuchteniveau der Wohnung abhänge.

Immobilien Hamburg: Schimmel selbst bekämpfen – aber bitte nicht das Haus abfackeln

Und was tun, wenn man den verschimmelten Salat bereits hat? Kleinere Flächen könne man selbst angehen. Aber nicht auf Schimmelentferner mit Aktivchlor (Natriumhypochlorid) zurückgreifen, auch nicht auf Essig. Am besten ist laut Verbraucherzentrale hochprozentiger Alkohol zum Abtöten der Schimmelpilzkeime geeignet. Aber aufpassen, dass man nicht die ganze Bude abfackelt. Auch wenn sich das Schimmelproblem damit erledigt hätte.

Ist jedoch bereits mehr als ein halber Quadratmeter von Schimmel befallen, solle ein Fachbetrieb ran. Tja.