Altonas Bezirkschefin

Liane Melzer: Abschied mit Wehmut und schlimmen Erinnerungen

Liane Melzer im Treppenhaus des Altonaer Rathauses: "Schlimme und bittere Dinge erlebt."

Liane Melzer im Treppenhaus des Altonaer Rathauses: "Schlimme und bittere Dinge erlebt."

Foto: Thorsten Ahlf / HA

Die SPD-Politikerin zieht Bilanz ihrer sechsjährigen Amtszeit als Bezirksamtsleiterin – mit Seitenhieb beim Thema Elbe-Radweg.

Hamburg. Die scheidende Bezirksamtsleiterin Liane Melzer (SPD) hat eine positive Bilanz ihrer sechsjährigen Arbeit in Altona gezogen. Bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten bezeichnete Melzer ihr Amt unter anderem als „Privileg“. Altona entwickle sich aktuell „ungeheuer dynamisch“ und sei der spannendste Bezirk Hamburgs. Wie berichtet, hört Melzer Ende August aus Altersgründen auf, wer ihr folgt, ist zurzeit noch offen. Einziger Wermutstropfen sei die Tatsache, dass der Abschluss wichtiger Großprojekte wie des Autobahndeckels über die A 7 oder die Science City Bahrenfeld nicht mehr in ihre Amtszeit falle, sagte Melzer wehmütig. „Ich wäre gerne noch als Bezirksamtsleiterin über den Deckel gegangen.“

Seitenhieb auf Elbe-Radweg-Initiative

Melzer, die vor ihrem Amtsantritt unter anderem Sozialsenatorin in Rostock war, bezeichnete die Altonaer Bezirksversammlung als „sehr selbstbewusst“. Dort verstehe man sich stärker als in anderen Bezirken noch als echtes Parlament. Verhalten kritisch äußerte sich Melzer über das Ausmaß der Bürgerbeteiligungen im Bezirk. Grundsätzlich begrüße sie diese natürlich, aber es habe auch unnötige Konfrontationen gegeben. „Beim Thema Elbe-Radweg hatte das Bezirksamt gerade mit Vorüberlegungen begonnen, da war schon die erste Initiative gegründet“, so Melzer.

Taylers Tod als schlimmer Erinnerung

Auch die Diskussionen um das Wildgehege Klövensteen und den Blankeneser Marktplatz hätten das Amt stark gefordert. „Manches war da schon extrem schwierig“, so Melzer. Sie habe während ihrer Amtszeit auch einige „schlimme, sehr bittere Dinge“ erlebt. Besonders nahegegangen sei ihr der Tod des 13 Monate alten Jungen Tayler. Das Baby war im Dezember 2015 vom Lebensgefährten seiner Mutter zu Tode geschüttelt worden.

Das zweite Drama, das sie auch heute noch belaste, sei der Tod eines 50 Jahre alten Mitarbeiters des Bezirksamts, der den Feuertod starb, als ein psychisch kranker Mann ihn und seinen Kollegen 2018 mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttete und anzündete. Der Täter sollte damals vom bezirklichen „Zuführdienst“ in die Psychiatrie gebracht werden.

Melzer sieht Wohnungs-Mix gegeben

Die Gefahr eines Auseinanderdriftens der einzelnen Altonaer Stadtteile in Arm und Reich sieht Melzer unterdessen nicht. Im Gegenteil: Nicht zuletzt durch den Drittelmix beim Wohnungsbau gebe es jetzt eine stärkere Durchmischung der einzelnen Quartiere, als das früher de Fall gewesen sei.