Rote Flora

„Wir werden jetzt wohl in die Kampfphase eintreten“

Vollversammlung der Aktivisten des besetzten Kulturzentrums zu den Plänen des Flora-Eigentümers, der einen Neubau plant. Protestaktionen geplant?

Sternschanze. Die kürzlich bekannt gewordenen Investorenpläne zum Umbau der Roten Flora werden von den Besetzern als akute Bedrohung für ihr Projekt gewertet. Am späten Donnerstagabend kamen die Unterstützer und Nutzer des alten Theatergebäudes im Schanzenviertel zu einer Vollversammlung zusammen, um das Vorgehen zu beraten. „Wir werden jetzt wohl in die Kampfphase eintreten“, sagte ein Sprecher der Flora-Pressegruppe dem Abendblatt.

Man betrachte die Pläne von Flora-Eigentümer Klausmartin Kretschmer und seinem Immobilienberater Gert Baer als Versuch einer „neoliberalen Umgestaltung und Privatisierung“ der Roten Flora. „Wir werten das vor allem als persönlichen Angriff von Herrn Baer“, sagte der Sprecher.

Man werde daher an „vielen Stellen und vielfältig die Diskussion“ mit ihm suchen, so an seinen Baustellen und Büros. Eine Drohung? Näher wollte der Flora-Sprecher darauf nicht eingehen. „Investoren werden sich die Finger daran verbrennen“, betonte er auf Nachfrage.

Als weitere Aktion kündigte der Sprecher an, dass das Fest zum 24-jährigen Bestehen des Zentrums um den 1.November herum nun weit größer ausfallen werde als ursprünglich geplant. Ob auch Demonstrationen auf der Straße geplant seien, ließ er offen, deutete sie aber an: „Die Kapazität im Inneren der Flora“ würde sicher nicht ausreichen.

Zudem plane die Rote Flora nun einen weiteren Ausbau des überwiegend von linksautonomen Gruppen besetzten Hauses. „Uns wird es in der heutigen Form auch in zehn Jahren dort noch geben“, sagt der Flora-Sprecher.

Ende vergangener Woche hatte der in Hamburg und auch international agierende Immobilienkaufmann Baer die Pläne für die Rote Flora vorgestellt und einen Bauvorbescheid beim zuständigen Bezirksamt Altona eingereicht. Danach sollen die oberen Stockwerke des anno 1888 erbauten Theatergebäudes rekonstruiert und in einen teilweise bis zu sechsgeschossigen Neubau integriert werden.

In dem neuen Komplex könnten den Plänen zufolge eine Kita einziehen sowie Proberäume, Büros und Restaurants. Kern ist ein großer Veranstaltungs- und Konzertsaal mit bis zu 2500 Plätzen. Projektname: „Flora Veranstaltungs- und Stadtteilkulturzentrum“. Den Rotfloristen sollen günstige Räume angeboten werden – was von den Nutzern der Roten Flora als „absurd“ bezeichnet wurde.

Die Pläne stießen auch in der Bezirkspolitik bei allen Fraktionen auf massive Ablehnung. Man ist sich einig, dass die Rote Flora in ihrer heutigen Nutzung erhalten bleiben soll. Der Bezirk will dazu einen Bebauungsplan aufstellen, der den heutigen Zustand der Roten Flora sichert. Ein Umbau wäre dann nicht erlaubt, eine Nutzung nur als Stadtteilkulturzentrum in seiner heutigen Form möglich. Baer hatte allerdings bereits angekündigt, dass man gegen diesen Plan klagen werde, „weil er den Eigentümer kalt enteignet“.

Kretschmer hatte das seit 1989 besetzte Gebäude 2001 vom damaligen rot-grünen Senat für 370.000 Mark gekauft. Die Stadt konnte so Forderungen nach Räumungen und mögliche Straßenkrawalle umgehen und damit aus dem Wahlkampf heraushalten. Gut zehn Jahre später verhandelten beide Seiten wieder über einen Rückkauf, Angebote von 1,3 Millionen Euro lehnte Kretschmer aber als zu gering ab. Mit dem neuen Bebauungsplan hätte er nun zwar einen Anspruch auf Übernahme des Grundstücks durch die Stadt, weil sein Eigentum als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesen werden soll. Doch nach Einschätzung von Bezirkspolitikern liegt der Verkehrswert der Immobilie jetzt nur noch bei etwa 800.000 Euro, und mehr müsse die Stadt nicht zahlen.

„Der Mann hat sich verspekuliert“, sagt der Vorsitzende des Altonaer Planungsausschusses, Mark Classen (SPD). Die jetzt vorgestellten Pläne werte er als Versuch, den Preis wieder hochzutreiben, indem sie die Furcht vor einem Wiederaufflammen der Krawalle heraufbeschwören.

Unterdessen macht der Bezirk mit dem neuen Bebauungsplan „Sternschanze 7“ Tempo, um den Kretschmer-Plänen den Wind aus den Segeln nehmen zu können. Voraussichtlich am 24.Oktober kann er in der Bezirksversammlung beschlossen werden. Anschließend folgt die übliche Rechtsprüfung und noch in diesem Jahr, so die Einschätzung von SPD-Politiker Classen, werde der Plan dann rechtsgültig. Vorbescheidsanträge könnten bis dahin zurückgestellt werden. „Da kann nix mehr passieren“, vermutet Classen.