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Geheimtipp mit Pariser Flair am Poelchaukamp

Fischer Feine Küche am Freitag (23.02.2018) im Kleiner Speisesaal Ole Petersen Foto: Roland Magunia

Fischer Feine Küche am Freitag (23.02.2018) im Kleiner Speisesaal Ole Petersen Foto: Roland Magunia

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Inhaber Ole Petersen nennt das Restaurant Kleiner Speisesaal sein „Baby“. Die Atmosphäre ist persönlich, die Speisen sind pfiffig.

Winterhude. Der Name ist Programm im Souterrain in Winter­hude. Ein paar Stufen ­hinunter an der Ecke Dorotheenstraße/Poelchaukamp, und schon steht der Gast im Kleinen Speisesaal. So heißt das Restaurant von Ole Petersen. 40 Plätze drinnen, ebenso viele draußen im Zelt an der Straße. Atmosphäre wie in Paris, savoir vivre in Alsternähe.

Seit acht Jahren ist Petersen Geschäftsführer, Koch und Patron in seinem Lokal an einem Ort, wo bereits vorher Gastronomie zu Hause war. „Mit 40 habe ich endlich meinen Traum verwirklicht, denn ich wollte immer selbstständig sein“, sagt der 47 Jahre alte Single. „Deshalb ist dies schon mein richtiges Baby. Für Familie hatte ich deshalb bisher keine Zeit.“

Aufgewachsen ist der Hamburger in Wilhelmsburg, seine Kochausbildung absolvierte er im Hafen-Klub an den Landungsbrücken. Während des Wehrdienstes bei der Marine in Glückstadt bekochte er die Offiziere, arbeitete anschließend bei einem Partyservice in Eppendorf, im Old Commercial Room am Michel, als Küchenchef im Fitnessclub Aspria im Alstertal und bei der italienischen Spitzenköchin Anna Sgroi in St. Georg.

Die Speisekarte ist übersichtlich

Den Namen seines Restaurants hat der Chef sich ausgedacht. „Zuerst hatte ich Speisezimmer im Kopf, aber der Titel war schon vergeben.“ Als „neue deutsche Küche mit internationalen Einflüssen“ beschreibt Petersen seinen Küchenstil. „Aber ich koche auch gern Hausmannskost mit Pfiff.“ Kalbfleischfrikadellen, Königsberger Klopse und Rinderrouladen werden ab und an serviert, sehr zur Freude der hungrigen Besucher.

Die Speisekarte ist übersichtlich. Schließlich kümmern sich nur sieben Kräfte in Küche und Service um die Gäste, die aus ganz Hamburg sowie dem benachbarten Ausland kommen und von denen viele den Kleinen Speisesaal möglichst als Geheimtipp für sich behalten wollen. Sechs Vorspeisen, vier Hauptgänge, vier Desserts, dazu Wochenempfehlungen sowie Salat, Pasta und Risotto sind im Angebot. Und jeden Dienstag wird durchgemischt und die Karte geändert. Seit Anfang des Jahres gibt es außerdem an Wochentagen Mittagstisch, ebenfalls mit wechselndem Angebot.

Dauerbrenner: Thunfisch mit Wasabi

Immer zu haben ist der angebratene Thunfisch mit schwarzem Sesam auf Salat und Wasabi-Creme. Zarter, geschmacksintensiver Fisch, knackiger Salat, pikante Creme mit angenehmer Schärfe – eine gelungene Kombination.

Ebenfalls aus der Pfanne kommt der Büffelmozzarella mit getrockneten Tomaten, Gurke, einem Senfdressing und angeröstetem Schwarzbrot. Das Gericht hat sich Küchenchef Dennis Rosenbroock ausgedacht. Der Käse schmeckt eher wie eine Paté, die Gurke sorgt für frische Nuancen auf dem Teller, das Brot ist knus­prig.

Die Weinkarte listet gut 30 Positionen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich und Südafrika. Ein 0,2-Liter-Glas gibt es für 4,90 Euro, manche Weine auch als halben Liter. Die günstigste Flasche kostet 19 Euro. Bei dieser Kalkulation bestellt eine fröhliche Runde gern nach und hält sich nicht zwanghaft den ganzen Abend an einer Flasche fest, was bei höheren Preisen oft passiert.

Extrawünsche werden gern erfüllt

Unkompliziert ist der Service im Souterrain. Wer einen Hauptgang als Vorspeise oder umgekehrt bestellen möchte, sich ein Gericht teilen will oder nur eine halbe Portion schafft, dem werden die Wünsche in der Regel erfüllt. „Die Gäste sollen sich wohlfühlen“, sagt Restaurantleiterin Martina Dedekind. Sie war schon bei der Eröffnung des Lokals dabei, ging dann auf Wanderschaft und kehrte vor einem Jahr zurück. „Wir sind ein gutes Team und haben sehr nette Gäste, alles sehr persönlich.“

Dazu trägt auch die gemütliche Einrichtung bei. Große Spiegel hängen an den violetten und weißen Wänden, Fenster an beiden Straßenseiten sorgen für räumliche Weite. Gesessen wird auf Bistrostühlen und Lederbänken. Die Tische sind weiß eingedeckt mit Gläsern und Besteck, Brottellern, Blumen und Teelichtgläsern in Rot. Die grauen Servietten sind mit dem Signet des Restaurants bedruckt – ein schöner personalisierter Blickfang. Draußen im Zelt hat man die Straße und die Passanten im Blick. Sehen und gesehen werden.

Zum Mitnehmen gibts Balsamico-Sirup

Wer ein Stück aus dem Kleinen Speisesaal gern zu Hause hat, der kann sich den selbst gemachten Balsamico-Sirup mitnehmen. Ole Petersen kocht Rotwein mit Balsamicoessig, Zucker und Gewürzen zu einer dickflüssigen Sub­stanz ein, die zu Salaten oder Fleisch passt. 0,1 Liter kosten fünf Euro, die doppelte Menge das Doppelte.

„Wir sind ein kleines, feines Lokal mit guten, frisch zubereiteten Speisen und aufmerksamem Service“, sagt der Chef. „Das Ambiente ist locker, wir sind nicht überkandidelt und nicht zu teuer. Schließlich ist das hier Winterhude.“

Nach diesem Rezept funktionieren auch erfolgreiche Bistros in Paris. Gutes Essen, gute Getränke, gute Gesellschaft, gute Atmosphäre. Kein Wunder also, dass es sich mit dem Kleinen Speisesaal bestens leben lässt.

Kleiner Speisesaal Dorotheenstr. 33

www.kleinerspeisesaal.de