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„Das muss nicht mein letztes Restaurant sein“

Immer dienstags stellt das Abendblatt Hamburgs beste Gastronomen vor – inklusive Rezepte zum Nachkochen. Heute: Cornelia Poletto.

Eppendorf. Bunte Fliesen ebnen den Weg. Wer die wenigen Stufen zu Cornelia Polettos Restaurant hinaufsteigt, der ist schon wegen der Vorfreude fröhlich. Und die farbigen Kacheln aus Frankreich verstärken das noch. Tür auf, die Laune bleibt gut.

Mit dem Restaurant, das ihren Namen trägt, hat sich Cornelia Poletto im Sommer vor fünf Jahren einen Traum erfüllt. „Nach acht Jahren Sterneküche wollte ich etwas Neues machen“, erzählt sie. „Und nur noch das leben, was ich schätze: gute Produkte, gutes Essen, guten Wein.“ Sie habe wegen des ­Michelin-Sterns keinen Druck empfunden und gerne viel gearbeitet. „Aber es war Zeit für einen Kurswechsel.“

Das Haus, in dem sich ihr Sterne-Restaurant befand, wurde überdies abgerissen. Also Zeit, mehr ins Zentrum von Eppendorf zu rücken. Die heute 44-Jährige eröffnete einen Feinkostladen mit angeschlossenem Restaurant. „Öffnungszeiten von 9 bis 21 Uhr, keine Reservierungen, und alles, was man hier essen konnte, sollte man auch mit nach Hause nehmen. Das war meine Idee.“ Von der die Gäste Cornelia Poletto aber schnell abbrachten. Sie wollten ein mehrgängiges Menü genießen und einen Tisch bestellen. Alles wie früher, aber leger und locker. „Also sind wir jetzt in der Gastronomia Cornelia Poletto wieder mehr Restaurant als Feinkostladen. Die Gäste möchten eben lieber essen statt einkaufen.“

Das Lokal hat 30 Plätze in zwei schön geschnittenen Räumen. Die Farben Braun und Türkis, die bunten Fliesen sowie viel Holz schaffen Behaglichkeit. Links lädt die Bar zu einem Drink oder Espresso ein. An kleinen Tischen finden die Gäste Platz, können vor dem Fenster das Treiben auf der Eppendorfer Landstraße und gegenüber auf dem Marie-Jonas-Platz beobachten. In den Regalen Wein und Champagner, wer zu Hause noch einen Absacker trinken möchte, lässt sich den Lieblingstropfen einpacken. Die Tische sind schlicht-elegant eingedeckt mit handlichem Besteck, türkisfarbenen Wassergläsern, weißen Tellerchen, Stoffservietten und dicken Papiersets mit schönen Sinnsprüchen wie „301.338 Quadratkilometer Italien passen tatsächlich auf 100 Quadratmeter Eppendorf“.

Ein paar Stufen hoch nach rechts fällt der große massive Holztisch ins Auge. Hier finden 14 Gäste Platz. „Größere Gruppen sitzen dort, aber auch Pärchen, die mit anderen ins Gespräch kommen und eine schönen Abend haben möchten“, sagt Cornelia Poletto. In den hohen offenen Regalen stehen die Gewürz- und Kaffeemischungen der Köchin, Pasta, Risotto, Essig, Öl, ihre bisher sieben Kochbücher. Auf Eis in der Fischtheke liegt der Fang des Tages, in der Truhe vor der Küche locken internationale Käse- und Schinkensorten sowie Wurstspezialitäten, und im Brotregal warten knusprige Köstlichkeiten darauf, verzehrt zu werden.

Leicht, mediterran, aromenreich – aber nicht italienisch

Die Hamburgerin beschreibt ihre Küche als leicht, mediterran und aromenreich. „Ich habe zwar einen italienischen Nachnamen, aber betreibe kein italienisches Restaurant.“ Viele Gäste von früher sind ihr treu geblieben, lieben die handgemachten Erbsenravioli mit Langostino, die würzigen und abwechslungsreichen Antipasti mit eingelegtem Gemüse, Oliven und vielerlei mehr sowie das cremige Tiramisu mit erfrischendem Blutorangenragout.

Und vor allem „Pollo alla Poletto“ – das halbe Rotisseriehuhn mit wechselnden Beilagen. Knusprig, saftig, zart. „Das ist unser Renner“, sagt die Chefin. Wem jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft, der kann sich auch selbst an Polettos Dauerbrenner versuchen. Hier geht es zum Rezept.

Außerdem gibt es täglich wechselnde Empfehlungen und auf Wunsch auch ein individuelles Menü mit mehreren Gängen. Die Weinkarte ist übersichtlich, die Preise beginnen für ein Glas (0,2 Liter) bei acht Euro, die günstigste Flasche kommt auf 26,50 Euro. Um der guten alten Zeiten willen steht einmal im Monat ein „Poletto-Abend“ auf dem Programm – Fünf-Gänge-Überraschungsmenü inklusive Getränke bei guter Stimmung in bester Gesellschaft. Die Plätze sind schnell ausgebucht. Danach wechselt dann auch im Restaurant die Karte.

Cornelia Poletto betreibt noch eine Kochschule, zeigt im Fernsehen, wie man Fisch filetiert, hat das Menü für das Varieté-Zelt „Palazzo“ an den Deichtorhallen kreiert. „Es macht alles viel Spaß, und ich genieße den Erfolg. Aber ich weiß auch, dass das ohne ein gutes Team nicht möglich wäre.“ So ist Küchenchefin Katrin Beese seit 14 Jahren dabei, Sous-Chef Felix Neumann seit sieben Jahren, Restaurant-Leiterin Christiane Grosche seit fünf Jahren. Insgesamt 20 Angestellte sorgen dafür, dass die Gäste einen geschmackvollen Abend haben.

Man glaubt der Küchenkünstlerin, die privat gern japanisch isst und an einer hausgemachten Frikadelle nicht vorbeikommt, dass sie gern und viel arbeitet. Im Mai erscheint ihr neues Buch „Koch Dich glücklich“. Und auch sonst ist Cornelia Poletto offen für Pläne. „Ich werde im Sommer 45 und kann mir vorstellen, dass dies nicht mein letztes Restaurant ist.“ Hauptsache, die Gäste können auch dort Grillhähnchen bestellen.

So kommen sie hin

Cornelia Poletto Eppendorfer Landstraße 80

www.cornelia-poletto.de

Vorspeisen ab 4,50 Euro, Haupt­gerichte ab 18,50 Euro, Dessert ab 4,50 Euro. Drei-Gänge-Menü 59 €.