Wirtschaftsinformatik

Roboterfan und Wirtschaftsfachmann

Halb Student, halb Auszubildender: Im dualen Studium stehen Theorie und Praxis gleichberechtigt auf dem Lehrplan.Ein straffer Stundenplan ist normal.

"Ein duales Studium bringt viele Vorteile mit sich", sagt der angehende Wirtschaftsinformatiker Kai Hufenbach. "Einerseits kommt man bereits während des Studiums mit der realen Arbeitswelt in Berührung. Andererseits lernt man im Studium die theoretischen Grundlagen für das, was einen an praktischen Aufgaben erwartet. Und es ist auch toll, als Studierender eine Ausbildungsvergütung zu erhalten."

Einen Ausbildungsbetrieb hat Kai mit der Techniker Krankenkasse (TK)gefunden, sein Studium absolviert er an der Nordakademie in Elmshorn. "Ich wollte unbedingt in Hamburg oder zumindest in der Nähe studieren. Außerdem war es mir wichtig, in einem großen namhaften Unternehmen unterzukommen. Schön, dass beides geklappt hat", freut sich der 21-Jährige, der an der Wichern-Schule in Hamburg-Horn Abitur gemacht hat - mit einem Notendurchschnitt von 1,0. Doch das grandiose Ergebnis ist nicht das Einzige, was den Lebenslauf von Kai so besonders macht: Er ist zweimaliger "Jugend forscht"-Landessieger in den Bereichen Physik und Technik. Bereits als 17-Jähriger hat er sich mit leistungsfähigen Leuchtdioden für Verkehrsampeln beschäftigt. Nur ein Jahr später wurde Kai für seinen "intelligenten" Notfallblinker ausgezeichnet. Der Blinker für Motorräder reagiert auf Störungen und Stromausfälle, indem er sich etwa bei einem Unfall automatisch einschaltet.

+++Studenten sind mit den Robotern auf Du und Du+++

Das Jahr von Kai ist straff eingeteilt. Zwischen 20 und 30 Wochen verbringt er an der Nordakademie, die übrige Zeit bei der TK. Dort ist er zurzeit in der Abteilung "System-Framework" eingesetzt. "Wir stellen den Anwendungsentwicklern Basiskomponenten zur Verfügung, die dann für das IT-System der TK genutzt werden", erläutert Kai. Mit seinen Kollegen versteht er sich bestens. "Wenn ich mal Fragen zu irgendwelchen Studieninhalten habe, gibt es immer jemanden, der mir weiterhelfen kann. Außerdem stellt die TK jedes Jahr mehrere Wirtschaftsinformatiker ein, sodass man während seines Studiums nicht auf sich allein gestellt ist." Das Studium empfindet der Technik-Freak als extrem zeitintensiv. Dennoch findet er Zeit dafür, die Kommilitonen gemeinsam mit dem Dozenten Martin Hieronymus fit in Sachen Programmierung zu machen und für immer neue Impulse in den Roboter-Seminaren zu sorgen.

Extra für Kai hat die Nordakademie einen Roboterarm angeschafft, den der Student innerhalb von vier Wochen während seiner Ferien so programmiert hat, dass er diesen mit seinem Laptop und alternativ sogar über ein iPhone steuern kann. "Ich habe versucht, dem Roboterarm ein Gehirn zu geben", erklärt Kai. Mit seiner Programmierung hat er für ein erweitertes Anwendungsspektrum des Arms gesorgt. So kann dieser jetzt, beispielsweise mit einer Kamera versehen, jeden Winkel seiner Umgebung wahrnehmen und problemlos mit anderen Computersystemen vernetzt werden. Der locker 50 Kilo stemmende Arm des Roboters kann auch mit einem Bleistift zeichnen oder einen Namen schreiben. Das neu erworbene Wissen darüber wird im Seminar weitergegeben und ermöglicht so die praktische Anwendung des in den Vorlesungen erworbenen Wissens. Hieronymus und Hufenbach sind eine eingeschworene Robotergemeinschaft und sehr stolz darauf, dass sie an richtigen Industrierobotern forschen können, wie sie auch in Produktionshallen von Unternehmen stehen.

+++Elektronische Helfer sollen Senioren unterstützen+++

"Ich glaube, wir sind die einzige Fachhochschule in ganz Norddeutschland, die Seminare für die Handhabung von Robotern dieser Größenordnung anbietet", sagt Martin Hieronymus. Zweimal pro Semester haben Studierende die Chance, ihren Roboter-Führerschein zu machen. Martin Hieronymus ist davon überzeugt, dass dieser Führerschein für Ingenieure und Informatiker heutzutage sehr wichtig ist, vor allem wenn es auf Schnelligkeit und Präzision ankommt.

Mittlerweile werden die beiden Forscher der Nordakademie sogar von Softwareunternehmen wahrgenommen. Im Dezember werden sie in Sindelfingen bei Stuttgart ihre Projekte beim "Embedded Software Engineering Kongress 2012" vorstellen. Der Präsident der Nordakademie , Georg Plate, ist stolz auf Kai: "Wir haben sehr viele engagierte Studierende, aber die Aktivitäten von Kai sind im Hinblick auf Umfang und Niveau wirklich außergewöhnlich. Er hat ein technisches Problem, das nicht einmal unmittelbar im fachlichen Umfeld seines Wirtschaftsinformatik-Studiums angesiedelt war, identifiziert und gelöst." Ehrensache, dass auch die TK die Aktivitäten von Kai nach Kräften fördert: So wird er zum Beispiel für seinen Besuch von Fachkongressen von der Arbeit freigestellt. In seiner knapp bemessenen Freizeit engagiert Kai sich als Rettungsschwimmer bei der DLRG, gibt Erste-Hilfe-Kurse und bringt darüber hinaus Kindern das Schwimmen bei. Das sei für ihn ein guter Ausgleich: Ab und zu brauche er etwas Bewegung.