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Die Theologin: Christine Büchner

Gesichter der Wissenschaft: An der Universität Hamburg arbeiten junge Forscher an spannenden Projekten. Katja Deutsch und Marlies Fischer stellen drei von ihnen vor

Spazierengehen. Auf diese Art und Weise der Fortbewegung erschließt sich Christine Büchner gerne ihre Welt. Ihre neue Heimat Hamburg, aber auch ihr neues wissenschaftliches Betätigungsfeld. Denn die 43 Jahre alte Frankfurterin ist die erste Professorin für Katholische Theologie an der Universität Hamburg und wird den Studiengang für das Lehramt aufbauen.

Gerade schreibt die Theologin in ihrem noch recht kahlen Büro im Hauptgebäude am Dammtor an der Studienordnung. „Das ist eine große und reizvolle Aufgabe“, sagt Büchner. Denn wie man in Hamburg Katholische Theologie studiert, hat bisher noch niemand ausprobiert. „Ich finde hier für mein Fach keine traditionellen Uni-Strukturen wie zum Beispiel in Tübingen vor, wo ich auch drei Jahre gearbeitet habe“, sagt Büchner. „Aber dafür ist Hamburg eine große und internationale Stadt. Ich kann hier Akzente setzen.“

Mit rund 20 Studierenden rechnet sie für den Anfang. Dem Lehrstuhl werden außer Professorin Büchner drei wissenschaftliche Assistenten angehören. Ab dem Wintersemester können Lehramtsstudenten bis Sekundarstufe I sich auf dieses akademische Neuland in der Hansestadt wagen. Erstes Ziel ist der Bachelor-Abschluss. Außerdem wird es eine Ringvorlesung „Theologie im Gespräch“ für ein breiteres Publikum geben.

Büchner begreift Theologie als die Aufgabe, die christliche Glaubenstradition zu reflektieren und kritisch mit dem heutigen Denken zu vermitteln, neu in Worte zu fassen und um Begriffe zu ringen. „Ich möchte den Kern des Christentums zeitgemäß und im Diskurs mit den anderen Wissenschaften vermitteln – in erster Linie die Botschaft Jesu von einem Gott, dem es zentral um die Integration all derer geht, die es schwer haben im Leben.“

Um Begriffe ringen, sich mit Antworten nicht zufriedengeben – Christine Büchner sieht sich in der Tradition des Mittelalter-Mystikers Meister Eckhart (1260–1328), über den sie ihre mehrfach ausgezeichnete Doktorarbeit geschrieben hat. „Er hat die Frage nach Gott immer wieder neu gestellt, sein Denken nicht von vorläufigen Zwecken bestimmen lassen; der Betriebsamkeit der Welt, der Menschen damals wie heute ihr Leben unterordnen, stellte er sein Leitmotiv ,Leben ohne Warum‘ entgegen.“ In zwei Jahren soll, so Büchner, eine große Meister-Eckhart-Tagung in Hamburg stattfinden.

Außerdem setzt Christine Büchner auf den Austausch mit den anderen Geisteswissenschaften und den interreligiösen Dialog. Vor allem die Religionen Indiens haben es der Wissenschaftlerin angetan. Dazu hat sie schon viel gearbeitet und eigens Sanskrit gelernt. In der Hansestadt ist ihr an einer guten Zusammenarbeit mit den Protestanten gelegen. „Zehn Prozent der Hamburger Bevölkerung sind katholisch, da ist auch ein wissenschaftlicher Austausch mit anderen Konfessionen und Religionen selbstverständlich und dringend notwendig.“ Und schließlich will Büchner, die auf eine katholische Schule ging und nach dem Studium der Theologie, Lateinischen Philologie und Germanistik in Frankfurt zunächst als Lehrerin arbeitete, auch die Theologie von Frauen in ihrer Fachrichtung, der systematischen Theologie, stärker sichtbar machen. „Ich bin froh, dass ich in einer Zeit hier anfangen darf, wo sich Neuaufbrüche in der katholischen Kirche auftun.“

Christine Büchner freut sich auf ihre neue Aufgabe, auch wenn ihr der Abschied aus Frankfurt schwerfällt. „Dort ist meine Heimat, und Hamburg ist erst einmal ungewohnt groß.“ Aber auch reizvoll, denn die Wissenschaftlerin hatte ebenfalls einen Ruf nach Koblenz, dem sie zugunsten der Hansestadt nicht gefolgt ist. Im April wird Christine Büchner mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Andreas Maier, eine Wohnung in Uni-Nähe beziehen. Gemeinsam hat das Ehepaar ein Buch über das Spazierengehen geschrieben.