Ausbildung

„Der Mediengestalter ist einer der modernsten Berufe“

In der Ausbildung zum Mediengestalter sind nahezu alle Berufe der Druckvorstufe aufgegangen (Symbolfoto).

In der Ausbildung zum Mediengestalter sind nahezu alle Berufe der Druckvorstufe aufgegangen (Symbolfoto).

Foto: vadimguzhva / Getty Images/iStockphoto

Praxisnähe und Lehrinhalte machen Mediengestalter zu Allroundern. Das sagt Anette Jacob vom Zentral-Fachausschuss Medien im Interview.

Berlin.  Anette Jacob ist Geschäftsführerin des Zentral-Fachausschusses Berufsbildung Druck und Medien (ZFA Medien). Das ist eine gemeinsame Einrichtung von Bundesverband Druck und Medien (bvdm) sowie Verdi Medien, Kunst und Industrie. Christine Persitzky sprach mit ihr über die Ausbildung für Mediengestalter Digital und Print.

Frau Jacob, ein Zusammenschluss von Arbeitgeberverband und Gewerkschaft – das ist ja mal was Besonderes!

Anette Jacob: Ja, das ist erst mal ungewöhnlich. Im Normalfall hört man ja eher, dass die Tarifpartner unterschiedliche Standpunkte vertreten. Aber in der Berufsbildung ist das etwas anders. Hier ziehen beide am gleichen Strang und haben das gleiche Ziel: gut ausgebildete Mitarbeiter und Fachkräfte.

Welche Rolle spielt der ZFA dabei?

Anette Jacob: Mit der Gründung des ZFA vor fast 70 Jahren als gemeinsame Institution haben die arbeitgeber- und arbeitnehmerseitigen Organisationen gesagt: Ab jetzt wollen wir ge­meinsam als Branche inhaltlich für die Qualität der Berufsausbildung stehen und diese fördern. Dazu gehörte von Anfang an, dass der ZFA bundesweit einheitliche Prüfungsaufgaben paritätisch erstellt.

Alle Mediengestalter-Azubis bekommen also dieselben Aufgaben?

Anette Jacob: Richtig. Und damit ist das auch ein Qualitätskriterium für die Ausbildung. Denn was in der Prüfung gefordert wird, das muss auch während der Ausbildung vermittelt werden, sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule.

Wie wird in der Ausbildung auf die Digitalisierung eingegangen?

Anette Jacob: Der Mediengestalter ist einer der modernsten Ausbildungsberufe, die wir haben. Es gibt ihn erst seit 1998. Er hat damals nahezu alle Berufe der Druckvorstufe vereint und hat nicht nur die Aufgabe gehabt, Bild, Grafik und Textgestaltung zusammenzuführen, sondern auch neue Medien oder den Digitaldruck mit einzubinden.

Und natürlich werden immer wieder neue Inhalte aufgenommen, der Bereich Social Media zum Beispiel. Über sogenannte Änderungsverordnungen lässt sich das relativ schnell erreichen. Außerdem werden durch spezielle Wahlmodule besondere Ausbildungsinhalte angeboten.

Die Ausbildung ist in drei Fachrichtungen unterteilt, grob gesagt in Beratung, Konzeption und Technik. Ist man mit der Entscheidung für eine Richtung für immer darauf festgelegt?

Anette Jacob: Diese Spezialisierung bedeutet nicht, dass es nicht auch eine breite Basis gibt. Alle Mediengestalter haben eine gemeinsame Grundausbildung, alle lernen Digital und Print und müssen von beidem Ahnung haben.

Letztendlich ist es ein Beruf, und da kann man schon wechseln und sich in die neuen Aufgaben einarbeiten. Flexibel zu sein, lernen die Mediengestalter in den drei Ausbildungsjahren sowieso, schon weil sie sich immer wieder auf neue Software und Programmversionen einstellen und sich diese aneignen müssen.

Wie sieht denn der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger aus – auch in Konkurrenz zu den Absolventen der vielen Design-Studiengänge?

Anette Jacob: Der Arbeitsmarkt ist insgesamt recht ausgeglichen. Direkt konkurrieren die Absolventen der beiden Ausbildungswege gar nicht so oft, weil sie eigentlich in unterschiedliche Aufgaben und Einsatzbereiche gehen.

Und falls sich ausgebildete Mediengestalter und Studienabsolventen doch mal auf dieselbe Stelle bewerben, dann würde ich fast behaupten, dass der Mediengestalter die besseren Chancen hat. Weil er einfach der Praktiker ist und sofort loslegen kann.