Fachkräftemangel

Expertin: „Arbeitsmarkt für App-Entwickler ist supergut“

Wo werden keine Apps entwickelt? Selbst für Bürostühle gibt es mittlerweile eine App, die den Anwender daran erinnert, die Sitzposition zu wechseln.

Wo werden keine Apps entwickelt? Selbst für Bürostühle gibt es mittlerweile eine App, die den Anwender daran erinnert, die Sitzposition zu wechseln.

Foto: gorodenkoff / Getty Images/iStockphoto

Ob mit Studium oder Ausbildung – App-Entwickler sind gefragt, sagt Karriereberaterin Ortrun Meißner von der Cimdata Bildungsakademie.

Berlin.  Ortrun Meißner arbeitet bei der Cimdata Bildungsakademie als systemische Beraterin im Karriereservice. Im Gespräch mit Dagmar Trüpschuch informiert sie über den Arbeitsmarkt für App-Entwickler und wie diese sich auch ohne Studium erfolgreich etablieren.

Frau Meißner, wie sieht der Arbeitsmarkt für App-Entwickler zurzeit aus?

Ortrun Meißner: Der Markt sieht supergut aus. Es ist eher zu fragen, wo werden keine Apps entwickelt? Selbst für höhenverstellbare Tische und Stühle gibt es mittlerweile eine App, die den Anwender daran erinnert, die Sitzposition zu wechseln.

Meißner: Natürlich möchten die Unternehmen die Kundenbindung erhöhen und bieten neben ihren Kernleistungen auch Serviceleistungen an. Das geschieht häufig durch eine Smartphone-App oder eine Anwendung, die auch auf der Webseite möglich ist.

Arbeitsorte sind etwa Agenturen, die App-Entwicklung betreiben. Aber auch Unternehmen beschäftigen zunehmend eigene App-Entwickler.

Wie wird sich der Markt für mobile Apps entwickeln?

Meißner: Wachstum, Wachstum, Wachstum. Die Nachfrage nach App-Entwicklern ist branchenübergreifend sehr gut. Carsharing, Smarthomes, öffentlicher Verkehr, bargeldloses Bezahlen, Hörgeräte – für all das hat man schon eine App, neue werden hinzukommen.

Global betrachtet jedoch hinken wir in Deutschland gegenüber unseren europäischen Nachbarn mit der App-Entwicklung noch weit hinterher. Da ist noch Wachstumspotenzial drin.

Unternehmen wünschen sich Informatiker

Brauchen App-Entwickler einen Studienabschluss?

Meißner: Nicht zwangsläufig. Die Unternehmen wünschen sich natürlich Informatiker, aber bekommen sie nicht mehr. Der Fachkräftemangel im IT-Bereich ist relativ groß, vor allen Dingen in den anderen Bundesländern. In Berlin spricht die Industrie- und Handelskammer noch von einer Fachkräftelücke.

Welche Möglichkeiten haben Menschen, die nicht Informatik studiert haben, in den Beruf einzusteigen?

Meißner: Sie können zum Beispiel die Umschulung oder Erstausbildung Fachinformatiker/Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung machen oder die Weiterbildung zum App-Entwickler. Die Absolventen der Umschulung haben zwar kein Studium, aber einen betrieblichen IHK-Abschluss.

Mit dem in der Ausbildung enthaltenen Praktikum haben sie sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ich habe schon viele unserer Absolventen in Unternehmen vermitteln können.

Sehr viel Geduld ist nötig

Was müssen App-Entwickler an Fertigkeiten mitbringen, um konkurrenzfähig zu sein?

Meißner: Sie sollten logisch und strukturiert denken können und Freude am Entwickeln und Ausprobieren haben. Zudem brauchen sie sehr viel Geduld. Sie müssen bereit sein, sich ständig weiterzubilden, weil die Entwicklung im IT-Bereich rasant ist.

Web 4.0 oder das Internet der Dinge (beides geht in Richtung Vermischung von Realität und Internet, Anm. d. Red.) – App-Entwickler müssen immer auf dem aktuellen Stand sein. Und sie sollten über ihren Tellerrand schauen, denn ihre Arbeit ist kreativ und innovativ.

Zudem müssen sie kooperativ und kommunikativ sein. Sie stehen im Dialog mit Kunden und Kollegen, müssen sich eng mit App-Designern abstimmen, die ja die Benutzeroberfläche und das Nutzungserlebnis gestalten. In dem Beruf findet ganz viel Kommunikation untereinander und in Teamarbeit statt.

Programmiertests bei der Personalauswahl

Was erwartet App-Entwickler im Bewerbungsprozess?

Meißner: Manche Unternehmen führen Programmiertests durch und prüfen so, welche Kenntnisse vorhanden sind. Da App-Entwickler jedoch lösungsorientiert arbeiten, prüfen andere wiederum, wie die Bewerber an ein Problem herangehen und welche Lösungen sie gefunden haben.

Denn Prozessverständnis und -kenntnisse sind wichtig. Bewerber und Bewerberinnen sollten sich im Jobinterview individuell darstellen, sodass sie sich von den anderen, die auch an dem Job interessiert sind, unterscheiden.