Arbeitsmarkt

„Die Berufsaussichten für Psychologen sind supergut“

Psychologische Beratung kann man nicht automatisieren. Der Experte sieht den Arbeitsmarkt für Psychologen auch zukünftig gesichert (Symbolfoto).

Psychologische Beratung kann man nicht automatisieren. Der Experte sieht den Arbeitsmarkt für Psychologen auch zukünftig gesichert (Symbolfoto).

Foto: FilippoBacci / Getty Images

Seelische Belastungen nehmen zu, für Psychologen gibt es immer mehr Arbeit. Unternehmensberater Gerd Reimann über Zukunftsaussichten.

Berlin.  Gerd Reimann ist diplomierter klinischer Psychologe, spezialisiert auf Diagnostik, und Inhaber der Unternehmensberatung Gideon Wirtschaftspsychologen in Potsdam. Außerdem leitet er den Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement des Seminaranbieters Deutsche Psychologen Akademie. Über Kompetenzen und Berufseinstiege sprach Dagmar Trüpschuch mit ihm.

Berliner Morgenpost: Wie sind die Aussichten für Psychologen auf dem Arbeitsmarkt?

Gerd Reimann: Ich schätze die Aussichten als supergut ein. Das belegt auch die Oxford-Studie „The future of employment“, die sich mit der spannenden Frage beschäftigt, welche Berufe in 20 bis 30 Jahren noch am Markt sein werden und welche nicht.

Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Psychologen auf dem Arbeitsmarkt weltweit verschwinden werden, sehr gering. Der Grund ist, dass wir nicht durch Roboter zu ersetzen sind. Wir haben mit der Psyche zu tun und dem Zusammenspiel von Körper und Psyche, und das kann man aus heutiger Sicht schwer automatisieren.

Zudem nehmen die psychischen Belastungen in unserer Gesellschaft immer mehr zu. Folglich werden auch die Experten, die sich mit diesem Thema befassen, gebraucht.

Mögliche Berufswege

Welche beruflichen Möglichkeiten haben Absolventen der Psychologie?

Reimann: Man kann sich entscheiden, an der Universität zu bleiben und in die Lehre und Forschung zu gehen. Absolventen können sich auch selbstständig machen. Die psychologischen Tätigkeiten sind sehr gut dazu geeignet, sie auch freiberuflich auszuüben.

Absolventen können sich auch bei größeren Firmen und kleinen mittelständischen Unternehmen anstellen lassen. Das hat sich in den letzten 30 Jahren sehr geändert. Da lag bei den Unternehmen der Fokus noch auf Absolventen von BWL und Rechtswissenschaft.

Es gibt kaum noch ein mittelständisches oder großes Unternehmen, dass nicht auf externe Psychologen zurückgreift oder sie einstellt – zum Beispiel für die Organisation oder die Personalplanung. Ich kenne keinen Psychologen, der für das Fach brennt und arbeitslos ist.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?

Reimann: Wenn man sich selbstständig machen möchte, muss man wissen, was Akquise bedeutet, sodass man Kunden gewinnen kann. Das ist die Hauptkompetenz, die man braucht. Psychologen haben viel gelernt, aber sie haben Probleme, sich am Markt unterzubringen. Das ist ein Manko bei uns. Man muss selbst aktiv werden und in den Markt hineinrufen.

Der Mensch im Unternehmen

Und die Anforderungen an die, die in ein Unternehmen gehen?

Reimann: Wer sich anstellen lässt, muss sehr flexibel sein. Berufseinsteiger sollten relativ schnell die Sprache des Unternehmens sprechen lernen. Sie müssen das, was sie gelernt haben, die Gesetzmäßigkeiten von Denken, von Struktur, von Gedächtnis und von Persönlichkeit auf das Unternehmen übertragen, also schnell analogisieren.

Welche Kompetenzen braucht man, um ein guter Psychologe zu werden?

Reimann: Viele sagen, ich habe Psychologe studiert, weil ich so gerne mit Menschen zu tun habe. Das ist nicht die Hauptkompetenz. Es gibt zwei Hauptkompetenzen: Die eine ist die methodische Herangehensweise – wie erschließe ich mir eine Aufgabenstellung, wie setze ich Maßnahmen um, und wie finde ich heraus, ob diese Maßnahmen wirkungsvoll sind? Die zweite Kompetenz ist, ein tiefes Verständnis von Statistik zu haben.

Warum ist Statistik so wichtig?

Reimann: Zu den wichtigen Erkenntnismitteln der Psychologen gehören Befragungen von Personen oder Personengruppen. Aus den Befragungsergebnissen können komplexe Zusammenhänge und Ursachen zum Beispiel für Belastungs- oder Zufriedenheitsfaktoren abgeleitet werden. Dazu werden statistische Methoden wie beispielsweise Korrelationsanalysen, Faktor- oder Clusteranalysen durchgeführt.