Berufsporträt

Mikrobiologe sind Krankheitserregern auf der Spur

Holger Rohde ist Mikrobiologe am UKE. Dass er sowohl im Labor forschen als auch in der Klinik heilen kann, gefällt ihm besonders.

Hamburg. Wenn Holger Rohde morgens seinen Dienst am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) beginnt, streift er nicht nur einen weißen Kittel über, sondern auch Mundschutz und Handschuhe. Der 41 Jahre alte Mikrobiologe hat es im Labor nicht selten mit gefährlichen Bakterien oder Viren zu tun. Einige von ihnen sind sogar hochgradig ansteckend. "Disziplin und Distanz zum Untersuchungsgut gehören zu den wichtigsten Geboten in unserem Beruf", sagt Holger Rohde.

Diese Richtung einzuschlagen stand für ihn schon im Medizinstudium fest. Krankheitserreger untersuchen und feststellen wie sich diese bekämpfen lassen: "Als Mikrobiologe kann ich forschen und gleichzeitig mein Wissen nutzen, um Menschen in der Klinik zu heilen", sagt der Oberarzt, der zudem als Dozent zweimal pro Woche Vorlesungen an der Universität hält. Die Vielschichtigkeit der Bakterien, von denen etwa in der Verdauung einige lebensnotwendig sind, andere aber lebensbedrohende Infektionen auslösen können, habe ihn früh fasziniert - und bestimmt heute seine Arbeit.

Zwischen 150 und 300 Petrischalen mit Bakterien der UKE-Patienten nimmt er jeden Tag im Labor unter die Lupe. Dabei steht vor allem die Prüfung der Antibiotika-Empfindlichkeit im Mittelpunkt. Zeigt sich im sogenannten Antibiogramm, dass die Bakterien auf herkömmliche Antibiotika nicht reagieren, beginnt nicht selten eine detektivische Puzzlearbeit, um eine wirksame Therapie zu finden.

Unbekannten Bakterien versucht Rohde dabei mit genetischen oder biochemischen Methoden nachzuspüren. "Viele Fälle lassen sich nur mit systematischem Denken und viel Kreativität knacken", sagt der Facharzt. So sahen sich die Mikrobiologen im UKE etwa beim Ehec-Ausbruch im vergangenen Jahr einem völlig neuen Erreger gegenüber, dessen spezielle Eigenschaften sich am Ende erst durch die Analyse des Genoms entschlüsseln ließen. "Damals ein völlig neuer Weg, dem intensive Fachdiskussionen vorgeschaltet waren", sagt Rohde. Inzwischen gehöre diese Methode fast zum Standardrepertoire. Auch sonst durchbrechen Notfälle im Krankenhaus immer wieder die Routine - wie etwa ein nachts eingelieferter Patient mit Verdacht auf Hirnhautentzündung. Hat Holger Rohde Dienst, bedeutet das für ihn oft eine 24-Stunden-Schicht, für die drängende Diagnose führt er dann die nötigen Laboruntersuchungen durch.

Alle Ergebnisse leitet Rohde an den behandelnden Arzt weiter. Mit ihm bespricht er Behandlungsalternativen etwa bei multiresistenten Erregern, optimiert Therapien und lotet aus, ob alle diagnostischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Mikrobiologen im UKE arbeiten in festen Teams mit anderen Ärzten. Dazu gehört es auch, dass sie regelmäßig Visiten begleiten. "Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist von großer Bedeutung und nimmt eindeutig zu", sagt Rohde.

Das ist auch nötig, denn die Welt der Mikroorganismen wird immer komplexer. Auch weil sich inzwischen Bakterien länderübergreifend - etwa durch den Tourismus - aus Indien, Thailand oder der Türkei bis nach Deutschland verbreiten. Habe man früher viele Infektionen einfach mit Penicillin behandeln können, muss der Arzt heute unzählige Bakterien kennen, die sich über die Zeit verändern und sich immer öfter resistent gegen mehrere Antibiotika zeigen.

Gleichzeitig nimmt das Tempo der Diagnostik zu. Mit neuen molekularen Methoden lassen sich Bakterien inzwischen bereits nach drei Stunden identifizieren - noch vor wenigen Jahren brauchte man hierfür 48 Stunden und mehr. Und auch die Diagnosemethoden werden immer ausgefeilter. "Den wachsenden Anforderungen kann ein Arzt ohne Unterstützung eines Mikrobiologen häufig nicht mehr gerecht werden", sagt Rohde. Dieser Trend werde sich künftig noch verstärken, so seine Prognose. In Holland etwa setze man bereits verstärkt Mikrobiologen in der Betreuung von Patienten auch in kleineren Krankenhäusern ein. "Solche Schnittstellen werden sicherlich in der Zukunft weiter ausgebaut", sagt Rohde.

Außer den Patienten im UKE widmet sich der Mikrobiologe der Forschung. Dabei untersucht er, warum es zu Infektionen mit Erregern beim Legen eines Venenkatheters kommen kann: Staphylokokken, die sonst als harmlos gelten, können mit dem Einführen des Fremdkörpers in Organe zu Infekten führen. Sein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der Ursachen von Antibiotika-Resistenzen und alternativen Therapien. "Eines der akuten medizinischen Themen unserer Zeit", sagt Rohde. Dafür bedient er sich nicht nur aus dem Arsenal der neuesten Labormethoden der Biochemie und Zellbiologie. Um mit der schnell voranschreitenden Forschung Schritt zu halten, bringt er sein Wissen mit aktueller Fachliteratur auf den neuesten Stand und reist regelmäßig zu internationalen Kongressen rund um den Globus.