Bewerbung

Wo stehen Sie in fünf Jahren? Was Personalchefs hören wollen

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Im Bewerbungsgespräch gibt es gute und schlechte Antworten. Wir verraten Ihnen, was beim Interviewer auf Unternehmensseite gut ankommt

Die Krawatte sitzt, die Nervosität steigt, das Vorstellungsgespräch steht kurz bevor. Um die Qualifikation des Bewerbers weiß der Personaler schon aus dem Bewerbungsschreiben, nun möchte er dessen Persönlichkeit, vor allem Motivation und Vorlieben, Stärken und Schwächen kennenlernen. Wie ehrlich darf man sein?

Schildern Sie doch mal Ihren Werdegang!

Eine vermeintlich einfache Aufgabe, die es in sich hat: "Es gibt Manager, die brauchen eine Dreiviertelstunde, um ihren Lebensweg zu schildern, bis sie überhaupt erst bei ihren ersten beruflichen Stationen angekommen sind", sagt Dirk Möller, Jobberater aus Hamburg.

Doch den Lebenslauf herunterzuleiern sollte man an dieser Stelle tunlichst vermeiden, und auch private Hobbys sind ebenso tabu wie Ausführungen darüber, welche Grundschule man besucht hat. "Stattdessen konzentriert man sich auf die beruflichen Stationen, die damit verbundenen Erfolge und was man während seiner Laufbahn bei welchen Tätigkeiten gelernt hat."

Was gefällt Ihnen besonders an unserem Unternehmen?

Jeder, der sich vor der schriftlichen Bewerbung noch nicht ausreichend über das Unternehmen informiert hat, sollte das spätesten vor dem Vorstellungsgespräch tun. Wie stellt sich das Unternehmen dar, und wie kann man selbst einen Platz darin finden? "Die Antwort auf diese Frage sollte möglichst konkret ausfallen", sagt Kommunikationstrainerin Grit Hollack. "Am besten sucht man vorher auf der Homepage der Firma nach Schlüsselwörtern, die man in seiner Antwort verwendet." Auch die Tagespresse bietet Informationen.

"Man sollte aber nur sagen, was man wirklich genau an diesem Unternehmen schätzt", betont Bewerbungstrainer Dierk Rommel. Wer sich bei einem Konzern bewirbt, darf nicht einfach sagen, er habe schon immer in einem Konzern arbeiten wollen.

Was sind Ihre Schwächen?

Niemand erwartet auf diese Frage eine allzu ehrliche Antwort, trotzdem ist Vorsicht geboten. "Ich hatte mal eine Buchhalterin im Gespräch, die angegeben hat, dass sie eine Schwäche für Kaffee habe", erzählt Dirk Möller. "Zum einen ist das sehr privat, zum anderen rechnet der Personaler dann schnell damit, dass sich die Dame ständig in der Teeküche aufhält und über die Kollegen tratscht."

Wer Schwächen aufzählt, sollte sie also besser auf den Beruf beziehen, dabei aber darauf achten, dass sie für die angestrebte Stelle möglichst wenig relevant sind: "Wenn ich mich als Personaler bewerbe, muss ich nicht zwingend mit Zahlen umgehen, sondern vor allem gut reden können. Dann kann ich meine geringe Zahlenaffinität gut angeben", sagt Personalberaterin Sabine Sawadski. Zwei Schwächen haben ihre besten Jahre schon hinter sich: "Ungeduld und Perfektionismus sind nicht mehr glaubwürdig, die stehen seit Jahren in jedem Bewerbungsratgeber", sagt Dirk Möller.

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

Bei dieser Antwort sollte der Bewerber auf jeden Fall realistisch bleiben: Wer als angehender Azubi vom Chefposten träumt, wird nicht ernst genommen. "Es hilft, sich nicht allzu konkret zu äußern", sagt Dierk Rommel. "Man kann zum Beispiel sagen, dass man sich mittelfristig gern weiterentwickeln möchte und dass es von den beruflichen Möglichkeiten im Unternehmen abhängt."

Keinesfalls sollte der künftige Chef natürlich den Eindruck gewinnen, dass man selbst gern auf seinem Stuhl sitzen würde. "Dies ist auch eine gute Frage um selber mal nachzuhaken, welche Weiterbildungs- und Aufstiegschancen es im Unternehmen gibt", sagt Möller.

Was war Ihr größter Misserfolg?

"Wenn man mal einen Misserfolg hatte, dann sollte man ihn auf jeden Fall offen und ehrlich zugeben", sagt Sabine Sawadski. "Es ist viel glaubwürdiger, wenn man sagt, dass einem ein bestimmtes Projekt aus konkreten Gründen nicht geglückt ist, denn schließlich führt die schlechte Erfahrung dazu, dass man in der Folge alle Projekte besser abgeliefert hat." Wichtig ist es an dieser Stelle zu betonen, was man aus seinem Fehler gelernt hat.

Warum wollen Sie wechseln?

Auf keinen Fall sollten Sie diese Frage nutzen, um schlecht über den ehemaligen Arbeitgeber zu reden. Ein neues Aufgabengebiet, Entwicklungsmöglichkeiten oder private Gründe wie ein notwendiger Umzug bieten eine Chance für gute Ausreden, sofern diese notwendig sind. "Es sollte auf keinen Fall zu erkennen sein, dass Sie aus Unzufriedenheit wechseln, sondern aufgrund einer neuen Aufgabe", sagt Dierk Rommel.

Was lesen Sie, um sich weiterzubilden?

"Natürlich möchte der Personaler hier die gängigen Fach- und Sachbücher der Branche hören", sagt Dirk Möller. "Aber nennen Sie ruhig auch andere Bücher, denn was der Personaler auch möchte, sind Mitarbeiter, die über den Tellerrand blicken können, und da eignet sich sogar ein anspruchsvoller Krimi."

Warum sollten wir Sie auswählen?

"An diesem Punkt geht es darum, an den Anfang zurückzukehren und seine Stärken noch einmal auf den Punkt zu bringen", sagt Dierk Rommel. Dafür sollte man sich vorher genau überlegen, was die Firma von der Einstellung hat. "Sie sollte ja ein Geben und Nehmen für beide Parteien sein, deshalb sollte man nochmals betonen, welche Qualifikationen und Softskills man in das Unternehmen einbringt, aber auch, welche Herausforderung man anstrebt."