Kein Abschluss zweiter Klasse

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Studie zeigt: Bachelors suchen doch nicht länger nach Jobs als andere Absolventen. Gerade Beratungs- und Ingenieurfirmen schätzen die Bewerber

Hamburg. Auf den ersten Job fühlte sich Sebastian Jung gut vorbereitet. An der renommierten Otto Beisheim School of Management (WHU) in Vallendar bei Koblenz hatte er drei Jahre lang Betriebswirtschaft studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. "Das Studium war sehr praxisorientiert, wir mussten zahlreiche Präsentationen ausarbeiten und viel Eigeninitiative aufbringen", sagt Jung.

Dank mehrerer Unternehmensvorstellungen an der privaten Universität sowie verschiedener Praktika, darunter drei Monate bei der Boston Consulting Group (BCG), bekam er zudem einen guten Überblick über unterschiedlichste Branchen und Arbeitsfelder. Zügig fand der Wirtschaftswissenschaftler eine Stelle, arbeitet seit dem vergangenen Herbst als Junior Associate bei BCG. Dass gerade die Consulting-Branche keine Vorbehalte gegenüber diesem Abschluss hat, wusste er bereits von Recherchen im Internet, wo diese Unternehmen sehr offensiv für die Einstellung der jungen Bachelor-Absolventen werben.

Viele Studenten befürchteten, ihr Abschluss sei weniger wert

Die Befürchtung vieler Studenten, dass ein grundständiges Studium für den Arbeitsmarkt nicht ausreicht, scheint sich immer weniger zu bestätigen. Das zeigt auch eine Studie der Universität Kassel, die jüngst die Akzeptanz der Bachelor-Abschlüsse bei den Arbeitgebern testete und dabei zu dem Schluss kam: "Die Suche nach der ersten Beschäftigung dauert bei Bachelor-Absolventen auch nicht länger als bei Studenten mit anderen Hochschulabschlüssen."

Die Mehrheit bewerte ihre Beschäftigung als ausbildungsadäquat und sei mit ihrer beruflichen Situation durchaus zufrieden. Negativ sei allerdings, dass viele Bachelor nur befristete Verträge bekämen. "Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Bachelor-Absolventen gemacht - darum haben wir bereits vor fünf Jahren ein maßgeschneidertes Einstiegsprogramm für sie entwickelt und werden dieses in Zukunft ausbauen", sagt Christian Greiser, für das Recruiting verantwortlicher BCG-Geschäftsführer.

Bachelor-Absolventen wie Jung beginnen ihre Beraterkarriere bei BCG als "Junior Associates" und arbeiten zunächst zwei bis drei Jahre lang mit den Beraterteams bei Kundenprojekten mit. Dabei übernehmen sie von Anfang an Verantwortung für eigene Aufgabenbereiche. Um ihre theoretischen Kenntnisse zu vertiefen, verlassen sie BCG anschließend und absolvieren einen MBA oder einen anderen Masterstudiengang. Bei herausragender Leistung winkt überdies ein von BCG gesponsertes MBA-Studium an einer Business-School. Nach bestandenen Masterprüfungen kehren die Teilnehmer des Bachelorprogramms zu BCG zurück und arbeiten dann als Consultant.

Wie BCG hat sich auch Roland Berger schon früh offen gegenüber den neuen Studienabschlüssen gezeigt. Die Einstiegshürden bei den Beratern sind allerdings hoch. "Ob für ein Praktikum oder den Festeinstieg, Bewerber sollten sehr gute Leistungen mitbringen sowie bereits mehrmonatige Erfahrung im Ausland gesammelt haben", sagt Katja Monschau, Personalreferentin bei Roland Berger Strategy Consultants.

Ein Drittel der Großunternehmen setzt Ingenieure mit Bachelorabschluss ein

Auch in der vom Fachkräftemangel besonders betroffenen Ingenieurbranche scheinen Bachelor gut anzukommen. "Bei den großen Unternehmen setzt bereits ein Drittel Ingenieure mit Bachelorabschluss ein", hat eine Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergeben. Der Bachelor sei kein Abschluss zweiter Klasse, betont VDI-Direktor Willi Fuchs, wenngleich in der Umsetzung des Studiums handwerkliche Fehler gemacht worden seien. So müsse die extreme Verdichtung der Inhalte überprüft werden, fordert Fuchs.

90 Prozent der Firmen sagen, Leistung sei entscheidend, nicht der Abschluss

In der Studie haben neun von zehn Firmen angegeben, dass für die Karriere die Bewährung im Unternehmen entscheidend sei, nicht der Abschluss. Die Hälfte räumte Bachelor- und Masterabsolventen die gleichen Chancen ein, eine Führungsposition zu erreichen. "Das Einstiegsgehalt für Bachelor ist in der Tendenz zwar häufig etwas niedriger, aber nach drei bis fünf Berufsjahren nähern sich die Gehälter an", sagt IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klos.

Wenn sich Bachelor-Ingenieure bei der Ferchau Engineering GmbH in Gummersbach bewerben, dann haben sie auch dort beste Chancen. "Die jungen Absolventen bringen gute Grundlagen mit, die in der Praxis für die Praxis weiter ausgebildet werden können", sagt Geschäftsführer Frank Ferchau. 200 Mitarbeiter will er 2010 einstellen. Die Hälfte davon Absolventen, unter ihnen 80 Prozent Bachelor-Absolventen.

Michael Donat, Personalleiter bei der Unternehmensberatung BearingPoint, geht davon aus, dass zehn bis 15 Prozent der besten Bachelor-Studenten künftig von Unternehmen rekrutiert werden, mit der Aussicht auf ein berufsbegleitendes Masterstudium.

Bei der Deutschen Telekom zum Beispiel werden im Herbst dieses Jahres die ersten rund 200 Mitarbeiter ein Masterstudium in Teilzeit beginnen. Dazu kooperiert das Unternehmen mit fünf deutschen Hochschulen. Darunter ist mit der Technischen Universität Ilmenau allerdings nur eine öffentliche Einrichtung. Dementsprechend hoch sind die Studiengebühren. Die Hälfte übernimmt deshalb die Telekom, im Gegenzug müssen sich die Absolventen aber verpflichten, bis zu zwei Jahre nach ihrem Abschluss dem Unternehmen treu zu bleiben.