Seri, Teil 3: Ich werde ... Optikerin

Sie hat den Durchblick

Foto: Roland Magunia

Azubis müssen Spaß am Umgang mit den Kunden haben und handwerkliches Geschick mitbringen.

Hamburg. "Ich wollte nichts machen, wobei ich nur im Büro sitzen würde", sagt Imke Baade. Und an die Uni zog es die Abiturientin auch erst mal nicht. Stattdessen bewarb sie sich 2008 um eine Ausbildung zur Augenoptikerin. Nach einem Schulpraktikum beim Optiker und weil "eigentlich alle in meiner Familie Brille tragen" lag dieser Weg für die 21-Jährige nahe.

Seit anderthalb Jahren lernt Imke Baade jetzt bei Optik Weser in der Spitalerstraße. Schon im Bewerbungsgespräch kam sie gut bei der Inhaberin Claudia Leuschner an. Nach zwei Tagen Probe arbeiten waren beide Seiten überzeugt und unterschrieben den Ausbildungsvertrag. "Am liebsten arbeite ich in der Werkstatt", sagt die Rendsburgerin, die immer noch täglich zwischen ihrer Heimatstadt und Hamburg hin- und herpendelt. "Dort sind die Wohnungen günstiger", sagt sie. Und außerdem lebt ihr Freund auch dort.

In der Werkstatt lernt die Azubine zum Beispiel, wie sie Brillengläser entsprechend der Sehwerte eines Kunden schleift und in die richtige Form für das Gestell bringt. Sie repariert kaputte Brillen, poliert Kunststofffassungen auf oder wechselt die Fenstergläser in randlosen Fassungen aus - zur Ansicht für den Kunden, damit der vergleichen und sich besser entscheiden kann. Das Einschleifen wird zwar an Maschinen gemacht, "aber trotzdem kommt man hier mit zwei linken Händen nicht weit".

Das erste Jahr hat Imke Baade wie alle Optiker-Lehrlinge hauptsächlich in der Werkstatt gearbeitet. "Erst wenn sich die Auszubildenden gut mit den Materialien auskennen, geht es in die Beratung", erklärt Ausbilderin Claudia Leuschner. Das ist ein aufregender Schritt - denn natürlich fehlt es erst mal an Erfahrung im Umgang mit den Kunden. Imke Baade tastet sich langsam heran. "Ich höre zu, wenn andere Verkäufer Kunden beraten oder mache auch mal ein Rollenspiel mit der Chefin", sagt die angehende Optikerin. Was modisch bei den Kunden ankommt, weiß sie natürlich längst: "Große Brillen sind zurzeit in, im Retro-Stil, gern in schwarz oder braun." Aber nicht alles, was schick ist, passt in jedes Gesicht: "Da muss man auch auf den Typ achten", betont die Auszubildende. Inzwischen ist sie auch in ihrem Bekanntenkreis als Brillenfachfrau etabliert. "Dann fragen mich Freunde zum Beispiel, wie Kurzsichtigkeit zustande kommt. Und meine Mutter möchte, dass ich ihr die richtige Fassung aussuche."

Nett und freundlich die Kunden zu bedienen sei das A und O in ihrem Job, sagt Imke Baade. "Auch, wenn man mal keinen so guten Tag hat - schließlich verdient man ja durch die Arbeit mit den Kunden." Die üblichen Sozialkompetenzen - Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Offenheit - sind ebenfalls gefragt. "Natürlich muss man sich auch mit den Kollegen gut verstehen", betont Imke Baade. Und Englisch ist auch wichtig: "Wenn Kunden nicht so gut Deutsch sprechen, machen wir einfach auf Englisch weiter."

Zur Berufsschule geht Imke Baade zweimal pro Jahr je sechs Wochen am Stück. Brillenanatomie, Anpassung, Optik, Werkstoffkunde, Wirtschaft/Gesellschaft, Englisch und Deutsch stehen dort auf ihrem Stundenplan. "Wenn man Optiker werden will, sollte man an Mathe und Physik Spaß haben", betont sie.

Zurzeit bereitet sich die Auszubildende auf ihre Zwischenprüfung vor, die sie nach anderthalb Jahren Ausbildung absolviert. "Die Kollegen fragen mich zwischendurch immer mal ab", sagt sie. "Das müsste ich hinkriegen."

Lesen Sie am nächsten Wochenende: Teil 4 - "Ich werde ... Friseurin". Hatice Kirli lernt im Salon Haarlekin in Dulsberg.