Kleider machen die Geschäftsfrau

Foto: Jörg Dommel

Weibliche Angestellte haben die große Mode-Auswahl. Doch Vorsicht: Mit Minirock, Rüschenbluse oder Turnschuhen liegen Frauen oft falsch

Hamburg. Einreiher oder Zweireiher? Schnürschuhe oder Slipper? Das hellblaue Hemd oder das weiße? Die Entscheidungen, die Männer vor einem Bürotag treffen müssen, bewegen sich meist im überschaubaren Rahmen. Frauen dagegen haben die Qual der Wahl: nicht nur zwischen Kostüm und Hosenanzug - auch Strickjacken, Bleistiftröcke, gemusterte Blusen und bunte Tücher gelten in den meisten Firmen durchaus als salonfähig.

Glaubt man den Modestrecken der Hochglanzmagazine, dann lassen sich sogar Miniröcke und Bundfalten- Shorts zu bürotauglichen Outfits kombinieren. "Business-Mode für Frauen wird heute weniger strikt interpretiert als noch in den Neunzigerjahren. Insgesamt geht es heute deutlich entspannter und weniger konservativ zu", sagt Christel Messler. Sie ist Designverantwortliche des Labels "s. Oliver Selection women" im bayrischen Rottendorf. "Die Kombination Blazer und Jeans oder Strick-Kombinationen wie Twinsets gelten in vielen Unternehmen als angemessen."

Wer sich unpassend kleidet, riskiert, nicht ernst genommen zu werden

"Klassische Businessmode findet man heutzutage eigentlich nur in Vorstandsetagen, sowie in der Bank- oder in der Versicherungsbranche. Es gibt kaum Unternehmen und Institutionen, die klare Kleidungsregeln vorgeben", bestätigt Elisabeth Motsch, Stilberaterin aus Salzburg, die europaweit Privatpersonen und Unternehmen in Kleidungs- und Stilfragen berät. "Auf der einen Seite ist das ein Vorteil, weil lockere Kleidungsregeln mehr Raum für Individualität und Kreativität lassen, auf der anderen Seite birgt diese Freiheit aber auch Gefahren."

Nach Einschätzung der Stilexpertin tun sich deutsche Frauen im internationalen Vergleich besonders schwer bei der Wahl eines passenden Outfits. Das hat Folgen, denn wer sich im Job unpassend kleidet riskiert, von Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern nicht als gleichrangig wahrgenommen zu werden."

"Es gibt nicht wenige Frauen, die ihre berufliche Position deutlich schwächen, weil sie sich falsch kleiden", sagt Elisabeth Motsch. "Wer sich im Job wie das nette Mädchen von nebenan kleidet, wird auch wie das nette Mädchen von nebenan behandelt und nicht wie eine kompetente Expertin."

Auch Maria Richter, Diplom-Psychologin, Coach und Stilberaterin aus Berlin, die Menschen in beruflichen Umbruch-Situationen berät, beobachtet bei ihren Klientinnen oft Unsicherheiten in Garderobefragen. "Viele deutsche Frauen haben regelrecht Angst davor, sich schick zu kleiden", sagt Richter. Nur nicht auffallen - so laute die Devise. "Gerade Frauen, die mit ihrer Figur unzufrieden sind, tragen oft Kleidungsstücke, die sie noch unförmiger aussehen lassen: Hosen mit einem hohen Anteil an Elastan, viel zu weite Blusen oder T-Shirts und Strickjacken." In solch einem Outfit ernst genommen zu werden, erweise sich als schwierig, warnt die Psychologin.

Auf den Sitz der Kleidung wird zu wenig Wert gelegt, kritisiert die Stil-Expertin

Oft genug steckt der Garderoben- Teufel zudem im Detail. Hängende Blazer-Schultern, unförmige Hosen und zu enge Blusen trüben den Gesamteindruck. "Der Sitz der Kleidung ist das A und O. Auf diesen Punkt wird oftmals viel zu wenig Wert gelegt", sagt Maria Richter.

"Ein Hosenanzug oder Kostüm einer Bekleidungskette, entsprechend geändert, sodass es gut fällt, wirkt allemal besser als ein zu enges Designerteil. Man muss nicht unbedingt Markenware kaufen." Sie betone gegenüber ihren Klienten immer wieder, dass man gut angezogen sein könne, ohne dafür sein Budget zu sprengen. Kleidung sollte stets dem Anlass, der Branche und der Persönlichkeit entsprechen - diese vermeintlich einfache, aber breit auslegbare Regel gilt aus Sicht von Stilberatern und Etikette-Experten. "Ich frage meine Klientinnen bei den Beratungen immer, welche Eigenschaften sie durch ihre Kleidung zum Ausdruck bringen möchten", sagt Elisabeth Motsch. "Die meisten nennen in diesem Zusammenhang die Begriffe: Kompetenz, Vertrauen, Seriosität und Sicherheit."

Gemeinsam mit den Frauen erarbeitet sie dann Konzepte, welches Outfit zu den Anforderungen des Jobs passt. Eine Bankmanagerin wirkt stilsicher und gut angezogen in einem dunklen Kostüm oder Hosenanzug und einer hellen Bluse, eine Psychotherapeutin dagegen würde durch schwarze strenge Kleidung viel zu viel Distanz zu ihrem Gegenüber aufbauen. Sie darf morgens ruhig zu Strick-Kombinationen oder zu einer gepflegten Jeans greifen. Eine Designerin oder Werbefachfrau dagegen tut gut daran, wenn sie sich nicht zu bieder und zu klassisch kleidet. Von ihr wird Kreativität und Individualität erwartet. Das darf sich ruhig in Kleidung, Schmuck und Frisur widerspiegeln.

Trotz aller Branchenunterschiede gibt es auch universelle Regeln. "Tiefe Ausschnitte und kurze Röcke sind gefährlich, wenn man über Leistung definiert werden möchte. Mit freizügigen Outfits erreicht man vor allem, dass über einen getuschelt wird", sagt Elisabeth Motsch. "Außerdem überschreitet man, wenn man zu viel Haut zeigt, bei anderen eine Distanzzone."

Fachleute raten von Rüschen und Blümchenmustern a b

Und was ist mit verspielten Details? Christel Messler rät von "allzu verspielten" Kleidungsstücken mit Rüschen oder Blümchenmustern für das Bürooutfit ab: "Gelungene Businessmode für Frauen ist aus meiner Sicht zurückgenommen, aber dennoch feminin."

Gerade in heiklen beruflichen Situationen wie Vorstellungsgesprächen raten alle Expertinnen dazu, lieber auf "Nummer sicher" zu gehen und zu klassischen Schnitten und gedeckten Farben zu greifen. "Den Wunsch nach Individualität sollte man in solchen Fällen lieber zurückstellen und in der Freizeit ausleben", rät Elisabeth Motsch.