Schifffahrt

Gewinn bei Hamburger Reederei Hapag-Lloyd schmilzt

Noch nicht lange her: Hapag-Lloyd-Chef
Rolf Habben Jansen (l.) und Aufsichtsratschef Michael Behrendt beim Börsengang vor dem Bullen an der Frankfurter Börse

Noch nicht lange her: Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen (l.) und Aufsichtsratschef Michael Behrendt beim Börsengang vor dem Bullen an der Frankfurter Börse

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Das Hamburger Unternehmen leidet unter niedrigen Frachtraten. Nur noch 3,2 Millionen Euro Überschuss im dritten Quartal.

Hamburg.  Mit Spannung hatte die Finanzwelt auf die neuen Quartalszahlen von Hapag-Lloyd gewartet. Was die Hamburger Reederei wenige Tage nach ihrem Börsenstart dann gestern vorlegte, war gut und schlecht zugleich. Positiv sticht heraus, dass das Unternehmen seit Jahresbeginn die Menge der transportierten Container sowie den Umsatz kräftig steigern konnte und auch im dritten Quartal in Folge einen Nettogewinn erwirtschaftete. Doch bei näherer Betrachtung des umfangreichen Zahlenwerks wird deutlich, dass das gute Ergebnis im Wesentlichen auf dem Zusammenschluss mit der chilenischen Containerreederei CSAV beruht und die Rahmendaten alles andere als erfolgversprechend für die Zukunft sind.

Insgesamt stieg der Umsatz zwischen Januar und September um 1,9 Milliarden Euro auf 6,8 Milliarden Euro. Die Transportmenge erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 28,3 Prozent auf rund 5,6 Millionen Standardcontainer. Doch rechnet man diesen Einmaleffekt des Zusammenschlusses heraus, dann fiel die Transportmenge gegenüber 2014 um 3,9 Prozent. Die durchschnittliche Frachtrate, also der Transporterlös, lag in den ersten drei Quartalen 2015 mit 1260 Dollar (1174 Euro) pro Standardcontainer rund zwölf Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig reduzierte das Unternehmen seine Transportaufwendungen um 240 auf 1111 Dollar je Standardbox, was mit niedrigeren Treibstoffpreisen, einem geringeren Kraftstoffverbrauch und nicht zuletzt den Synergieeffekten aus dem Sparprogramm begründet wird.

Alle diese Fakten zeigen, dass Hapag-Lloyd gegen den allgemeinen Negativtrend der Containerschifffahrt ankämpft, sich diesem aber nicht entziehen kann. Auch bei den Konkurrenten sind die Frachtraten in diesem Jahr stark gesunken, beim dänischen Branchenführer Maersk um 19 Prozent, bei der Orient Overseas Container Line (OOCL) aus Hongkong um 14 Prozent, bei der zu Singapur gehörenden American President Lines (APL) sogar um 21 Prozent. Sie alle leiden unter der schwachen Konjunktur in China. Die Transportmengen aus Asien nach Europa sind im zweistelligen Prozentbereich zurückgegangen.

Kein Wunder also, dass angesichts dieser weltweiten Lage der Nettogewinn bei Hapag-Loyd schmilzt: Nach 182,2 Millionen Euro im ersten Quartal und 29 Millionen im zweiten hat Hapag-Lloyd im dritten Quartal dieses Jahres gerade noch einen Überschuss von 3,2 Millionen Euro erwirtschaftet.

Analyst vermutet Stützungskäufe, um den Aktienkurs zu stabilisieren

Für die Finanzanalysten der Banken ist das ein Warnsignal: „3,2 Millionen Euro Gewinn sind angesichts von 3,4 Milliarden Euro Nettoverschuldung des Unternehmens nicht gerade berauschend“, sagt Ingo Schmidt, Analyst der Hamburger Sparkasse. Er geht davon aus, „dass es sich bei diesem dritten Quartal vermutlich für lange Zeit um das letzte handelt, das Hapag-Lloyd mit einem Gewinn abgeschlossen hat“. Angesichts der Überkapazitäten in der Containerschifffahrt und der negativen Entwicklung bei den Frachtraten sei in den kommenden zwei Jahren kaum Besserung in Sicht. Gerade aus diesem Grund, so vermutet zumindest Experte Schmidt, habe Hapag-Lloyd den Börsengang kürzlich noch schnell mit schwarzen Zahlen im Rücken unter Dach und Fach gebracht.

Bei den Anlegern des Börsenneulings verfängt diese Strategie allerdings nicht. Eine ganze Reihe von Investoren begann am Mittwoch ihre Papiere zu verkaufen. Mehrfach fiel die Aktie über den Handelstag unter ihren Ausgabepreis von 20 Euro, erholte sich aber schnell wieder. Haspa-Analyst Schmidt vermutet, dass es sich um Stützungskäufe der Banken handelt, die die Aktie ursprünglich ausgegeben haben. Die Geldhäuser würden die Wertpapiere nun zurückkaufen, um den Preis stabil zu halten. „Das sieht ganz danach aus“, sagt Schmidt.

Der Vorstandschef der Reederei, Rolf Habben Jansen, lässt sich davon nicht beirren. Er hatte bereits im Interview mit dem Abendblatt deutlich gemacht, dass er das Unternehmen derzeit für zu gering bewertet hält und der Aktienkurs für ihn im Moment noch keine Rolle spiele. „Man sollte nicht auf den ersten, zweiten oder zehnten Handelstag schauen, sondern auf die langfristige Geschäftsentwicklung“, sagte der Niederländer, der seit Juli 2014 an der Spitze der Reederei steht.

Entsprechend positiv gestimmt äußerte er sich am Mittwoch zu den Quartalszahlen: „Wir sind mit unseren Ergebnissen in den ersten neun Monaten 2015 angesichts des sehr herausfordernden Marktumfeldes zufrieden.“ Und weiter: „Das dritte Quartal hat einmal mehr gezeigt, dass der Zusammenschluss mit CSAV der richtige Schritt war und unsere Kosteneinsparmaßnahmen uns wettbewerbsfähig machen.“ Seine positiven Erwartungen macht der Hapag-Lloyd-Vorstandschef auch in seiner Prognose für das gesamte Jahr deutlich: Erstmals spricht er darin nicht nur von einem deutlich positiven operativen Ergebnis im Jahr 2015, sondern Habben Jansen rechnet nun sogar nach Steuern und Zinsen mit einem Überschuss.