Hapag-Lloyd

Hamburger Traditionsreederei im Sonderangebot

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Martin Kopp
Hapag-Lloyd-Chef
Rolf Habben Jansen,
hier in einem
Sitzungsraum der
Reederei, braucht
frisches Kapital für
neue Schiffe und
Container

Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen, hier in einem Sitzungsraum der Reederei, braucht frisches Kapital für neue Schiffe und Container

Foto: Roland Magunia / HA

Reederei legt heute Ausgabepreis für ihre Aktien fest. Er dürfte nur am unteren Ende der Spanne bei rund 20 Euro liegen.

Hamburg.  Für den geplanten Börsengang der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd ist heute ein wichtiger Tag. Am Mittag soll die so genannte Zeichnungsfrist enden, bei der Privatanleger und Finanzinvestoren Aktien des Unternehmens vorbestellen können. Am Abend will das Unternehmen dann den endgültigen Ausgabepreis bekannt geben, mit dem es am Freitag – und damit eine Woche später als angekündigt – an der Frankfurter Börse in den Handel einsteigen wird. Zuvor hatte Hapag-Lloyd bereits seine Preisvorstellungen revidieren müssen. Statt für 23 bis 29 Euro soll die Aktie nun in einer Spanne zwischen 20 bis 22 Euro auf den Markt kommen. Das Abendblatt erklärt, wie es nun weitergeht.

Warum hat Hapag-Lloyd seinen Börsengang verschieben müssen?

Grund ist zum einen die schwächelnde Weltkonjunktur, die vor allem von enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus China beherrscht wird. Zum anderen befindet sich die Containerschifffahrt aufgrund von Überkapazitäten und sehr geringen Transportpreisen in einer Krise. Hapag-Lloyd hatte deshalb seinen Börsengang schon im Vorfeld der Zeichnungsfrist eingedampft und die erwartete Gesamtsumme reduziert. Zunächst liefen auch Bestellungen ein. Wenige Tage vor Ablauf der Frist gab der größte Schifffahrtskonzern der Welt, die Maersk-Gruppe, aber eine Gewinnwarnung heraus, und einige Investoren stornierten ihre Orders wieder.

Hat sich die Gesamtlage wieder verbessert?

Nicht wirklich. Die Krise der Schifffahrt besteht seit sieben Jahren und wird sich bis Freitag nicht bessern. Im Gegenteil: Nach Maersk melden nun immer mehr Reedereien schlechte Quartalszahlen. Zuletzt senkte die japanische MOL ihre Prognose und APL aus Singapur meldete einen Verlust von 96 Millionen Dollar. Hapag-Lloyd will seine Jahresprognose derzeit aber nicht senken. Um die Investoren trotz der schwierigen Gesamtlage für die neue Aktie zu begeistern, hat Hapag-Lloyd die Preisspanne gesenkt. Bei einem derzeit vermuteten Ausgabepreis von 20 Euro würde Hapag-Lloyd nur noch mit knapp 2,4 Milliarden Euro bewertet – niedriger als etwa der Lebensmittel-Lieferdienst HelloFresh, der ebenfalls an die Börse strebt.

Was bedeutet die Senkung des Ausgabepreises für die Stadt?

Hamburg hält derzeit insgesamt 24,3 Millionen Anteile an Hapag-Lloyd. Sie stehen mit einem Stückpreis von derzeit 41,22 Euro in den Büchern. Der Gesamtanteil der Stadt liegt somit bei 1,004 Milliarden Euro. Wird die Aktie tatsächlich nur zu 20 Euro gehandelt, sind die städtischen Anteile praktisch nur noch die Hälfte, nämlich rund 500 Millionen Euro, wert.

Hamburg muss dann die Bücher um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag nach unten korrigieren. Das ist nicht die erste Wertberichtigung in Sachen Hapag-Lloyd: Gezahlt hat die Stadt für ihre Anteile ursprünglich mehr als 1,14 Milliarden Euro.

Wie sind andere Börsengängein diesem Jahr gelaufen?

Angesichts der Kapriolen am Aktienmarkt ist der stotternde Börsenstart von Hapag-Lloyd kein Einzelfall: Der fränkische Autozulieferer Schaeffler musste – kurz nach Bekanntwerden der Abgas-Schummelei bei VW – seinen Ersthandel ebenfalls kräftig abspecken. Er gab nur Vorzugsaktien für 938 Millionen Euro aus statt wie erhofft für mehr als 2,5 Milliarden. Die Bayer-Kunststofftochter Covestro verschob den geplanten Start wegen des eingetrübten Marktumfelds und kam den Anlegern beim Preis ebenfalls deutlich entgegen. Letztlich glückte der Börsengang: Die Covestro-Aktie startete Anfang Oktober mit einem Kurssprung und wird derzeit knapp vier Euro über dem Ausgabepreis gehandelt. Ganz anders sieht es beim Internet-Kleinanzeigenportal Scout24 aus. Die begleitende Bank Goldman Sachs musste den Kurs des Börsenneulings in den Wochen nach der Erstnotiz massiv stützen, weil er immer wieder unter den Ausgabepreis von 30 Euro fiel, wie aus einer Pflichtmitteilung hervorgeht. Dazu wurden fast 4,5 Millionen Aktien am Markt aufgekauft, die an die Altaktionäre, die Finanzinvestoren Blackstone und Hellman & Friedman sowie die Deutsche Telekom, zurückgegeben wurden. Konsequent war der Baustoff-Hersteller Xella: Er verschob den für 2015 geplanten Börsengang auf unbestimmte Zeit.

Kann man als Privatperson noch Aktien kaufen?

Ja, aber die Anleger sollten sich sputen, wie Karsten Wehmeyer von der Hamburger Privatbank Berenberg, einem der Konsortialführer des Börsengangs, unterstreicht: „Die Zeichnungsfrist läuft bis Dienstag, 12 Uhr. Die Zuteilung der Aktien erfolgt dann aufgrund derjenigen Kaufaufträge, die bis zum Ende der Zeichnungsfrist vorliegen“, sagt er. Nach der Börsennotierung werde die Aktien dann ganz normal über die Börse gehandelt. Voraussetzung ist natürlich, dass der Anleger ein Wertpapierdepot bei seiner Bank hat.

Was passiert, wenn der Börsengang wieder nicht klappt?

Bei der Reederei möchte man an diesen Fall nicht denken. Dort heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass der Sprung aufs Parkett ohne die Gewinnwarnung von Maersk schon in der vergangenen Woche sauber über die Bühne gegangen wäre. Ganz anders sieht es die Opposition in der Bürgerschaft. So sagt die Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bürgerschaft, Katja Suding: „Schon jetzt hat der Staatsreeder Olaf Scholz den Hamburger Steuerzahlern mit seinem Hapag-Engagement einen Riesenverlust von bis zu einer halben Milliarde Euro beschert. Wenn der Hapag-Börsengang nicht nur wie bisher holpern, sondern am Ende sogar scheitern sollte, wäre der Imageschaden für den ganzen Schifffahrtsstandort Hamburg enorm.“