Reederei

Hapag-Lloyd: Plan für NOL-Kauf ohne Unterstützung

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Vor Jahren wollte die NOL die Hamburger Reederei übernehmen. Nun sollte der Spieß umgedreht werden. Wer der Initiator des Plans war.

Hamburg. Vor rund sieben Jahren sorgte die Reederei NOL aus Singapur für Wirbel, als sie den Hamburger Konkurrenten Hapag-Lloyd übernehmen wollte. Ein Konsortium aus der Stadt Hamburg und Kaufleuten tat sich damals zusammen, überbot die Asiaten und verhinderte, dass Hapag-Lloyd in ausländische Hände fiel. Nun wollte Hapag-Lloyd-Miteigentümer Klaus-Michael Kühne den Spieß umdrehen und plädierte nach einem Bericht des Magazins „Bilanz“ dafür, dass die Hamburger Reederei ihrerseits NOL übernimmt. Allerdings kam Kühnes Idee bei den Mitgesellschaftern – unter anderem der Stadt Hamburg – weniger gut an. Der umtriebige Milliardär Kühne, der schon häufiger mit Alleingängen und provokanten Aussagen für Wirbel bei Hapag-Lloyd gesorgt hat, fand nach Abendblatt-Informationen keine Unterstützer. Hauptgründe für das Nein dürften der mögliche Kaufpreis von mehreren Milliarden Euro und die Integration der gerade übernommenen Reederei CSAV aus Chile sein, die viele Kräfte bündelt.

Offiziell gab es sowohl von der Hamburger Finanzbehörde wie auch von Hapag-Lloyd selbst nur ein Zwei-Worte-Statement zu dem Kühne-Vorstoß: „Kein Kommentar“. Externe Experten halten derweil einen Zusammenschluss von Hapag-Lloyd mit NOL aus strategischen Gründen durchaus für sinnvoll. Denn offensichtlich würden sich die Fahrtrouten der beiden Konkurrenten gut ergänzen.

Allerdings beschäftigt Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen derzeit ein ganz anderes Projekt. Er will endlich wieder Gewinn mit der Reederei machen und danach möglicherweise den in der Vergangenheit mehrfach verschobenen Börsengang realisieren. „Für uns hat es höchste Priorität, dass wir wieder schwarze Zahlen schreiben“, sagte Habben Jansen Anfang Mai noch dem Abendblatt. Dazu solle die CSAV-Übernahme mit jährlichen Synergien von 300 Millionen Dollar beitragen. Größere Zukäufe müssen folglich noch warten.