Reedereien

Chinesen wollen in die Schiffsfinanzierung einsteigen

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Bei der Finanzierung von Schiffsneubauten könnten chinesische Banken künftig eine größere Rolle spielen, heißt es aus der Branche.

Hamburg. Bei der Finanzierung von Schiffsneubauten könnten chinesische Banken künftig eine größere Rolle spielen. Davon geht Sönke Fanslow aus, Vorstand in der Hansa Treuhand-Gruppe, in der der Hamburger Reeder Hermann Ebel seine Schifffahrtsaktivitäten zusammengefasst hat.

"Die Chinesen wollen auch außerhalb ihres Landes Projekte finanzieren und sind bereit, schlechtere Konditionen als deutsche Banken zu akzeptieren", sagte Fanslow in Hamburg. Bei der Hansa Treuhand hat sich eine Bank aus dem Reich der Mitte bereits mit einem Kredit von 100 Millionen Euro an einem Fonds beteiligt, der einen Riesen-Airbus A380 für Emirates finanziert hat.

Ob solche Institute jedoch gerade im Geschäft mit deutschen Reedern Fuß fassen könnten, hält Fanslow für offen. "Die Reedereien arbeiten lieber mit Banken zusammen, mit denen sie auch schon einmal eine Krise durchgestanden haben." Fraglich sei, ob sich asiatische Banken nach einem Einstieg in die Finanzierung bei einem Einbruch ähnlich verhalten würden. Der Experte geht eher davon aus, dass sich die Asiaten für die Schiffsfinanzierung an europäischen Banken beteiligen würden.

Bei Schiffsfinanzierungen sind deutsche Banken, unter ihnen besonders die HSH Nordbank, führend. Allerdings will die Bank ihren Kreditbestand im Schiffsgeschäft von 30 Milliarden Euro jetzt um acht Milliarden Euro reduzieren. In China und Korea haben deutsche Reeder zuletzt ohnehin schon die Mehrzahl ihrer Neubauten bestellt.

Die Schifffahrtsmärkte haben sich nach Auffassung der Hansa Treuhand-Gruppe rascher erholt als angenommen. "Es werden auch für kleinere Containerfrachter wieder Charterverträge von bis zu zwei Jahren geschlossen", so Fanslow. Bei größeren Schiffen mit 3500 bis 4000 Stellplätzen für Standardcontainer (TEU) seien die Raten wieder "auskömmlich". Neue Tonnage bestellen will Fanslow aber noch nicht. Bisher sei es noch nicht möglich, Frachter über fünf Jahre an Linienreeder zu vermieten. "Auf solche Laufzeiten warten die Anleger."

Die Flotte der Hansa Treuhand, die zu den großen deutschen Charterreedereien zählt, umfasst derzeit 73 Schiffe, die über Fonds finanziert wurden. Darunter sind allein 63 Containerfrachter. Zusammen mit eigenen Frachtern werden rund 100 Schiffe eingesetzt.