Spitzelaffäre bei HSH-Nordbank

Hauptzeuge zieht alle Anschuldigungen zurück

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Der Ex-Sicherheitsberater bestreitet, Roth im Auftrag von Nonnenmacher und Gößmann bespitzelt und dessen Rauswurf eingefädelt zu haben .

Hamburg. Die vermeintliche Spitzelaffäre um die HSH Nordbank hat eine überraschende Wende genommen: Der Hauptzeuge hat am heutigen Montag alle belastenden Aussagen zurückgezogen. In einer notariell beglaubigten Erklärung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, erklärte der Sicherheitsberater, er habe keine Abhöreinrichtungen in der HSH Nordbank installiert, keinen Telefonanschluss manipuliert, sei nicht in die Privatwohnung eines später entlassenen Vorstands eingedrungen und habe keine entsprechenden Aufträge erhalten. Auch habe er keine Schriftstücke präpariert oder verschickt. All diese Sachverhalte hatte der Betriebsrat in einem Gesprächsprotokoll festgehalten. Er habe das aber nie gesagt und es entspreche nicht der Realität, erklärte der Sicherheitsberater jetzt. Der "Spiegel" hatte in der aktuellen Ausgabe von dem ehemaligen Berater der Bank berichtet, der zugegeben haben sollte, im Auftrag der HSH den Rauswurf von Vorstandsmitglied Frank Roth eingefädelt zu haben.

Bei dem Mann handelt es sich nach Abendblatt-Informationen um den Hamburger Arndt U., früher Mitarbeiter der Prevent AG, die für die Sicherheit bei der HSH Nordbank sorgt. Seit 2008 ist er als Subunternehmer für Prevent tätig. U. hatte dem "Spiegel" zufolge am 29. Juli dem HSH-Betriebsratschef und Aufsichtsrats-Vize Olaf Behm eine abenteuerliche Geschichte anvertraut. Anfang 2009 sei er am späten Abend zur HSH-Zentrale gebeten worden, wo ihn Chefjustiziar Wolfgang Gößmann durch einen Seiteneingang ins Haus gelassen und zum Büro von Kommunikationschefin Michaela Fischer-Zernin begleitet habe. Auch ein "hochrangiger" Prevent-Mitarbeiter habe bereits gewartet. Technikspezialist U. sei erklärt worden, er solle eine Wanze in Roths Büro installieren, um diesen inkorrekten Verhaltens überführen zu können. Nach Abendblatt-Informationen soll auch eine Überwachungskamera, die normalerweise erst nach Verlassen des Büros anspringen soll, dauerhaft "scharf" geschaltet worden sein. U. soll Behm zudem "gebeichtet" haben, dass er auch in Roths Wohnung in Alsternähe eingedrungen sei und versucht habe, das Telefon anzuzapfen. Die brisanteste Info aber war, dass U. auch die Mail verschickt haben will, auf deren Grundlage Roth im April 2009 gefeuert worden war.

Auf der Suche nach einem internen Leck, aus dem mehrfach vertrauliche Informationen aus der Bank gesickert waren, wurden im Frühjahr 2009 markierte Schreiben an mehrere Vorstände verschickt. Laut "Spiegel" steckten Vorstandschef Nonnenmacher und Justiziar Gößmann persönlich hinter der Aktion. Aus dem damaligen Aufsichtsrat, der mindestens hätte eingeweiht werden müssen, heißt es, man sei nicht informiert worden. Tatsächlich soll ein nur an Roth verschicktes Schreiben bei der englischen Zeitung "Guardian" aufgetaucht sein. Gößmann und der Potsdamer Rechtsanwalt Joachim Erbe erklärten dem Aufsichtsrat daraufhin die "erdrückende Beweislast" gegen Roth, und am 16. April wurde dieser entlassen. Tags darauf erstattete die Bank sogar Strafanzeige. Spekulationen nach war die Mail nun aber gar nicht durch Roth, sondern durch U. verschickt worden.

Betriebsratschef Behm ließ jedenfalls alle Aussagen von Arndt U. protokollieren und leitete das brisante Schreiben vor 14 Tagen an HSH-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper weiter. "Kein Vorstandsmitglied hatte bis zu diesem Zeitpunkt Kenntnis von den darin geschilderten Vorgängen", teilte die HSH gestern mit. Demzufolge habe kein Vorstand solche Aufträge erteilt oder hätte sie auch nur gebilligt, stellte ein Sprecher klar. Das werde in dem Protokoll auch nicht behauptet. "Anderslautende Berichte sind falsch."

Dennoch wurde Gößmann, der die Vorwürfe durch einen Anwalt zurückweisen ließ, vorübergehend seiner Aufgaben entbunden. Und gegen Arndt U. erstattete die Bank Anzeige. "Wir ermitteln gegen einen ehemaligen Sicherheitsberater der HSH in Zusammenhang mit der Manipulation im Bereich der internen Kommunikation", bestätigte Staatsanwalt Bernd Mauruschat.

Frank Roth sah sich durch die Angaben von U. schon rehabilitiert: "Dass eine von Steuergeldern getragene Bank in solche - offenkundig kriminellen - Vorgänge verwickelt ist, ist ein zutiefst erschütternder Vorgang, der meinen damals forcierten Abgang von der HSH Nordbank nun in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt", sagte er gestern. Er lasse nun straf- und zivilrechtliche Konsequenzen prüfen und erwarte eine Entschuldigung der Bank. Roth zufolge sei das Ermittlungsverfahren gegen ihn bereits am 24. Juni 2010 eingestellt worden.

Nun widersprach U. allerdings, die im Gesprächsprotokoll festgehaltenen Vorwürfe geäußert zu haben.

( (dpa/abendblatt.de) )

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