Anleger sollen nachzahlen

100 Schiffsfonds bereits in Schieflage

Ein Hamburger Anwalt sieht zwar gute Chancen für den Ausstieg aus solchen Beteiligungen, andere Experten sind aber eher skeptisch.

Hamburg. Den Anlegern von Schiffsfonds stehen noch schwere Zeiten bevor. Die Wirtschaftskrise hat die Frachtraten, den täglichen Mietpreis der Schiffe, und das Ladungsaufkommen dramatisch einbrechen lassen. Bei vielen Fonds reichen deshalb die Einnahmen nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Von Ausschüttungen für die Anleger ganz zu schweigen. Innerhalb eines Jahres sind nach Angaben des Fondshauses Hamburg Rückgänge bei den Frachtraten von bis zu 80 Prozent zu verzeichnen.

So wurden im Juni für ein Schiff mit 3500 Standardcontainern (TEU) nur noch 5750 Dollar pro Tag gezahlt. Vor einem Jahr waren es noch 29 500 Dollar pro Tag. Der Hamburger Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert schätzt, dass mindestens 100 Schiffsfonds in Not geraten sind. Das wären rund sieben Prozent aller deutschen Schiffsfonds mit insgesamt knapp 300 000 Anlegern. "Hinzu kommt noch eine unbekannte Dunkelziffer", so der Experte. Vom Verlauf der Krise hänge es ab, wie viel Schiffsfonds es noch erwischt. "Sicher ist, dass es von Tag zu Tag mehr werden."

Viele Anleger wären froh, wenn sie aus ihren Schiffsfonds aussteigen könnten, denn zunehmend werden die Anleger auch mit Rückforderungen bereits erfolgter Ausschüttungen konfrontiert. So will das Hamburger Emissionshaus Lloyd Treuhand für die Containerschiffe "Wehr Weser" und "Wehr Elbe" mit je 2524 TEU 4,5 Millionen und damit nachträglich 23 Prozent des Kommanditkapitals einsammeln. 25 Prozent Nachschuss fordert Nordcapital für die Containerschiffe "Hanse Spirit" und "Hanse Vision" (je 809 TEU). "Anleger müssen solchen Forderungen nicht nachkommen", sagte der Hamburger Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Peter Hahn. "Fährt das Schiff in die Pleite, kann der Insolvenzverwalter aber Ausschüttungen von den Anlegern zurückfordern."

Der Experte rät deshalb, einen Ausstieg zu prüfen, bevor der Anleger mit solchen Forderungen konfrontiert wird. "Denn bis zu einem Drittel der Fonds könnten Probleme bekommen", sagte Hahn gestern in Hamburg. Einen Ansatzpunkt für eine Rückabwicklung der Anlage sieht er dafür in versteckten Provisionszahlungen, den sogenannten Kick-Backs. Wurde darüber nicht umfassend aufgeklärt, ist der Anleger vor Gericht nach Hahns Einschätzung in einer komfortablen Position. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in mehreren Urteilen gefordert, dass Anleger über Kick-Backs aufgeklärt werden müssen. Schwieriger sind nach Hahns Einschätzung Fehler in der Beratung zu beweisen, weil der Anleger hier in der Beweispflicht ist. Als einen weiteren Ansatzpunkt sieht er mangelnde Risikohinweise im Prospekt. Hahns Rechtsanwälte vertreten gegenwärtig 50 Anleger, die Ärger mit ihren Schiffsfonds haben.

Andere Rechtsexperten sind skeptischer, was die Erfolgsaussichten enttäuschter Anleger betrifft. "Auch wenn die aktuelle Krise nicht vorhergesehen wurde, wird doch in den meisten Prospekten auf das Risiko bis hin zum Totalverlust ausdrücklich hingewiesen", sagt Anwalt Wulfila Dietzel von der Kanzlei Rotter Rechtsanwälte. Hinzu komme, dass Prospekthaftungsansprüche spätestens nach drei Jahren verjährt sind. Fehler in der Beratung verjähren erst drei Jahre nachdem man von diesem Umstand erfahren hat. "Die Schiffsbeteiligungen werden häufig von Vermittlern vertrieben", sagt Achim Tiffe vom Institut für Finanzdienstleistungen. "Anders als bei einer Bank ist der Kunde dabei nicht unbedingt in einer Beratungssituation." Doch nur im Zusammenhang mit einer Beratungssituation müssten nach der Rechtsprechung des BGH die Kick-Backs offengelegt werden. "Wurde der Fonds von einer Bank verkauft, hat der Anleger bessere Chancen."

Peter Hahn von Hahn Rechtsanwälte verweist darauf, dass sich Ansprüche der Anleger auch gegen das Emissionshaus richten können. So konnte bereits außergerichtlich für alle Gesellschafter eines Schiffsfonds eine Rückabwicklung durchgesetzt werden. Das war aber zu einem Zeitpunkt, als die Krise die Branche noch nicht voll erwischt hatte. In einem weiteren Fall sieht er gute Chancen, weil die Anlage kreditfinanziert ist und aus einer Hand vermittelt wurde.

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