Hafen Hamburg

Ist die Elbe nicht tief genug? Reeder noch nicht in Sorge

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Martin Kopp
Gelassen: Peter Wolf, Geschäftsführer der Reederei CMA CGM in Deutschland

Gelassen: Peter Wolf, Geschäftsführer der Reederei CMA CGM in Deutschland

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Die großen Kunden des Hamburger Hafens beäugen den Streit über die Elbvertiefung skeptisch. Noch keine betrieblichen Einschränkungen

Hamburg.  Während der politische Streit über die negativen Folgen der Elbvertiefung hochkocht, reagieren die großen Reedereikunden des Hamburger Hafens gelassen auf die aktuellen Einschränkungen für Schiffstiefgänge. „Da gibt es jetzt eine Riesenaufregung, die dem Image des Hafens nur noch mehr schadet“, sagte Peter Wolf, Deutschland-Chef der französischen Reederei CMA CGM, die zu den größten Kunden des Hafens zählt. „Wir haben trotz der Tiefgangsbeschränkungen noch nicht ein einziges Schiff nicht nach Hamburg gebracht.“

Die Situation sei zwar nicht schön, es gebe derzeit aber keine betrieblichen Einschränkungen. „Wir leichtern ohnehin alle Schiffe in anderen Häfen, bevor wir sie nach Hamburg bringen.“ Ähnlich äußerte sich Jan Holst vom japanischen Reedereikonsortium Ocean Network Express (ONE). „Auch wir haben wegen der Probleme bei der Fahrrinnenanpassung noch keine betrieblichen Einschränkungen gehabt.“ Diese würden sich erst einstellen, wenn starker Ostwind das Wasser aus dem Fluss herausdrücke. „Aber das ist nichts Neues. Das war schon immer so.“

Hafen Hamburg: Reeder wegen Elbvertiefung noch nicht in Sorge

Zuvor hatte bereits ein Sprecher der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd gesagt, dass die Einschränkungen akut kein Problem darstellten. Die Routen der großen Containerfrachter seien schon immer so ausgelegt worden, dass die Schiffe vor ihrer Einfahrt nach Hamburg bereits in Rotterdam oder Antwerpen Teile der Ladung gelöscht hätten und nie voll beladen in Hamburg ankämen. Schwierig könnte es jedoch werden, wenn große Trockenheit zu niedrigen Wasserständen führe oder konstant ein starker Ostwind wehe. Dann müssten die Schiffe auf Container im drei- bis vierstelligen Bereich verzichten, so der Sprecher.

Bestätigt werden diese Einschätzungen von den Hafenfirmen. „Einen Rückgang der Umschlagmenge im Zusammenhang mit der geringeren schiffbaren Wassertiefe der Elbe können wir aktuell nicht feststellen“, sagte ein Sprecher der HHLA. Die eingeschränkte Flexibilität bei den Einlauffenstern für die Schiffe könne über das Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC), an dem die HHLA beteiligt ist, behördenübergreifend gesteuert werden.

Das HVCC koordiniert die Schiffsanläufe. Dessen ungeachtet fügte der HHLA-Sprecher hinzu: „Als Betroffene erwarten wir, dass insbesondere der Bund seinen Verpflichtungen hinsichtlich der zugesagten Fahrrinnentiefen nachkommt. Entschieden widersprechen wir der Auffassung, dass die Fahrrinnenanpassung gescheitert ist. Der Transport von Waren und Gütern über den Wasserweg ist nachhaltig und klimafreundlich. Von daher war die Fahrrinnenanpassung eine richtige Maßnahme für den Klimaschutz.“

Unternehmensverband Hafen Hamburg fordert ein Machtwort des Bürgermeisters

Wie berichtet hatte der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft, Dominik Lorenzen, mit seinen Äußerungen einen politischen Streit hervorgerufen. Er hatte mit Blick auf den Erlass der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die Tiefgänge auf der Elbe wieder um einen Meter zurückzuschrauben mit den Worten kritisiert: „Die Elbvertiefung ist eindeutig und endgültig gescheitert.“ Der Unternehmensverband Hafen Hamburg fordert jetzt ein Machtwort des Bürgermeisters.

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