NWX22 in Hamburg

Trigema-Chef: Im Homeoffice „verlustiert“ man sich nur noch

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Wolfgang Grupp,  Inhaber des Textilunternehmens Trigema, polarisiert mit seinen Thesen.

Wolfgang Grupp, Inhaber des Textilunternehmens Trigema, polarisiert mit seinen Thesen.

Foto: Sebastian Gollnow / picture alliance/dpa

Wolfgang Grupp sprach in der Elbphilharmonie über die Arbeit der Zukunft – und stellte seinen Gegenentwurf zum Homeoffice vor.

Hamburg.  Auch wenn es am Montag auf der New Work Experience (NWX22) um Fragen der Unternehmenskultur ging, das Treffen in der Elbphilharmonie begann passend zum Ort mit Musik – zum Selbstsingen. Gemeinsam stimmten die Besucher Gute-Laune-Hymnen an, sie schmetterten Songs wie „We will rock you“, begleitet und animiert von Sören Schröder vom Chorprojekt „Hamburg singt“.

Eventuelle Morgenmüdigkeit unter den 2000 Gästen war auf diese Weise schnell verflogen, und es folgten Diskussionen über Visionen für die Arbeitswelt der Zukunft – unter anderem mit dem Philosophen Richard David Precht, Petra Scharner-Wolff, Konzern-Vorständin der Otto Group, sowie den Bestseller-Autoren John Strelecky und Stefanie Stahl. Die NWX wurde veranstaltet vom Hamburger Unternehmen New Work SE, das aus der XING SE mit ihrem gleichnamigen Businessnetzwerk hervorgegangen ist.

NWX22 in Hamburg: Grupp hält nichts von Homeoffice

Mit der Firmentochter Kununu, einer Plattform für Arbeitgeberbewertungen im Internet, hat die New Work SE das Ohr am Zeitgeist, der in den Unternehmen herrscht. Kununu-Chefin Nina Zimmermann sprach, sympathisch von Werber Michael Trautmann moderiert, mit Trigema-Inhaber Wolfgang Grupp und Wirtschaftsprofessorin Jutta Rump über den Wandel in Unternehmen. Grupp machte keinen Hehl daraus, dass er vom Homeoffice nichts hält, dass man sich „nur noch zu Hause verlustiert“, und beschrieb seinen Gegenentwurf.

Schon lange gebe es bei Trigema keine Einzelbüros mehr, alle gut 30 Mitarbeiter säßen in einem Großraum, „und ich mittendrin“, berichtet der 80-jährige Textilunternehmer. Auf diese Weise sehe er alle, „auch, ob jemand telefoniert und ich ihn anrufen kann“. Wichtig zu sein, gebraucht zu werden, das sei für die Mitarbeiter eine Form der Anerkennung, die nur in Präsenz gelänge, betonte Grupp, der selbst wiederum von seinem Sekretariat abhängig ist: Der bekennende Computerskeptiker lässt sich alle seine Mails von der Assistenz ausdrucken.

NWX22 in Hamburg: Neue Generation steigt in Berufe ein

In seiner Fabrik bekämen auch Menschen eine Chance, die wegen Schwächen in der Schule wenig andere Optionen hätten, und einen sicheren Job, „wenn sie nicht gerade goldene Löffel stehlen“, sagt der in Deutschland produzierende Hersteller von Sportkleidung.

Kununu-Chefin Nina Zimmermann stimmte mit Grupp überein, dass die Wertschätzung der Mitarbeiter wichtiger Schlüssel für deren Zufriedenheit ist, nannte aber auch ein Dilemma: dass die Wirtschaft von einer anderen Generation geführt wird als die, welche jetzt in den Beruf einsteigt. Den jüngeren Beschäftigten etwa sei Flexibilität wichtiger als Gehalt. In den USA verließen etliche Mitarbeiter eine Firma bereits innerhalb von 90 Tagen, sagte Zimmermann. Ein teurer Spaß für die Personalabteilungen.

( mw )

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