Gastronomie Hamburg

Restaurants und Hotels müssen deutlich höhere Löhne zahlen

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Heiner Schmidt
Beschäftigte in der Gastronomie leiden besonders unter den Pandemieauflagen – die Gewerkschaft spricht mit Blick auf den Tarifabschluss von einer neuen Perspektive.

Beschäftigte in der Gastronomie leiden besonders unter den Pandemieauflagen – die Gewerkschaft spricht mit Blick auf den Tarifabschluss von einer neuen Perspektive.

Foto: Socrates Tassos / Funke Foto Services

Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich geeinigt. Die Dehoga warnt schon jetzt vor steigenden Preisen für Gäste.

Hamburg. Monatelange Lockdowns, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei kargem Gehalt in Kurzarbeit und nach der Wiedereröffnung zu wenig Gäste und Personal: Hamburgs Gastronomie- und Hotelbranche ist weiter im Krisenmodus. Nun kommt auf die Unternehmen auch noch ein hoher Tarifabschluss zu. Aus Sicht der Gewerkschaft aber könnte die deutliche Lohnanhebung für Köchinnen und Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte zur Entspannung beim Fachkräftemangel führen.

Die Gäste allerdings werden deshalb absehbar nach dem Restaurantbesuch eine höhere Rechnung begleichen müssen. Der Branchenverband Dehoga hat nach der Einigung mit der Gewerkschaft NGG bereits angekündigt: „Die Tariferhöhungen werden nur über Preisanpassungen in den Betrieben möglich sein und am Ende von den Gästen bezahlt werden müssen.“

Gastronomie Hamburg: Höhere Löhne in Hotels und Restaurants

Der neue Entgelttarifvertrag sieht vor, dass die Löhne der knapp 46.000 Beschäftigte der Branche in der Hansestadt ab April kräftig steigen– um bis zu elf Prozent. Für Branchen-Neulinge liegt der tarifliche Mindestlohn dann bei 11,07 Euro pro Stunde und klettert bis Mitte 2022 auf 13,35 Euro. Das seien dann sogar 34 Prozent mehr als bisher, so NGG-Chefin Silke Kettner. Nach Dehoga-Angaben erfolgen die Erhöhungen in drei Stufen. In der ersten und zweiten Stufe am 1. April und am 1. Oktober 2022 um bis zu elf Prozent und in der dritten Stufe ab 1. Juni 2023 noch mal um bis zu acht Prozent. „Ab 1. Oktober 2022 liegt der unterste Tariflohn in Hamburg bei 2135 Euro. Dies entspricht einen Stundenlohn von 12,34 Euro“, so der Dehoga.

Auch die Auszubildenden profitieren und erhalten Lohnerhöhungen, „die es so in Hamburg noch nicht gegeben hat“, so Dehoga-Geschäftsführerin Ulrike von Albedyll. Demnach werden Auszubildende im ersten Lehrjahr ab April 915 statt bisher 740 Euro erhalten – eine Steigerung um 24 Prozent. Für das zweite und dritte Jahr ist der Zuschlag nur etwas geringer. Nach weiteren Anhebungen im Oktober und Mitte 2023 werden die Ausbildungsgehälter zwischen 1000 und 1300 Euro pro Monat liegen.

Tarifabschluss: NGG lobt Perspektive für Beschäftigte

Die Dehoga spricht von „fairen Verhandlungen“ mit der NGG. Deren Chefin erklärte: „Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe so stark getroffen wie kaum eine andere Branche. Mit dem Lohn-Plus haben die Beschäftigten nun endlich wieder eine Perspektive.“ Aus Sicht der Gewerkschaft ist der neue Tarifvertrag ein „Meilenstein“. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es gelungen, mit den Arbeitgebern eine Vereinbarung zu treffen, die die Hotel- und Gastro-Branche deutlich attraktiver für Beschäftigte mache. „Die Lohnerhöhungen sind auch ein entscheidender Beitrag gegen den wachsenden Fachkräftemangel in der Branche. Damit wird es leichter, dringend gebrauchtes Personal zu halten und neue Mitarbeiter zu finden“, so Kettner. Während der Pandemie hätten fast 10.000 Beschäftigte das Hamburger Gastgewerbe verlassen.

Von Albedyll sieht in der Vereinbarung eher eine Anpassung an die Realität. Eine Mitgliederumfrage habe gezeigt, dass der 2020 abgelaufene Tarifvertrag „oft nicht das widerspiegelt, was tatsächlich von den Arbeitgebern gezahlt wird. Viele Arbeitgeber zahlen bereits deutlich übertariflich“, betonte sie.

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