Martinsgans-Essen

Hamburger Arbeitgeber zwischen Sorge und Skepsis

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Ingo Kramer, Ehrenpräsident des Arbeitgeberverbands BDA, war der Festredner beim Martinsgans-Essen.

Ingo Kramer, Ehrenpräsident des Arbeitgeberverbands BDA, war der Festredner beim Martinsgans-Essen.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Die Metall- und Elektroindustrie hat eine lange Wunschliste für die künftige Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP. Was draufsteht.

Hamburg.  Im Hotel Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee bewegte sich die Stimmungslage am Mittwochabend zwischen Erleichterung und Zuversicht einerseits sowie Skepsis und Besorgnis andererseits. Erleichterung, weil nach einem Jahr pandemiebedingter Pause das traditionelle Martinsgans-Essen des Arbeitgeberverbands Nordmetall wieder in Präsenz stattfand – wenn auch in kleinerem Rahmen als vor Corona.

Gut 250 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nahmen mit Abstand voneinander an den gedeckten Tischen Platz. 2020 war das Treffen rein digital durchgeführt worden. „Treffen in Präsenz, das ist eben doch etwas anderes als das digitale Meeting. Ganz abgesehen von der leckeren Gans, die wir im letzten Jahr arg vermisst haben“, sagte Nordmetall-Präsident Folkmar Ukena in seiner Rede.

Martinsgans-Essen: Hamburger Arbeitgeber sehen neue Bundesregierung skeptisch

Noch vor dem Hauptgang war dann aber viel Sorge und Skepsis spürbar, was die laufenden Koalitionsverhandlungen für eine künftige Bundesregierung angeht. Tenor: Es ist nicht alles schlecht, was da bisher bekannt geworden ist aus der Hauptstadt, aber die Wunschliste der Metall- und Elektroindustrie an eine Regierungskoalition ist viel länger.

„Wir begrüßen das Festhalten an der Schuldenbremse und den Verzicht auf Steuererhöhungen als erste Ergebnisse, auf die sich SPD, Grüne und FDP offenbar verständigt haben. Aber wir sind befremdet, dass mit einer Mindestlohnkommission und anderen Initiativen in die Tarifhoheit eingegriffen werden soll, dass die dringende Flexibilisierung der Arbeitszeit nur als Experiment geplant ist und dass die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit im Land bisher nicht im Fokus der Ampelverhandlungen steht“, sagte Ukena.

„Uns steht ein riesiger Strukturwandel bevor“

Ingo Kramer, der Ehrenpräsident des Arbeitgeberverbands BDA und Festredner des Abends, forderte von einer neuen Regierung ein „Stoppschild für steigende Sozialabgaben“. Mit Blick Richtung Berlin sagte er: „Nun muss durchgestartet werden, um Wirtschaftsstandort, Wachstum und Wohlstand langfristig zu sichern. Uns steht ein riesiger Strukturwandel bevor – getrieben von Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie. Eine gemeinsame Kraftanstrengung, die nicht gegen, sondern nur mit der Wirtschaft geht.“ Eine Zukunftsagenda 2030 als Aufbruchsignal nach Corona sei notwendig.

Als konkrete Forderungen der Metall- und Elektrobranche an die künftige Regierung nannte Kramer eine vereinfachte Zuwanderung von Fachkräften, eine komplette Abschaffung des Solidaritätszuschlags, flexiblere Arbeitszeitregelungen, eine schnellere Digitalisierung der Verwaltung sowie „ein Planungsrecht, das Investitionen beschleunigt und nicht verhindert“.

( HA )

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