Schifffahrt

Hapag-Lloyd-Chef: Darum steigen wir beim JadeWeserPort ein

| Lesedauer: 3 Minuten
Hapag-Lloyd CEO Rolf Habben Jansen auf der Dachterrasse des Hapag-Lloyd Gebäudes in Hamburg.

Hapag-Lloyd CEO Rolf Habben Jansen auf der Dachterrasse des Hapag-Lloyd Gebäudes in Hamburg.

Foto: Ulrich Perrey / dpa

Zunächst schwieg Chef Habben Jansen. Nun äußert er sich erstmals zu der umstrittenen Beteiligung an Hamburgs Konkurrenzhafen.

Hamburg. Am Dienstag hatte Hapag-Lloyd den Einstieg in den JadeWeserPort in Wilhelmshaven bekannt gegeben. Mit einer kurz gehaltenen Pressemitteilung in vier Sätzen. Zu Nachfragen über die Beweggründe äußerte sich Hamburgs Traditionsreederei nicht. Zwei Tage später am Donnerstag holte Vorstandschef Rolf Habben Jansen dies in einem Gespräch mit Journalisten nach.

Momentan sind die Transportkapazitäten knapp und die Frachtraten hoch, sodass Hapag-Lloyd Rekordgewinne erzielt und in diesem Jahr mehrere Milliarden Euro zusätzlich verdienen wird. Der Markt für das Schifffahrtsunternehmen werde in einigen Jahren wieder normaler sein als derzeit, sagte der Niederländer. Daher müsse man weiter auf die Kosten achten und in Vermögenswerte investieren – wie man es in Wilhelmshaven getan habe, wo man vom dänischen Konkurrenten Maersk 30 Prozent der Anteile am Containerterminal erwarb.

Das Hauptargument für das Investment sei, „dass es die Position der deutschen Häfen gegen die Westports stärken wird“, sagte Habben Jansen. So solle künftig mehr Ladung über die Häfen der Bundesrepublik laufen als über die Anlagen der Nachbarn in Antwerpen und Rotterdam. Weiterhin stärke der 2012 eröffnete JadeWeserPort die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im wichtigen Handel mit Fernost. So verringere sich die Transitzeit von China nach Deutschland um ein bis zwei Tage, wenn die Schiffe Wilhelmshaven statt Hamburg anlaufen. Die lange Fahrt auf der Elbe fällt weg. Das biete mehr Flexibilität, denn im Hamburger Hafen sei die Lage wie in vielen anderen Häfen angespannt. Generell ginge die Wartezeit außerhalb der Häfen und die Liegezeit in ihnen nach oben, während die Zahl der umgeschlagenen Boxen pro Stunde sinke. Den Liegeplatz in Wilhelmshaven zeichne aber eine hohe Produktivität aus. Auch für Feederschiffe, auf die die Waren von den Ozeanriesen auf kleinere Frachter umgeladen werden und die anschließend kleinere Häfen anlaufen, seien die Bedingungen in Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen vorteilhaft. Zudem verfüge Wilhelmshaven über eine gute Bahnanbindung – an dem Bahnterminal stieg Hapag-Lloyd mit 50 Prozent ein.

Habben Jansen machte klar, dass man in Zukunft in weitere Terminals investieren wolle. Bisher ist die Reederei in Tanger (Marokko) und am Containerterminal Altenwerder in Hamburg beteiligt. Man habe in den vergangenen eineinhalb Jahren gelernt, dass ein robustes Netzwerk wichtig sei. Das heißt, man solle das Transshipment – den Umschlag von großen auf kleine Frachter – auf vielleicht zwölf bis 15 Häfen weltweit konzentrieren. „Es wäre nicht unlogisch, wenn wir an der Hälfte dieser Standorte Investments tätigen würden“, sagte Habben Jansen und ergänzte, dass man an diesen Orten Kontrolle über die Terminalkapazitäten haben sollte.

Dass der Einstieg in Wilhelmshaven einen „kleinen Effekt auf das Volumen“ haben werde, dass künftig an der Elbe umgeschlagen werde, räumte er ein: „Aber auch in Zukunft werden sehr wahrscheinlich 85 bis 90 Prozent der für Deutschland bestimmten Container über Hamburg gehen.“ Es sei aber schwierig, in die Zukunft zu schauen.

Für diese erwartet er weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die 13,9 Prozent der Aktien hält. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) hatte geäußert, der Senat sei „nach aktuellem Stand und mit Blick auf Hamburger Interessen von diesem Engagement nicht überzeugt“. Habben Jansen stellte klar: „Die Entscheidung wurde von uns gefällt.“ Vom Aufsichtsrat hätte es die notwendige Bestätigung gegeben. Habben Jansen: „Wir hatten wie immer einen manchmal intensiven, aber konstruktiven Dialog.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft