Einbruch bei Haspa

Bankschließfach geknackt: Das müssen Kunden wissen

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Volker Mester
Eigentlich ein sicherer Ort für Wertsachen. Doch Einbrüche oder Überschwemmungen in Tresorräumen können vorkommen und für viel Ärger sorgen.

Eigentlich ein sicherer Ort für Wertsachen. Doch Einbrüche oder Überschwemmungen in Tresorräumen können vorkommen und für viel Ärger sorgen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Reinhardt / picture alliance / dpa

Einbrüche wie kürzlich bei der Haspa in Norderstedt verunsichern Kunden. Wer haftet? Wie kann ich beweisen, was im Tresor lag?

Hamburg. Kriminelle Energie bahnt sich manchmal erstaunliche Wege: Mit einem Spezialbohrer schnitten Bankräuber ein Loch in die Betondecke des Tresorraums einer Haspa-Filiale in Norderstedt und räumten etwa 600 der 1200 Schließfächer aus. Das war im August.

In Berlin hatten unbekannte Täter vor einigen Jahren sogar einen 45 Meter langen Tunnel gegraben und 120 Tonnen Geröll mit Kleintransportern abtransportiert, um dann in aller Ruhe 300 Schließfächer einer Volksbank leeren zu können.

Bankschließfach wird immer beleibter

Immer wieder sind diese Tresorräume das Ziel von Räubern. Dabei hat gerade die kräftige Zunahme der Wohnungseinbrüche in den Jahren 2009 bis 2015 zu einer verstärkten Nachfrage nach den vermeintlich sicheren Fächern geführt. Doch nicht nur Kriminelle sind eine Gefahr für Wertgegenstände, die man dort unterbringt: Im niedersächsischen Bad Salzdetfurth wurde der Tresorkeller einer Sparkasse nach einem Starkregen bis zur Decke geflutet, zahlreiche Kunden mussten hohe Sachschäden hinnehmen. So wurde unter anderem eine wertvolle Briefmarkensammlung zerstört.

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Was also können Bankkunden tun, um sich gegen Verluste abzusichern? Zahlt die Hausratversicherung bei Diebstählen? Und wie viel kostet es überhaupt, ein Schließfach zu mieten? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Haftet die Bank immer für Schäden?

Nur wenn sie selbst für den Schaden verantwortlich ist, erstattet sie den vollen Betrag. In allen anderen Fällen hängt es von der Bank ab, ob und wie viel sie dem Kunden zahlt. So haftet die Haspa bis zu einem Betrag von 40.000 Euro für den Verlust oder die Beschädigung der eingelagerten Wertsachen.

Bei der Commerzbank ist eine Versicherung bis 26.000 Euro in der Miete enthalten, bei der Hamburger Volksbank sind nur 2500 Euro standardmäßig abgedeckt. Besonders großzügig zeigt sich die Sparda-Bank Hamburg, bei der eine Versicherung in Höhe von 128.000 Euro im Mietpreis enthalten ist. Die Deutsche Bank hingegen leistet nicht automatisch bei Schäden. Ein wichtiger Punkt: Bargeld, das sich im Schließfach befand, wird von den Banken in der Regel nicht ersetzt. Dafür ist meist eine Zusatzversicherung erforderlich.

Sollte man über die Bank eine Zusatzversicherung abschließen?

Praktisch alle Banken bieten den Schließfach-Kunden solche Zusatzversicherungen an. Ihr Abschluss kann sinnvoll sein, wenn der eingelagerte Wert den Betrag der Standard-Haftung deutlich übersteigt. Die Kosten liegen nicht selten im Bereich von 1,00 bis 3,00 Euro pro 1000 Euro Versicherungssumme und Jahr. Allerdings gilt es, die Bedingungen genau zu prüfen und mit denen anderer Versicherer zu vergleichen. Denn manche Policen sichern zum Beispiel nur gegen Raub, nicht aber gegen Schäden durch Feuer oder Leitungswasser ab. Andere decken zwar solche Ereignisse ab, aber nicht sogenannte „Elementarschäden“ durch Naturkatastrophen wie eine Überschwemmung.

Springt die Hausratversicherung ein?

Die Stiftung Warentest rät Schließfachmietern, vor dem Abschluss einer speziellen Zusatzversicherung erst einmal klarzustellen, ob nicht eine eventuell bestehende Hausratversicherung im Schadenfall eintritt. Bei den einfachen Grundtarifen sei das zwar selten der Fall, es könne sich aber der Wechsel in einen teureren Tarif rechnen. Auch hier gilt jedoch, dass man meist nur bei bestimmten Gefahren versichert ist – und die Haftungsgrenze liegt häufig bei einem niedrigen fünfstelligen Betrag. Bei der „Hausratversicherung Komfort“ der Allianz zum Beispiel sind es 20.000 Euro.

Was lässt sich versichern, was nicht?

Für einen eventuellen Ersatz durch eine Versicherung sind die Wiederbeschaffungswerte der eingelagerten Gegenstände maßgeblich. Liebhaberwerte oder ideelle Werte von Erinnerungsstücken werden nicht erstattet. Bewahrt man in dem Schließfach nur Dokumente auf, die keine Wertpapiere sind, dann ist eine Versicherung unnötig, weil sich ein immaterieller Schaden nicht ersetzen lässt.

Wie kann man belegen, was sich im Schließfach befindet?

Für die Schadenregulierung ist es äußerst wichtig, den Inhalt möglichst umfassend und beweiskräftig zu dokumentieren. Dazu gehören Kaufbelege etwa für Wertpapiere, bei geerbtem Schmuck kann ein Gutachten des Juweliers sinnvoll sein. Außerdem sollte man die Wertgegenstände von der Vorder- und Rückseite fotografieren, zur Sicherheit mit einem danebengelegten Lineal oder Zollstock.

Experten vom Bundesverband Deutscher Banken empfehlen, die Gegenstände auf einer Zeitung mit sichtbarem Datum zu fotografieren, um nachweisen zu können, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt noch da waren. Bei Geldscheinen sollten die Seriennummern auf den Fotos erkennbar sein. Eine derartige Inventarliste bewahrt man zu Hause oder bei einem Notar auf, eine Kopie davon kann im Schließfach liegen.

Wie viel kostet ein Bankschließfach?

Um eines anmieten zu können, ist in der Regel ein Konto bei der jeweiligen Bank die Voraussetzung – bei der Haspa geht das allerdings auch als Nicht-Kunde. Wie Abendblatt-Vergleiche zeigen, haben die Preise in den zurückliegenden Jahren bei den meisten Instituten deutlich angezogen. Bei der Hamburger Volksbank kostet das kleinste Fach (3,1 Liter Volumen) 35 Euro pro Jahr, die Sparda-Bank Hamburg verlangt für die Einstiegsgröße (4,3 Liter) 46 Euro. Bei der Haspa beginnt die Preisskala bei 49 Euro für ein Fach mit einem Fassungsvermögen von bis zu 4,5 Litern.

Die Deutsche Bank berechnet 95,90 Euro für ein allerdings bis zu neun Liter großes Schließfach, die Commerzbank nimmt dafür 119 Euro. Wer nicht nur kompakte Wertgegenstände wie etwa Goldbarren, sondern zum Beispiel Gemälde im Bankschließfach lagern möchte, benötigt dafür ein erheblich größeres Volumen. Fächer von mehr als 100 Litern kosten jedoch leicht 400 bis 600 Euro im Jahr.

Wie gut ist die Chance, ein Fach in der Nähe zu bekommen?

Die Haspa, die sich mit fast 200.000 Schließfächern an mehr als 100 Standorten zu den größten Anbietern in ganz Deutschland zählt, verzeichnet nach eigenen Angaben „weiterhin eine hohe Nachfrage nach Schließfächern“. Die Auslastung liege bei mehr als 80 Prozent. „Gleichwohl haben wir an vielen Standorten auch weiterhin Schließfächer in unterschiedlichen Größen frei – lediglich an einzelnen Standorten gibt es Wartelisten“, heißt es dazu. Klar ist: Durch die Filialschließungen bei allen Geldhäusern in den vergangenen Jahren ist es nicht leichter geworden, gleich in der Nähe der eigenen Wohnung ein Schließfach zu bekommen.

Angesichts dieses Trends gibt es inzwischen mehrere bankenunabhängige Anbieter. So bietet das Hanseatische Münz- und Edelmetall-Kontor rund 1000 Fächer in Hamburg-Hamm an. Die kleinsten kosten hier aber 265 Euro pro Jahr. Dafür punkten solche Anbieter mit größerer Anonymität als die Geldinstitute: Während Banken verpflichtet sind, die Eröffnung eines Schließfaches an das Finanzamt zu melden, müssen externe Anbieter keine Angaben machen.

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