Hamburger Hafen

Geheimes Gutachten stützt HHLA-Fusionspläne mit Eurogate

| Lesedauer: 6 Minuten
Martin Kopp
Ein Schiff hat am Burchardkai der HHLA festgemacht. Geht es nach den Plänen der Politik, sollen die Terminals der HHLA und Eurogate fusionieren.

Ein Schiff hat am Burchardkai der HHLA festgemacht. Geht es nach den Plänen der Politik, sollen die Terminals der HHLA und Eurogate fusionieren.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Roland Berger plädiert für Zusammenschluss. Festgefahrene Gespräche sollen weitergehen. Häfen können mit Nachhaltigkeit punkten.

Hamburg. Bei der Hamburger Hafen- und Logistik AG (HHLA) ist ein Schreiben eingetroffen, das für die Zukunft des Hamburger Hafens von großer Bedeutung sein könnte. Und der Inhalt wurde bereits an die Wirtschafts- und die Finanzbehörde weitergegeben. Bei dem Papier handelt es sich um ein ausführliches Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger zur möglichen Fusion zwischen den beiden größten deutschen Hafenkonzernen, der HHLA und Eurogate mit Sitz in Hamburg und Bremen.

Seit Mitte 2018 verhandeln die HHLA auf der einen Seite und die Firma Eurokai sowie die Bremer Logistikgruppe BLG – die jeweils 50 Prozent an Eurogate halten – auf der anderen Seite über eine Zusammenlegung ihrer Containerterminals in den großen deutschen Seehäfen. Doch die Sache kommt nicht voran, weil beide Seiten weiter prüfen, welche Vorteile ihnen aus einem solchen Zusammenschluss erwachsen könnten. Bereits 16-mal haben sich die Vorstände der Unternehmen zu Verhandlungen getroffen – ohne substanzielles Ergebnis.

Fusion im Hamburger Hafen: Unmut über Verzögerung

Auch bei den vier involvierten Senatoren, neben Hamburgs Wirtschaftsenator Michael Westhagemann (parteilos) und Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sind das Bremens Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) und die Bremer Hafensenatorin Claudia Schilling (SPD), gibt es bereits Unmut über die Verzögerungen. Sie haben sich mehrfach getroffen und entsprechenden Druck auf die Unternehmen ausgeübt, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Sowohl die HHLA als auch die BLG Logistics Group, der die Hälfte an Eurogate gehört, befinden sich mehrheitlich im städtischen Eigentum.

Doch jetzt dürften die Gespräche wieder an Fahrt aufnehmen. Denn Roland Berger stellt in dem Gutachten fest: Ein Verbund zwischen den beiden Terminalbetreibern Eurogate und HHLA aus Hamburg zu einer gemeinsamen Deutsche Bucht AG könnte diese zur Nummer eins in Europa machen. „Durch den Zusammenschluss könnte ein europäisch wettbewerbsfähiger und global nachhaltiger Marktteilnehmer entstehen“, heißt es in dem 27 Seiten umfassenden Gutachten. Im Einzelnen sieht die Studie ein Umschlagpotenzial von 15 Millionen Standardcontainern (TEU) pro Jahr für die deutschen Seehäfen. Das ist mehr als Rotterdam mit derzeit 14,4 Millionen TEU und Antwerpen mit zwölf Millionen TEU. Der Hamburger Hafen schlägt etwa 8,5 Millionen TEU um.

Studie hebt Synergien von HHLA und Eurogate hervor

Die Studie zielt aber nicht so sehr auf die Umschlagsmengen ab als vielmehr auf das Potenzial an Synergien und Innovationsvorsprüngen, die sich durch einer Fusion einstellen könnten. Insgesamt hat Roland Berger – ohne konkrete Summen zu nennen – Einsparungen in sechs Unternehmensbereichen festgestellt: Verwaltung, IT, Vertrieb, Einkauf, Personal sowie Forschung und Entwicklung. Durch die Einsparungen würden Gelder frei, die die Unternehmen in die Nachhaltigkeitsentwicklung stecken könnten.

Hier seien die Terminals in der Deutschen Bucht bereits gut aufgestellt, besser als viele Konkurrenten. In dem Gutachten heißt es: „Es gibt nur eine limitierte Positionierung des Wettbewerbs im Bereich Nachhaltigkeit.“ Würden diese Innovationsfelder von den beiden Unternehmen gemeinsam vorangetrieben, könnten sich Hamburg und Bremerhaven einen Wettbewerbsvorteil verschaffen – selbst gegenüber den Konkurrenten Rotterdam und Antwerpen. Die Studie rät zur Weiterentwicklung klimaneutraler Umschlagterminals, die Nutzung von Wasserstoff, die Anwendung einer digitaler Hafenlogistik sowie einer noch besseren Bahninfrastruktur.

Rotterdam und Antwerpen werden immer mächtiger

Obgleich der Containerumschlag nach den Corona-Einbrüchen in allen nordeuropäischen Häfen zulegt, nehmen Rotterdam und Antwerpen den deutschen Terminals seit Monaten Marktanteile ab. Der offensichtliche Grund: Sie sind effizienter und kostengünstiger als ihre Kontrahenten in Hamburg und Bremen. HHLA und Eurogate steuern mit Sparprogrammen dagegen und investieren Millionensummen in Automatisierung und Strukturanpassungen, um ihre Wettbewerbsdefizite aufzuarbeiten. Das ist schwer zu schultern für ein Unternehmen allein.

„Mit dem von Roland Berger erarbeiteten Zukunftsbild liegt eine unabhängige Studie vor“, sagte ein HHLA-Sprecher dem Abendblatt. „Die HHLA sieht durch die Ergebnisse des gemeinsamen Zukunftsbildes ihrer auf Wachstum, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Hamburg und Sicherung von Beschäftigung ausgerichteten Strategie einmal mehr bestätigt.“

Senat hält sich noch bedeckt

Der Senat wollte sich dazu noch nicht äußern. Man werde das Gutachten zunächst einmal einordnen und analysieren, sagte eine Sprecherin der Wirtschaftsbehörde. Klar ist aber, dass dessen Ergebnis neue Bewegung in die festgefahrenen Gespräche bringen wird. Aus dem Umfeld der HHLA war zu erfahren, dass bereits Unterhändler der Unternehmen zusammenkommen.

Durch einen Zusammenschluss könnten die Unternehmen den Marktkonkurrenten gestärkt gegenübertreten. Zudem würde die Macht der Reeder gebrochen. Diese spielen derzeit die Terminals gegeneinander aus, um dadurch die Preise zu drücken: Wer keine Preisnachlässe gewährt, wird kaum noch angelaufen. Mit einem gemeinsamen Vorgehen aller Terminals in der Deutschen Bucht könnte dieser Praxis womöglich ein Ende gesetzt werden.

Kühne fordert verstärkte Zusammenarbeit

Wie berichtet, hat auch der Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne in Briefen an den Bremer sowie den Hamburger Senat gefordert, die Zusammenarbeit zu verstärken, damit die deutschen Nordseehäfen gegenüber der Konkurrenz aus Rotterdam und Antwerpen nicht weiter zurückfallen. Kühne hat zudem angeboten, bei der geplanten Kooperation der Terminalbetreiber einzusteigen, auch finanziell.

Aus der HHLA heißt es dazu: „Wir kennen die Vorschläge von Herrn Kühne im Detail nicht, da er sein Angebot an die Landesregierungen in Hamburg und Bremen adressiert hat. Wir begrüßen aber, dass auch er die Idee eines Verbunds der norddeutschen Containerterminals unterstützt, um den Standort Hamburg und Deutschland nachhaltig zu stärken.“ Zu einem vorgeschlagenen Einstieg Kühnes bei dem geplanten Terminalpakt äußert sich die HHLA nicht. Es ist aber offensichtlich, dass noch ein zusätzlicher potenzieller Partner die ohnehin komplizierten Gespräche weiter verzögern dürfte.

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