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Kurssprung bei Hapag-Lloyd – verkauft Hamburg seine Anteile?

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Martin Kopp
Hapag-Lloyd-Aktie wird immer teurer: Hamburg könnte die Aktie jetzt verkaufen (Symbolbild).

Hapag-Lloyd-Aktie wird immer teurer: Hamburg könnte die Aktie jetzt verkaufen (Symbolbild).

Foto: picture alliance/dpa | Bodo Marks

Stadt würde beim Verkauf 3,5 Milliarden Euro Gewinn erzielen. CDU und FDP fordern Senat dazu auf. Schifffahrtsexperten warnen.

Hamburg.  Die Stadt Hamburg ist stolz auf ihre Traditionsreederei Hapag-Lloyd. Und sie ist an ihr beteiligt: Mit 13,9 Prozent ist die Hansestadt drittgrößter Anteilseigner an dem Schifffahrtskonzern. Doch nachdem die Hapag-Lloyd-Aktie seit einigen Monaten immer teurer wird, steigt im politischen Raum der Druck, sich von den Anteilen zu trennen. Denn immer mehr Analysten halten die Aktie für überbewertet.

4,7 Milliarden Euro würden mit einem Schlag in Hamburgs leere Kassen gespült. Zieht man davon die 1,15 Milliarden ab, die die Stadt für Anteile einst bezahlt hat, blieben immer noch 3,55 Milliarden Euro Gewinn übrig. Das wäre mehr als ein Sechstel des jährlichen Haushalts der Stadt.

Hapag-Lloyd-Aktien: „Zeit ist reif für einen Verkauf"

„Hapag-Lloyd ist heute stark aufgestellt. Wenn nun auch Analysten mit Blick auf den Aktienkurs den Verkauf empfehlen, heißt dies für uns: Der Zeitpunkt ist aus Hamburger Sicht günstig“, sagt etwa der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion Götz Wiese. „Die Stadt kann in diesen schwierigen Zeiten Liquiditätsrückflüsse in moderne Infrastruktur investieren, zum Anschub nach Corona nutzen und – nicht zuletzt – Schulden tilgen.“

Der Hamburger FDP-Bundestagskandidat Michael Kruse sagt: „Die Zeit ist reif für einen Verkauf. Die Stadt sollte dafür einen oder mehrere Ankerinvestoren suchen, die an einem langfristigen Investment Interesse haben.“

Hamburger Senat will Hapag-Lloyd-Aktien halten

Doch der Hamburger Senat will seine Hapag-Lloyd-Aktien vorerst behalten. Die Stadt war 2009 ins Unternehmen eingestiegen, weil eine Übernahme des Schifffahrtsunternehmens aus dem Ausland und damit ein Wegzug aus Hamburg drohte. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) befürchtet dass die Reederei bei einem sofortigen Ausstieg der Stadt wieder zum Spielball ausländischer Investoren werden könnte.

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„Die Gründe für unsere Beteiligung gelten fort: Wir beteiligen uns an Hapag-Lloyd aus standort- und wirtschaftspolitischen Gründen, um auf dieser Grundlage Arbeitsplätze, Ladungskapazitäten und Steuereinnahmen für Stadt und Hafen langfristig zu sichern“, sagte der Senator dem Abendblatt.

Experten warnen: Kauflust bei Reedereien steigt

Schifffahrtsexperten geben ihm Recht. Sie warnen, dass bei den großen Reedereien weltweit die Kauflust steigt, Hapag-Lloyd könnte damit wieder zu einem Übernahmekandidaten werden.

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