Altes Land

Obsternte – was die Bauern im Süden von Hamburg voraussagen

| Lesedauer: 3 Minuten
Steffen Preißler
Frische Äpfel – das Obst ist besonders beliebt hierzulande.

Frische Äpfel – das Obst ist besonders beliebt hierzulande.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Wie werden die Erträge für Äpfel und Pflaumen ausfallen? Bundesweit sieht es düster aus – doch im Norden gibt es eine Überraschung.

Hamburg. Während bundesweit mit einer geringeren Apfelernte als im Vorjahr gerechnet wird, blicken die Bauern im Alten Land optimistisch auf die bevorstehende Ernte. Erste Frühsorten wie Delba Esteval werden schon gepflückt.

„Wir rechnen in diesem Jahr an der Niederelbe mit einer Apfelernte von 308.000 Tonnen, das ist rund ein Prozent mehr als im Vorjahr und im langjährigen Vergleich überdurchschnittlich“, sagt Matthias Görgens, stellvertretender Leiter der Obstbauversuchsanstalt in Jork. „Damit liegen wir das vierte Jahr in Folge über der Marke von 300.000 Tonnen, was eine sehr erfreuliche Entwicklung für die Region ist.“

Apfelernte im Alten Land: Schädlinge und Hagel blieben weitgehend aus

Von Schädlingen und Hagel blieben die Obstbauern in diesem Jahr weitgehend verschont. „So können wir Früchte ernten, die äußerlich und auch geschmacklich in einer hervorragenden Qualität sein werden“, sagt Görgens. Allerdings macht jetzt den Bauern der viele Regen Sorgen. Wenn die Äpfel mehr als 24 Stunden nass sind, werden sie anfällig für Schorfpilz. „Dieser Pilz musste in diesem Jahr sehr intensiv bekämpft werden“, sagt Görgens. Besonders Biobauern leiden darunter, weil sie bei der Bekämpfung eingeschränkter sind als andere.

Lesen Sie auch:

Bundesweit schätzt das Statistische Bundesamt, dass die Apfelernte in diesem Jahr um 8,5 Prozent geringer ausfallen wird als 2020. Insgesamt wird mit einer Erntemenge von 937.000 Tonnen gerechnet. Die Menge liegt auch noch zwei Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Um mehr als ein Viertel geringer wird in diesem Jahr auch die Pflaumenernte ausfallen. Bundesweit wird nur mit einer Ernte von 34.000 Tonnen gerechnet, das sind gut zehntausend Tonnen weniger als im Vorjahr.

Äpfel sind nicht so empfindlich wie Pflaumen

Manche Erzeuger erwarten noch deutlich geringere Mengen, wie Obstbauer Rolf Meyer aus Neuenfelde. „Für Pflaumen und Zwetschen verlief das Frühjahr sehr ungünstig und hat die Bestäubung und den Fruchtansatz stark beeinträchtigt“, sagt Meyer. Außerdem sind die Blüten der Apfelbäume mit Beregnungsanlagen besser vor Frost geschützt und die Pflaumenbäume blühen vor den Äpfeln, wenn es also noch kühler ist. „Von der Mirabelle rechnen wir nur mit zehn Prozent der Vorjahresmenge und bei den Bühler Frühzwetschgen werden es voraussichtlich nur 30 Prozent“, sagt Meyer.

Bei Äpfeln ist es besser gelaufen, weil sie nicht so empfindlich wie Pflaumen sind. Denn bei Äpfeln reicht es aus, wenn zwei von 100 Blüten bestäubt werden. Bei Pflaumen muss jede zehnte Blüte erfolgreich bestäubt werden. Hinzu kommt, dass die Pflaumen und Zwetschgen eine alternierende Frucht sind. Somit folgt auf ein besseres Erntejahr wie 2020 mit bundesweit 47.000 Tonnen üblicherweise ein schwächeres Jahr.

Für das Alte Land sind die Ernteeinbußen bei Pflaumen gesamtwirtschaftlich nicht so gravierend. Die großen Anbaugebiete dafür liegen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dort werden voraussichtlich mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Pflaumen und Zwetschgen in diesem Jahr geerntet. Die Anbaufläche im Alten Land beträgt 250 Hektar, das sind 2,5 Prozent der gesamten Fläche an der Niederelbe, die von Cuxhaven bis Winsen reicht. Apfelbäume stehen auf rund 9000 Hektar.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft