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Bank macht Druck: Nur zwei Klicks und die Gebühren steigen

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Steffen Preißler
Auch bei der Comdirect-Bank steigen die Gebühren.

Auch bei der Comdirect-Bank steigen die Gebühren.

Foto: Bodo Marks / dpa

Comdirect fordert Zustimmung im Internet. 1,7 Millionen Inhaber von Girokonten sind betroffen. Wie Sie reagieren sollten.

Hamburg. Ob das funktioniert? Die Comdirect will mit ein paar Klicks die nachträgliche Zustimmung ihrer Kunden zu den jüngsten Gebührenerhöhungen erreichen.

Während andere Geldinstitute wie Postbank oder Deutsche Bank Hunderttausende Briefe an ihre Kunden verschicken und darauf hoffen, dass sie das Zustimmungsformular unterschrieben zurückschicken, werden die Kunden der Comdirect bei jedem Einloggen in ihr Depot oder Girokonto daran erinnert, dass ihre Zustimmung noch aussteht. Die Bank aus Quickborn hat knapp drei Millionen Kunden, davon 1,7 Millionen mit einem Girokonto.

Am Ende könnte das Verfahren eine höhere Zustimmung bringen als die Zustimmung auf dem Postweg. Die Klicks sind schließlich schneller erledigt als ein Gang zum Briefkasten. „Nur zwei Klicks, mehr müssen Sie nicht tun“, schreibt die Bank auf ihrer Internetseite und gibt den Kunden noch mit auf den Weg: „Nur so können wir unser gemeinsames Vertragsverhältnis auf einer rechtssicheren Grundlage fortführen.“ Mit den Klicks stimmen die Kunden den jüngsten Gebührenerhöhungen rund um das Girokonto zu.

Comdirect-Bank hatte Gebührenerhöhungen zunächst ausgesetzt

Diese hatte die Bank nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) ausgesetzt. Jetzt sollen sie zum 1. November eingeführt werden. Kurios: Hinter dem Zustimmungs-Button steht: Kostenpflichtig. „Die Zustimmung kostet natürlich nichts“, versichert eine Sprecherin. „Aber wir sind vom Gesetzgeber gehalten, dass so auszugestalten, weil mit der Zustimmung später doch Gebühren erhoben werden können.“

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Die Banken kündigten Gebührenerhöhungen bisher an und wenn der Kunde nicht reagierte, galt das als Zustimmung. Diese sogenannte fingierte Zustimmung benachteilige Verbraucher unangemessen und sei unzulässig, urteilte der BGH (XI ZR 26/20).

Comdirect hatte Voraussetzungen für das kostenlose Konto geändert

Die Comdirect hatte vor allem die Voraussetzungen für das kostenlose Konto geändert. Nur bei einem Geldeingang von 700 Euro monatlich, einer Wertpapiertransaktion oder drei Bezahlvorgängen mit dem Handy bleibt das Girokonto kostenlos, sonst werden 4,90 Euro monatlich fällig. Eine Visa-Kreditkarte, die bisher kostenlos war, kostet knapp 23 Euro im Jahr. Die Visa-Debitkarte, wo also die Forderungen sofort vom Girokonto abgebucht werden, ist weiterhin kostenlos.

Wer den neuen Bedingungen nicht zustimmen will, muss mit der Kündigung des Kontos rechnen. „Rechtlich ist das zulässig und die Banken können ohne Angabe von Gründen die Kontoverbindung mit einer Frist von zwei Monaten kündigen“, sagt Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg. Eine wirkliche Wahl hätten die Kunden nicht, wenn sie sich keine neue Bank suchen wollen.

Bedingungslos kostenlose Girokonten werden nach einer jüngsten Untersuchung der Stiftung Warentest immer seltener. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl fast halbiert. Bei den überregionalen Angeboten, gibt es nur noch zehn Banken, darunter die Santander und 1822direkt. Die meisten Direktbanken wie ING oder DKB verlangen von Neukunden 700 Euro Geldeingang.

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