Erdbeerernte

Erdbeersaison im Norden startet – Preise bleiben hoch

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Hanna-Lotte Mikuteit
Felix (l.) und Florian Löscher haben vor zwei Jahren den Erdbeer- und Spargelhof in Hoopte von ihren Eltern übernommen. Auch die nächste Generation liebt die roten Früchte, wie man bei Tamme (l.) und Fiete sieht.

Felix (l.) und Florian Löscher haben vor zwei Jahren den Erdbeer- und Spargelhof in Hoopte von ihren Eltern übernommen. Auch die nächste Generation liebt die roten Früchte, wie man bei Tamme (l.) und Fiete sieht.

Foto: Andreas Laible

Endlich beginnt die Ernte der roten Früchte auch im Norden. Was man bezahlen muss und wie sich die Preise entwickeln werden.

Hamburg.  Auf der Suche nach den ersten Erdbeeren sind seine Frau und die drei Jungens auf eigene Faust losgezogen. „Das war Anfang letzter Woche“, sagt Felix Löscher. Da war die Ungeduld schon groß, das Ergebnis allerdings noch ziemlich überschaubar. Gerade mal gut ein Kilo hatte der familiäre Spähtrupp auf einem der Felder in direkter Nähe des Erdbeer- und Spargelhofs Löscher südlich von Hamburg zusammenbekommen. Eine Portion für jeden. Immerhin.

Noch ist es nicht so einfach, die roten Früchtchen zwischen dem Grün der Blätter zu finden. „Der Winter war kalt, und auch jetzt bremsen die niedrigen Nachttemperaturen das Wachstum“, sagt Löscher. Trotzdem soll es nun endlich losgehen mit der Ernte. Auf dem Familienbetrieb in Hoopte im Landkreis Harburg, den der 38-Jährige mit Bruder Florian führt, ist alles vorbereitet.

Die ersten heimischen Früchte kommen aus dem Anbau in Folientunneln

Zwei Wochen später als 2020 startet Anfang dieser Woche auch im Norden Deutschlands die Erdbeersaison. Die ersten heimischen Früchte kommen aus dem Anbau in Folientunneln, in denen sie bei Temperaturen von 20 Grad etwa drei Wochen früher reif werden als im Freiland. „Die aktuellen Bedingungen sind gut“, sagt Fred Eickhorst, Vorstandssprecher der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer, die 500 Betriebe bundesweit vertritt.

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Die Sonne der letzten Wochen habe den Erdbeeren gutgetan. Zugleich sei nicht mehr zu erwarten, dass Fröste größere Schaden anrichten könnten. Auch wenn es zum 1. Mai in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg in diesem Jahr nicht geklappt hat mit Erdbeeren aus der Region, rechnet er damit, dass die Erntemengen in den nächsten Wochen schnell steigen. Erdbeeren aus dem Freiland soll es von Ende Mai an geben.

Felix Löscher erwartet eine gute Ernte

Auch Felix Löscher erwartet eine gute Ernte. Die ersten 30 Erntehelfer aus Rumänien sind vor einigen Tagen angekommen. „Wir haben ein Stammteam, das immer wieder kommt“, sagt der Erdbeerbauer, der auf dem Hof für den Vertrieb zuständig ist. Trotzdem ist auch in diesem Jahr vieles anders als sonst. Zum zweiten Mal steht die Ernte im Zeichen der Pandemie.

Die Saisonkräfte kommen mit extra gecharterten Bussen. Nur wer vor Reisebeginn einen negativen Corona-Test vorweisen kann, darf einsteigen. In Deutschland müssen die rumänischen Pflücker in eine fünftägige Quarantäne, bevor sie nach einem weiteren (negativen) PCR-Test aufs Feld können. Insgesamt sind bis zum Saisonende im August etwa 130 Erntehelfer auf den 35 Hektar mit Erdbeeren bei den Löschers im Einsatz. „Durch die Hygienevorschriften haben wir zwischen 30.000 und 50.000 Euro Mehrkosten in dieser Saison“, schätzt der Unternehmer.

200.000 Euro in eine neue Container-Unterkunft investiert

Außerdem hat die Familie 200.000 Euro in eine neue Container-Unterkunft mit Schlafräumen für je zwei Personen und zusätzlichen Sanitärräumen investiert, in denen die Arbeitsgruppen zusammen untergebracht sind. „So verringern wir das Ansteckungsrisiko“, sagt Löscher. Morgens um 4.30 Uhr heißt es in den nächsten Wochen für die Erntehelfer, die den Mindestlohn plus Zuschläge für Mehrarbeit bekommen, antreten zum Pflücken. Als erste Sorte ist die Clery dran.

Auch in Schleswig-Holstein hat die Erdbeerernte begonnen. „Die Kulturen stehen gut da. Wir sind optimistisch, was Qualität und Menge angeht“, sagt Enno Glantz. Der Landwirt aus Delingsdorf, der Erdbeerkönig genannt wird, ist mit 160 Verkaufsständen der größte Direktvermarkter in der Metropolregion.

Glantz erwartet auch in diesem Jahr eine Preiserhöhung

Seine ersten Erdbeeren haben allerdings eine 100 Kilometer lange Reise hinter sich, wenn sie in Hamburg angeboten werden. Sie stammen aus dem mecklenburgischen Hohen Wieschendorf, wo der 76-Jährige seit drei Jahrzehnten neben dem vor 60 Jahren gegründeten Betrieb im Kreis Stormarn den ehemaligen Stammsitz seiner Familie wieder bewirtschaftet. In dem milderen Klima in Ostseenähe baut Glantz die Früchte in Tunneln an. Insgesamt kommt der Unternehmer, der in der Hochsaison 1500 Mitarbeiter beschäftigt, auf eine Anbaufläche von 250 Hektar.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Trotz der guten Voraussetzungen für die Ernte 2021 erwartet Glantz auch in diesem Jahr eine Preiserhöhung. Zum Saisonstart ruft er mit 2,90 Euro für eine 250-Gramm-Schale 20 Cent mehr auf als im Vorjahr. „Wir haben durch die Corona-Auflagen deutlich höhere Kosten“, erklärt der Landwirt. Insgesamt habe er in diesem und im vergangenen Jahr eine Summe in sechsstelliger Höhe investiert.

Aktuell klaffen die Preise noch weit auseinander

„Unsere Konzepte sind gut“, sagt Enno Glantz. Im vergangenen Jahr habe es keinen Covid-19-Fall bei ihm gegeben. „Wegen Corona steht den regionalen Erzeugern wieder eine nicht einfache Saison bevor“, erklärt auch die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen. Sie forderte die Verbraucher mit Blick auf Importware aus Spanien, Italien oder den Niederlanden auf, beim Einkauf auf heimische Ware zu achten.

Aktuell klaffen die Preise allerdings noch weit auseinander. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) liegt der Durchschnittspreis der importierten Erdbeeren bei 3,75 Euro pro Kilo. Der Kilopreis für heimische Ware, aktuell vor allem aus Süddeutschland, beträgt 6,66 Euro und ist damit auf dem Niveau von 2020 (6,57 Euro). Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 müssen die Verbraucher zum Saisonstart allerdings deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Es geht nicht mehr um Kilogramm, sondern um Tonnen

Damals kostete ein Kilo deutsche Erdbeeren mit 5,22 Euro im Schnitt mehr als einen Euro weniger. „Durch Corona hat sich das Einkaufsverhalten geändert. Regionale Produkte sind mehr nachgefragt“, sagt AMI-Expertin Eva Würtenberger. Und offenbar sind viele bereit, auch mehr dafür zu zahlen. Eine Prognose für die nächsten Wochen macht Würtenberger nicht. „Dafür ist es noch zu früh.“

Bei der Ernte auf dem niedersächsischen Erdbeerhof Löscher geht es seit dieser Woche nicht mehr um Kilogramm, sondern um Tonnen. Die ersten der 30 Verkaufsstände öffnen, davon 13 in Hamburg. Felix Löscher hat den Startpreis auf 4,90 Euro für 500 Gramm festgelegt. „Das ist für mich eine Schallgrenze“, sagt er. Von jetzt an geht es runter. In der Hochsaison im Juli rechnet er mit einem Verkaufspreis von 3,50 Euro.

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