Hafen

Blockade des Suezkanals: Nun kommt die Welle in Hamburg an

| Lesedauer: 3 Minuten
Nach der Blockade des Suezkanals erwartet die Reederei Hapag-Lloyd auch in Hamburg Auswirkungen der Havarie.

Nach der Blockade des Suezkanals erwartet die Reederei Hapag-Lloyd auch in Hamburg Auswirkungen der Havarie.

Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Die "Ever Given" hat die wichtige Seestraße freigegeben, doch der Hamburger Hafen erwartet die Spätfolgen der Havarie.

Hamburg.  Das dicke Ende kommt erst noch. Nach der Auflösung der fast einwöchigen Blockade des Suezkanals wegen des auf Grund gelaufenen Containerfrachters „Ever Given“ bereiten sich Europas Häfen auf einen Andrang verspäteter Schiffe vor. In Hamburg werde die Welle ab der kommenden Woche erwartet, sagte der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Gunther Bonz.

„Die Blockade des Suezkanals hat wesentliche Auswirkungen auf unsere Dienste zwischen Asien und dem Mittelmeer, Nordeuropa, dem Transpazifikverkehr und Indien“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd, Rolf Habben Jansen. 369 Schiffe hätten sich infolge des Unfalls vor und im Kanal gestaut, darunter neun eigene Frachter der Reederei. Keines davon sei um Afrika herumgeleitet worden. Aber man war kurz davor: „Ich denke, wir waren 24 bis 48 Stunden von dieser Entscheidung entfernt“, so Habben Jansen.

Suezkanal-Havarie verschärft Krise der Schifffahrt

Problematisch sei, dass die Blockade die Branche zu einer Zeit treffe, in der sie wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie ohnehin mit erheblichen Verspätungen der Liniendienste kämpfe. Wegen Abfertigungsproblemen würden derzeit mehr als 20 Schiffe außerhalb des Hafens von Long Beach (Los Angeles) warten. Verzögerungen gebe es auch in Oakland, Vancouver, New York und Savannah. Vor allem die großen Häfen in Europa wie Rotterdam und Southampton bekämen dies zu spüren. Auch deutsche Häfen seien betroffen.

„Mehr als 40 Prozent der Schiffe zwischen Asien und Europa fahren derzeit verspätet und dies wird sich weiter verstärken. Die herrschende Knappheit an Leercontainern wird sich wie ein Dominoeffekt auch auf andere Linien ausweiten“, befürchtet UVHH-Präsident Bonz.

Hamburger Hafen bereitet sich auf Andrang vor

Der Hamburger Hafen bereite sich auf den Andrang von Schiffen vor. Er verfüge über neun Großschiffsliegeplätze. „Wir hoffen, dass wir keine Frachter auf dem Weg nach Hamburg in Warteposition parken müssen.“ Da Hamburg in der Regel erst am Ende der Rundreise durch Nordeuropa angelaufen werde, müssten sich die Häfen eng abstimmen. „Dies geschieht über unser Vessel Coordination Center, das die Anläufe in Hamburg steuert und genau weiß, wann Schiffe etwa in Rotterdam mit Kurs Richtung Elbe aufbrechen“, so Bonz.

Lesen Sie auch:

Den Zulauf an Ladung in den Hafen, per Bahn oder Lkw werde man aber nicht stoppen können“, sagte eine Sprecherin der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Die HHLA habe deshalb eine zehn Hektar große Fläche zur Zwischenlagerung von Exportcontainern angemietet. Damit es zu keinen Staus an den Terminalzufahrten und auf den Autobahnen komme, werde zudem die sogenannte 48-Stunden-Regel angewandt. Die besagt, dass die Lkw-Fahrer feste Zeitfenster bekommen und ihre Ladung frühestens 48 Stunden vor Ankunft des Schiffes anliefern dürfen.

Schiffe könnten den Hamburger Hafen auslassen

Dem Hafen droht aber noch eine andere Gefahr: Um zu ihren alten Fahrpläne zurückzukehren, könnte es passieren, dass Schiffe auf ihrer Rundreise Hamburg auslassen. Nach Informationen des Abendblatts hat aber bisher kein Schiff seinen Anlauf in Hamburg abgesagt. Habben Jansen vermutet, dass die meisten Dienste ein bis zwei Hafenanläufe auslassen werden. Welche Häfen das betrifft, sei noch nicht klar.

( mk )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft