Hamburg

Nach Greensill-Pleite: Wie sicher ist mein Erspartes?

| Lesedauer: 9 Minuten
Steffen Preißler
Die Pleite der Bremer Greensill Bank verunsicherte viele Sparer.

Die Pleite der Bremer Greensill Bank verunsicherte viele Sparer.

Foto: Sina Schuldt / picture alliance/dpa

Die Insolvenz der Bremer Bank verunsichert viele Kleinsparer. Zu Recht? Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Hamburg. Der Vorstand einer Hamburger Bank wollte kürzlich seinen Kunden ein neues Angebot unterbreiten. Wenn sie schon für ihr Erspartes Strafzinsen bezahlen müssen, so sollten sie zum Ausgleich auf Zinsangebote anderer Banken ausweichen können, die nur die Hausbank dann vermittelt hätte. So wie es die Hamburger Sparkasse bereits praktiziert.

„Über die Festgeld-Plattform unseres Hamburger Kooperationspartners Deposit Solutions (Zinspilot) können unsere Kunden von attraktiven Zinsen bei ausgewählten Banken profitieren“, sagt Frank Brockmann, stellvertretender Vorstandssprecher der Haspa. Doch die Pleite der Bremer Greensill Bank verschreckte den anderen Hamburger Bankvorstand. Jetzt will er mit dem neuen Angebot für Sparer erst einmal abwarten.

Vermittlungsportale vermittelten Kunden an Greensill Bank

Denn die beiden bekanntesten Vermittlungsportale Zinspilot und Weltsparen hatten ebenso wie Check24 Gelder der Sparer an das inzwischen insolvente Geldinstitut vermittelt. Da stellen sich Kleinsparern einige Fragen: Wie sicher sind klassische Sparanlagen noch? Können Verbraucher gefährdete Banken im Vorfeld erkennen? Wo gibt es noch relativ hohe Zinsen? Das Abendblatt beantwortet sie.

Wie sind Sparer bei einer Bankpleite geschützt?

Der Sparer ist vor Verlusten durch die Einlagensicherung geschützt, wenn er die Sicherungsgrenzen beachtet. Europaweit sind das 100.000 Euro inklusive Zinsen je Bank und Kunde. Einige Geldinstitute sind zusätzlich Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Die Sicherungsgrenze liegt dort aktuell bei 15 Prozent des haftenden Eigenkapitals eines Geldinstituts. Da das Mindesteigenkapital einer Bank in Deutschland bei fünf Millionen Euro liegt, sind mindestens 750.000 Euro geschützt, in der Praxis aber deutlich mehr.

Bei der Greensill Bank beträgt die Sicherungsgrenze knapp 75 Millionen Euro pro Anleger. Insgesamt geht es um drei Milliarden Euro, die bei Greensill zurückgezahlt werden müssen. Dabei entfallen eine Milliarde Euro auf die gesetzliche Einlagensicherung und zwei Milliarden Euro auf den Bankenentschädigungsfonds.

Wie schnell bekommt man im Insolvenzfall sein Geld zurück?

Bei der deutschen Einlagensicherung innerhalb von sieben Tagen. „Die ersten Kunden sollten inzwischen ihr Geld auf dem Konto haben“, sagt Thomas Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). Wie lange es dauere, hänge auch davon ab, wie schnell der angeschriebene Kunde eine Kontoverbindung für die Auszahlung zur Verfügung stellt. Allerdings beginnt die Frist von sieben Tagen erst am Tag nach der Feststellung des Entschädigungsfalles. Schon vorher wird in der Regel von der Finanzaufsicht BaFin ein Moratorium verhängt, das
maximal sechs Wochen dauern kann. Ab diesem Zeitpunkt sind keine Auszahlungen bei der gefährdeten Bank mehr möglich.

Es können also durchaus einige Wochen vergehen bis man nach der Schieflage einer Bank sein Geld zurückhat. „Bei einem Festgeld, das ohnehin nicht jederzeit verfügbar ist, mag das kaum eine Rolle spielen, bei einem liquiden Tagesgeld kann es aber schon ärgerlich sein, wenn die Summe zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt wird“, sagt Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg. Bei Banken im Ausland kann es länger dauern, denn erst bis zum Jahr 2024 muss die Sieben-Tage-Frist europaweit umgesetzt sein. Aktuell liegt die Frist bei 20 Tagen.

Wie häufig kommt es zu Bankpleiten?

In den vergangenen zehn Jahren sind rund 20 Institute in Deutschland pleitegegangen, darunter die WestLB und das Hamburger Bankhaus Wölbern & Co.

Kann man sich vor einer Bankpleite schützen?

„Der Kunde kann Probleme kaum im Vorfeld erkennen“, sagt Klug. Deshalb sei es immer wichtig auf die Höhe der Einlagensicherung zu achten und nicht mehr Geld als abgesichert ist, anzulegen. Anleger können aber im Vorfeld der Anlage nach kritischen Medienberichten über die Bank suchen.

Doch solche Berichte allein signalisieren noch keine mögliche Bankpleite. Auch die Stiftung Warentest hatte in ihrem März-Heft von „Finanztest“ die Greensill Bank noch empfohlen. „Voraussehen, ob das Geschäftsmodell einer Bank auf Dauer funktioniert, können wir nicht“, heißt es dazu bei „Finanztest“.

Wie arbeiten Vermittlerportale?

Die Vermittlerportale Weltsparen aus Berlin und Zinspilot aus Hamburg bieten Tages- und Festgeld von vielen, vorwiegend ausländischen Banken aus Europa an. Die Zinsen sind meistens deutlich höher als bei Filial- und Direktbanken in Deutschland. Der Kunde muss sich einmal registrieren und eröffnet dann ein Verrechnungskonto bei einer deutschen Bank, mit denen die Portale zusammenarbeiten.

Von dort wird dann das Geld an die jeweilige Bank überwiesen, bei der angelegt werden soll und nach Ablauf fließt es wieder auf das Verrechnungskonto zurück. Der Vorteil ist, dass sich der Kunde nicht für jedes neue Zinsangebot legitimieren muss.

Wie prüfen die Portale die Banken?

„Weltsparen arbeitet ausschließlich mit voll lizenzierten Finanzinstituten zusammen, die der Einlagensicherung unterliegen und sowohl der jeweiligen Bankenaufsicht des Landes, als auch weiteren Kontrollgremien unterliegen“, sagt Unternehmenssprecherin Nicole Breforth. Auch Zinspilot handelt nach diesen formalen Grundsätzen.

„Darüber hinaus führen wir eine Due Diligence durch. Sie umfasst die Überprüfung des Unternehmens, der Inhaber sowie der wirtschaftlich Berechtigten auf Rechtsstreitigkeiten und regulatorische Ermittlungen, Verstöße gegen Sanktionen und Interessenkonflikte“, sagt Attila Rosenbaum, Sprecher von Zinspilot. Bisher wurde bei dem Tochterunternehmen von Zinspilot Savedo einer estnischen Bank die Lizenz entzogen. Bei Weltsparen verlor eine österreichische Partnerbank die Lizenz. In beiden Fällen wurden die Anleger komplett entschädigt.

Hätten die Portale bei Greensill die Vermittlung nicht früher stoppen müssen?

„Als Plattform dürfen und können wir nicht in den Markt eingreifen und die Rolle der Aufsicht übernehmen“, sagt Breforth von Weltsparen. „Schließlich könnten dann die privaten Marktteilnehmer den Zugang zur Liquidität lenken und Marktsignale senden, die weder vom Gesetzgeber noch von der Aufsicht gewünscht sind.“

Wie finde ich gute, sichere Angebote?

Mithilfe des Vergleichsportals www.kritische-anleger.de haben wir verschiedene Zinsangebote herausgefiltert (siehe Grafik). Dort können Sparer die Banken nicht nur nach Laufzeit und Zinshöhe auflisten, sondern erfahren auch etwas über das genaue Rating der Bank, des jeweiligen Landes, in dem das Geldinstitut registriert ist, und über die Höhe der sogenannten Deckungsquote, soweit die Angaben verfügbar sind. Die Deckungsquote zeigt das Verhältnis der Einlagen der Bank im Vergleich zu dem Mittel der jeweiligen Einlagensicherung. Je höher die Prozentzahl, desto besser.

Lesen Sie auch:

Extrem hohe Prozentzahlen wie bei der italienischen FCA Bank (1803 Prozent) zeigen, dass das Geldinstitut sehr klein ist und geringe Einlagen hat. Im Umkehrschluss bedeutet das: Eine Pleite ist für die jeweilige Einlagensicherung kein Problem. Gleichzeitig darf die Deckungsquote nicht überbewertet werden, denn es ist vollkommen ausgeschlossen, dass die Einlagen einer jeden Bank eines Landes zu 100 oder auch nur zu zehn Prozent abgesichert werden. Das geplante Absicherungsniveau in der Europäischen Union liegt bei mindestens 0,8 Prozent der gedeckten Einlagen. Dieses Ziel muss erst 2024 erreicht sein. Italien hat erst 0,23 Prozent erreicht (Stand 2019). Polen liegt bei 1,13 Prozent und Deutschland bei 0,52 Prozent jeweils bezogen auf die gesetzliche Einlagensicherung.

Lohnt Tages- und Festgeld noch?

Die Höhe der Zinsen von bis zu 1,31 Prozent für ein dreijähriges Festgeld sind deutlich höher als bei deutschen Direkt- und Filialbanken, die zum Teil auch schon Negativzinsen verlangen (siehe Grafik). Wer nur der deutschen Einlagensicherung vertraut, muss sich in der aktuellen Niedrigzinsphase mit sehr geringen Renditen abfinden. So bieten die Deutsche Handelsbank und die Ford Money Bank für eine dreijährige Anlage 0,70 Prozent Zinsen.

Sparer können also abwägen, welches Risiko sie eingehen wollen. Das Beispiel Greensill zeigt aber, dass deutsche Anbieter nicht vor einer Pleite geschützt sind und ausländische Banken nicht schlechter sein müssen, nur weil sie hier unbekannt sind. Entscheidend ist, dass die Einlagensicherung funktioniert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft