Geldanlage

So können Hamburger für die Ausbildung der Enkel sparen

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Steffen Preißler
Niedrigzinsen haben das Sparen verändert (Symbolbild).

Niedrigzinsen haben das Sparen verändert (Symbolbild).

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Studium und Lehre kosten ihren Preis. Klassische Anlagemodelle werden wegen Negativzinsen kaum angeboten. Was lohnt sich noch?

Hamburg. Kinder freuen sich über Spielsachen mehr als über Geld. Zumindest solange sie klein sind. Wenn sie groß sind, die Schule abgeschlossen haben und eine Berufsausbildung oder ein Studium beginnen, ist es besser, für diese Lebensphase ein Finanzpolster zu haben. Eltern und Großeltern beginnen oft schon bald nach der Geburt, für die Ausbildung zu sparen. Das Abendblatt zeigt drei mögliche Wege dafür auf und nennt ihre Vorteile und Risiken.

Die Ausgangslage
Unverheiratete Studenten mit eigenem Haushalt brauchen im Monat durchschnittlich 918 Euro, also insgesamt rund 55.000 Euro bei zehn Semestern, so das Deutsche Studentenwerk. Einkalkuliert sind dabei ein auswärtiger Wohnort, die Semestergebühren, Heimfahrten zu den Eltern und die gesamte Lebensführung. Bei der Krankenversicherung wurde für die Beispielrechnung unterstellt, dass sie zunächst über die Eltern erfolgt.

Duale Berufsausbildung: Finanzpolster von 20.000 Euro

Für eine zumeist dreijährige duale Berufsausbildung in Betrieb und Berufsschule sollte ein Finanzpolster von 20.000 Euro vorhanden sein – obwohl es eine Ausbildungsvergütung gibt. Im ersten Jahr liegt die laut DGB im Schnitt bei 784 Euro, im dritten Lehrjahr bei 929 Euro. Aber: Ein Ausbildungsort fern des Elternhauses oder ein Auto für das Pendeln zwischen Berufsschule und Ausbildungsplatz kann zu zusätzlichen Ausgaben führen.

Wenn Eltern und Großeltern gleich nach der Geburt beginnen, Geld für die Ausbildung zurückzulegen, hat die in den 18 Jahren bis zum Ausbildungsbeginn angesparte Summe schon deutlich an Kaufkraft verloren. In den Beispielrechnungen ist eine jährliche Inflationsrate von 1,5 Prozent berücksichtigt, das ist der Durchschnittswert der Jahre seit 2005. Wenn auch der Kaufkraftverlust ausgeglichen werden soll, müssen für Studierende rund 72.000 Euro und für Azubis 26.000 Euro angespart werden.

Banksparpläne kaum noch vorhanden

Der Banksparplan
Solange die Geldinstitute noch nennenswerte Zinsen zahlten, war der Banksparplan der Klassiker, weil er Sicherheit und Kalkulierbarkeit garantiert. Doch viele Banken und Sparkassen bieten im Zeitalter der Negativzinsen diese Pläne gar nicht mehr an. Angebote gibt es aber noch bei DenizBank, Degussa Bank, Has­pa und Volkswagen Bank. Zumeist sind Anlagezeiträume bis zu zehn Jahren möglich, bei der Haspa auch bis zu 25 Jahren. Die Verzinsung liegt selten bei mehr als einem Prozent, meist deutlich darunter.

Deshalb wurde für die Beispielrechnung ein Zinssatz von 0,50 Prozent angenommen. „In Zeiten sehr niedriger Zinsen ist es ohnehin nicht sinnvoll, sich sehr langfristig zu binden“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Zudem sollte auf die Flexibilität der Geldanlage geachtet werden, denn es könne viele Gründe geben, warum ein solcher Sparplan nicht durchzuhalten sei. Gemessen am monatlichen Geldaufwand lässt sich realistischerweise mit einem solchen Banksparplan höchstens für Azubis sparen.

Volkswagen Bank bietet noch akzeptable Banksparpläne

Um genügend Geld für ein Studium anzusparen, sind die notwendigen Einzahlungen viel zu hoch. Der monatliche Aufwand für den Azubi liegt zwischen 90 und 116 Euro (mit Inflationsausgleich). Die Volkswagen Bank macht mit einer Rendite von knapp einem Prozent über zehn Jahre noch ein akzeptables Angebot bei Banksparplänen. Steigen die Zinsen, kann man nach zwei Jahren kündigen.

Vorteile: Sicherheit und Berechenbarkeit, unverzichtbar für Sparziele, die innerhalb von drei bis fünf Jahren erreicht werden sollen.

Nachteile: geringe Verzinsung, Inflation wird nicht ausgeglichen, vorzeitige Kündigung nicht bei allen Anbietern gewährleistet.

Ausbildungsversicherung leidet unter niedrigen Zinsen

Die Ausbildungsversicherung
Auch sie ist ein Klassiker, der unter den extrem niedrigen Zinsen leidet. In der Regel handelt es sich um eine kapital­bildende Lebens- oder Rentenversicherung, die kostenintensiv und unflexibel ist. „Bei diesen Produkten handelt es sich im Kern um mehrere Leistungen: um einen Schutz gegen die finanziellen Folgen durch den Tod der Eltern oder Großeltern und um eine Geldanlage für das Kind“, sagt Verbraucherschützerin Becker-Eiselen.

„Wir raten davon ab, verschiedene Leistungen derartig miteinander zu kombinieren.“ Ausbildungsversicherungen sind umso teurer, je älter derjenige ist, der sie abschließt. Gerade Großeltern tun sich und dem Kind mit einer Versicherung keinen Gefallen. „Eltern, die ihr Kind absichern wollen, falls ihnen etwas passiert, trennen besser Risikoschutz und Geldanlage und schließen für den Todesfall eine Risikolebensversicherung ab“, rät die Verbraucherschützerin.

Todesfallsumme sollte sich an Sicherheitsbedürfnis orientieren

Die Todesfallsumme sollte sich nicht an den Ausbildungskosten orientieren, sondern am Sicherheitsbedürfnis der Eltern. Zwar sind bei der Versicherungslösung die Sparaufwendungen etwas geringer als beim Banksparplan. Aber das gilt nur, wenn man sich auf die prognostizierte Ablaufleistung verlässt. Doch ob diese wirklich erreicht wird, ist nicht sicher. Die garantierten Leistungen liegen mit 47.476 Euro und 17.190 Euro unter den avisierten Sparzielen. Wer verzinst ansparen möchte, sollte lieber auf Banksparpläne setzen.

Vorteile: garantierte Verzinsung, bequeme Anlage

Nachteile: hohe Kosten und unflexibel, vorzeitige Kündigung kann zu Verlusten führen

Depot Grundlage für Aktiensparplan

Der Aktiensparplan
Für diese Sparform muss ein Depot bei einer Bank eröffnet werden. Depots für Minderjährige sind in der Regel kostenfrei. Um möglichst breit zu investieren, eignet sich ein börsengehandelter Indexfonds, ein sogenannter Exchange Traded Funds (ETF), der einen sehr breiten Aktienindex abbildet. „Infrage kommen ETFs auf den MSCI World Index, der rund 1600 Aktien aus Industrienationen bündelt, oder der MSCI All Countries World Index, der Aktien von rund 3000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern umfasst“, sagt der Anlageexperte Michael Gott von der Hamburger Sutor Bank.

Das Institut rechnet mit einer durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent. Sie stützt sich dabei auf Statistiken des Fondsverbandes BVI. Demnach erzielte die Fondsgruppe „Aktienfonds global“ bei regelmäßigen Einzahlungen über 20 Jahre hinweg in der Vergangenheit eine Wertentwicklung von durchschnittlich 5,4 Prozent pro Jahr. In den Beispielrechnungen (siehe Grafik) werden fünf Prozent Rendite angenommen. Zudem sind Kosten in Höhe von 1,5 Prozent der jeweiligen Sparrate berücksichtigt, obwohl immer mehr ETF-Sparpläne inzwischen kostenfrei angeboten werden.

Risiko bei Aktiensparplan höher

Je nach Sparziel betragen die Aufwendungen für die finanzielle Absicherung von Auszubildenden 60 oder 77 Euro (mit Inflationsausgleich). Für Studierende müssen monatlich 162 Euro oder 210 Euro angespart werden. Verglichen mit dem Banksparplan liegen die monatlichen Sparraten um bis zu 35 Prozent niedriger. Bernd Schimmer, Wertpapierstratege der Haspa, ist überzeugt dass noch auf Jahre hinaus die Inflationsrate höher sein wird als die von den Banken gezahlten Zinsen auf Barguthaben. „In dieser Phase werden Aktien eher eine reale Rendite bringen.“

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Allerdings ist auch das Risiko höher. Denn eine Garantie, dass der angestrebte Betrag zum 18. Geburtstag zur Verfügung steht, gibt es nicht. Sind die Börsenkurse dann gerade im Keller, ist die Anlage weniger wert. Andererseits wird nicht gleich zu Beginn von Studium oder Ausbildung die gesamte angesparte Summe benötigt.

Nachteil bei Aktiensparplänen: Kursschwankungen

Über die ETF-Anteile lässt sich auch in Raten verfügen, etwa durch eine monatliche Entnahme. Doch wenn die Kapitaleinkünfte des Kindes höher als 470 Euro im Monat sind, ist die Krankenversicherung über die Eltern passé. Soll also das gesamte Studium vom Erspartem finanziert werden, sollten zumindest Teile des Geldes vorher so angelegt werden, dass sie keine Kapitalerträge mehr bringen. In zinslosen Zeiten sollte das nicht so schwer sein.

Vorteile: hohe Rendite möglich, geringer Kapitaleinsatz, hohe Flexibilität

Nachteile: Kursschwankungen können zu Verlusten führen, Anlage muss regelmäßig kontrolliert werden

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