Hamburger Sparkasse

Haspa will Strafzinsen für Privatkunden ausweiten

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Volker Mester und Oliver Schade
Haspa-Chef Harald Vogelsang geht noch länger von mageren Jahren beim Gewinn der Sparkasse aus.

Haspa-Chef Harald Vogelsang geht noch länger von mageren Jahren beim Gewinn der Sparkasse aus.

Foto: Marcelo Hernandez

Der Geldbetrag, für den das Verwahrentgelt gilt, dürfte schon bald deutlich sinken. Gewinn der Sparkasse um 78 Prozent eingebrochen.

Hamburg.  Wer sich die Bilanzen vieler Banken und Sparkassen aktuell anschaut, nimmt fast immer die gleiche Entwicklung wahr: Der Gewinn sinkt. Das Niedrigzinsumfeld, der Kostendruck und die Folgen der Pandemie setzen gerade den etablierten Geldinstituten bundesweit erheblich zu.

Die Hamburger Sparkasse macht hier keine Ausnahme und weist für das Corona-Jahr 2020 einen Überschuss von gerade einmal neun Millionen Euro aus. Im Vorjahr waren es noch 42 Millionen Euro – damit muss die Haspa einen Rückgang von gut 78 Prozent verkraften. Angesichts des „außerordentlich belastenden Umfelds“ sei das Ergebnis „akzeptabel“, sagt Vorstandssprecher Harald Vogelsang.

Zinsüberschuss der Haspa sinkt deutlich

Für die Abnahme des Zinsüberschusses als wichtigste Ertragsquelle um 57 Millionen auf 567 Millionen Euro macht er die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich. Sie schade auch den Kunden: „Die EZB greift den Sparern in die Tasche.“ Gleichzeitig nehme der Kostendruck bei der Haspa zu. Denn weil immer mehr andere Geldinstitute die Freibeträge, oberhalb derer die Sparer Negativzinsen zahlen müssen, weiter absenken, brächten viele Kunden dieser Wettbewerber ihr Geld vermehrt zur Haspa.

„Man läuft uns regelrecht um“, sagt Vogelsang im Gespräch mit dem Abendblatt. Allein 2020 seien der Haspa netto Giroeinlagen in Höhe von rund 2,8 Milliarden Euro zugeflossen. Das koste die Sparkasse einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr, weil sie ihrerseits Negativzinsen an die EZB zahlen muss.

„Wir denken darüber nach, wie wir damit weiter umgehen“, so Vogelsang. Noch im ersten Halbjahr werde eine Entscheidung fallen, „weil wir das auf Dauer nicht aushalten können“. Damit dürfte auch bei der Haspa der Freibetrag, ab dem Privatkunden einen Negativzins von 0,5 Prozent hinnehmen müssen, abgesenkt werden. Aktuell sind es noch 500.000 Euro. „Manche Wettbewerber sind schon bei 25.000 Euro, viele bei 50.000 Euro“, so Vogelsang.

Aktienkäufe der Haspa-Kunden legen zu

Wie Haspa-Kunden dem Abendblatt berichten, drängen einzelne Berater sie schon jetzt, Tagesgeld-Guthaben oberhalb von 50.000 Euro anders anzulegen. Bisher gebe es keinen Beschluss über einen niedrigeren Freibetrag, sagt der Haspa-Chef dazu. „Wir versuchen aber schon seit längerer Zeit, unsere Kunden zu überzeugen, dass es besser für sie ist, das Geld in Form von Wertpapieren anzulegen, vor allem am Aktienmarkt. Wichtig ist ein behutsamer Einstieg, monatlich und breit gestreut.“

2020 hätten die Aktienkäufe der Kunden immerhin um 33 Prozent zugelegt. Zwar stellen Onlinebroker wie etwa Trade Republic und justTrade, über die man Aktien sehr günstig oder sogar gratis handeln kann, in diesem Geschäft zunehmend eine Konkurrenz zu etablierten Banken und Sparkassen dar. „Im Moment sehen wir diese Wettbewerber aber eher positiv, weil sie junge Menschen an den Aktienmarkt heranführen“, sagt Vogelsang.

Er warnt jedoch auch vor Fehlentwicklungen: „Wir müssen darauf achten, dass sich hier nicht das Gegenteil einer wünschenswerten Aktienkultur etabliert.“ So hätten viele junge Anleger „bis ganz zum Schluss noch geglaubt, mit Wirecard-Aktien reich werden zu können.“ Sinnvoller sei es, breit zu streuen oder auf ganze Märkte wie zum Beispiel den DAX oder auf Themen wie Technologie und Nachhaltigkeit zu setzen.

Der Kreditbestand ist gewachsen – trotz Pandemie

Trotz der Pandemie gelang es der Haspa, den Kreditbestand um rund 1,4 Milliarden auf 35,8 Milliarden Euro auszuweiten. Dabei habe man „gegen den Trend“ fast 300 Start-ups mit zusammen etwa 42 Millionen Euro finanziert. Allerdings seien auch die Aufwendungen für Kreditausfälle – einschließlich der Vorsorge für drohende Ausfälle – von zuvor vier Millionen auf 49 Millionen Euro gestiegen.

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„In diesem Jahr wird das voraussichtlich noch deutlich mehr werden“, sagt Vogelsang. Den Höhepunkt der Kreditausfälle erwartet er erst 2022. Das habe auch mit den Bundestagswahlen in diesem Herbst zu tun: „Die Politik wird sich bemühen, die Wirtschaft zu unterstützen, um eine starke Zunahme von Firmeninsolvenzen vor der Wahl zu vermeiden.“ Das Kreditportfolio der Haspa bestehe jedoch zum größten Teil aus Finanzierungen für Wohnimmobilien. Das sei „beruhigend“, denn dieser Markt zeige sich „erfreulich stabil“.

Rund 200 Haspa-Mitarbeiter weniger in diesem Jahr

Alles in allem erwartet der Haspa-Chef im Hinblick auf den Gewinn der Sparkasse „noch eine Reihe magerer Jahre“. Für 2021 sei mit einem Ergebnis etwa auf dem Niveau des abgelaufenen Jahres zu rechnen: „Wenn wir Glück haben, kann es etwas mehr sein.“ Man investiere bis 2023 trotz der Gewinnflaute viel Geld, um danach „viel digitaler und ertragreicher“ aufgestellt zu sein als bislang.

Schon im vorigen Jahr sei der Verwaltungsaufwand um etwa 100 Millionen Euro gesunken. Dazu trug auch bei, dass der Personalabbau aus dem erstmals Ende 2018 angekündigten Effizienzprogramm begonnen hat. In diesem Jahr werde die Mitarbeiterzahl voraussichtlich um rund 200 auf etwa 4500 Personen abnehmen, heißt es, 2024 plane man mit nur noch 4100 Beschäftigten – 900 weniger als zum Start des Abbauprogramms.

100 Filialen will die Haspa längerfristig noch betreiben

Bis 2024 soll zudem die Zahl der Filialen von aktuell 119 auf nur noch 100 sinken, wobei diese seien dann nach der Umgestaltung zu einem „Nachbarschaftstreff“ für mindestens zehn Jahre in ihrem Bestand gesichert seien.

Vogelsang weist darauf hin, dass die Haspa im längerfristigen Vergleich – 2008 hatte sie noch 180 Geschäftsstellen – einen deutlich geringeren Anteil ihrer Filialen in Hamburg abgebaut habe als Konkurrenten wie die Commerzbank, die Deutsche Bank oder die Hamburger Volksbank: „Wir können uns das leisten und wir brauchen sie auch, denn wir haben rechnerisch rund 12.000 Kunden pro Filiale, bei den Wettbewerbern sind es zum Teil nur etwa halb so viele“.

Haspa-Filialen sollen Treffpunkt des Quartiers sein

Insgesamt 30 Millionen Euro investiert die Haspa in den Umbau der Zweigstellen auf das so genannte Nachbarschaftskonzept. Bisher sind 83 Filialen entsprechend umgestaltet worden, 17 folgen noch. Nach den Vorstellungen des Sparkassen-Vorstands sollen sie ein Treffpunkt für die Menschen des jeweiligen Quartiers sein, unter anderem indem man Veranstaltungen wie Lesungen oder Weinverkostungen – derzeit nur virtuell – organisiere.

Das geschehe keineswegs uneigennützig, so Haspa-Chef Vogelsang: „Uns hilft es, wenn das Stadtviertel, in dem die Haspa-Filiale liegt, lebendig bleibt.“ Es gehe aber auch darum, im Hinblick auf potenzielle Geschäftsbeziehungen ein Vertrauensverhältnis zu den Menschen im Umfeld aufzubauen: „Wir wollen keine austauschbare Marke werden.“

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