Corona

Biontech lässt Impfstoff bald vor Hamburgs Toren produzieren

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René Soukup und Martin Kopp
Die Firma Allergopharma in Reinbek bei Hamburg soll bald den Corona-Impfstoff von Biontech produzieren.

Die Firma Allergopharma in Reinbek bei Hamburg soll bald den Corona-Impfstoff von Biontech produzieren.

Foto: Michael Rauhe / Funke Foto Services

Die Reinbeker Firma Allergopharma bereitet sich auf die Herstellung des Präparats von Biontech-Pfizer vor. Dabei entstehen neue Jobs.

Hamburg/Reinbek. Bis zum Sommer will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) allen Bürgern eine Impfung gegen das Coronavirus anbieten können. Das ist nur möglich, wenn die Impfstoff-Produktion deutlich ausgeweitet wird. Dieses geschieht unter anderem vor den Toren Hamburgs, in Reinbek im Kreis Stormarn. Die Reinbeker Firma Allergopharma wird demnächst den Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer herstellen.

Der Arzneimittelproduzent aus dem Kreis Stormarn ist eine Tochter der bayerischen Dermapharm Holding, die mit Biontech eine Kooperations- und Liefervereinbarung eingegangen ist. Wann die Produktion beginnt, steht noch nicht fest. Die Vorbereitungen laufen allerdings auf Hochtouren.

„Es wird noch einige Wochen dauern“, sagte Dermapharm-Sprecherin Britta Hamberger dem Abendblatt. Bei Allergopharma würden aber bereits die Mitarbeiter für den neuen Auftrag geschult.

Reinbek soll mehr Corona-Impfstoff produzieren als Brehna

Wie viele Impfdosen in dem Reinbeker Werk produziert werden, wollte Hamberger nicht sagen. „Es gibt dazu eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit Biontech, die wir unterschrieben haben.“ Sie fügte allerdings hinzu: „Wir bauen in Reinbek Kapazitäten auf, die höher als in Brehna sind.“ An dem Standort nahe Leipzig produziert das Unternehmen den Impfstoff bereits seit Oktober. Dort hat Dermapharm auch eine große Vertriebshalle errichtet.

Das Unternehmen mit Sitz in Grünwald bei München stellt patentfreie Markenarzneimitteln her und verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 900 Zulassungen für rund 250 Wirkstoffe, die als Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel oder als sogenannte Ergänzende bilanzierte Diäten vertrieben werden.

Wie tödlich ist das Coronavirus tatsächlich?

Das Tochterunternehmen Allergopharma bei Hamburg ist ein Anbieter von Immuntherapien gegen Heuschnupfen und allergisches Asthma. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte derzeit in Europa, China und Südkorea. Es gehört noch nicht lange zu Dermapharm. Eigentümer des 1969 gegründeten Unternehmens war bis vor einem Jahr der Pharmakonzern Merck.

Merck verkaufte Allergopharma an Dermapharm

Dieser hat 2017 in das im Reinbeker Gewerbegebiet liegende Produktionsgelände massiv investiert und ein 42 Millionen Euro teures Produktionsgebäude gebaut, um von dort aus die Expansion in die USA voranzutreiben. Eine Million Präparate produzierte Allergopharma seinerzeit pro Jahr. Der 6000-Quadratmeter-Neubau war so ausgelegt, dass dort die zehnfache Menge ausgeliefert werden kann. Merck wollte das globale Wachstum stärken.

Doch aus dem Vorhaben wurde nichts. Grund war ein Streit über den Standort. Allergopharma wollte Reinbek einen öffentlichen Weg abkaufen, der das Betriebsgelände zerschneidet. Nur durch die Verbindung der Produktionsanlagen sei gesichert, eine Lizenz der zuständigen Fachbehörde in den Vereinigten Staaten zu erhalten, argumentierte die Geschäftsführung damals.

Allergopharma rekrutiert Personal

Dagegen machte eine Bürgerinitiative mobil. Als Ende 2018 das Bauleitverfahren endlich in Gang kam, schien das Unternehmen kurz vor dem Ziel. Ein halbes Jahr später machte Merck allerdings selbst einen Rückzieher. Im Frühjahr 2020 verkaufte der Konzern Allergopharma an Dermapharm.

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Wenige Monate später – bevor Reinbek als Produktionsstandort für den Impfstoff im Gespräch war – hatte es Berichte über einen Stellenabbau bei Allergopharma gegeben: Mehr als drei Dutzend Beschäftigte unterschrieben einen Aufhebungsvertrag. „Jetzt rekrutieren wir neues Personal“, sagte die Dermapharm-Sprecherin. Ein Neustart – wegen Corona.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 52 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 77.016), 51 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 29), 1581 Todesfälle (+1). Sieben-Tage-Wert: 14,6 (Stand: Mittwoch).
  • Schleswig-Holstein: 23 neue Corona-Fälle (63.664), 40 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 23), Sieben-Tage-Wert: 7,0. 1618 Todesfälle (+1) (Stand: Dienstag).
  • Niedersachsen: 11 neue Corona-Fälle (260.246), 58 intensivmedizinisch behandelte Covid-19-Patienten in Krankenhäusern, 5706 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 8,5 (Stand: Dienstag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 12 neue Corona-Fälle (44.086), 35 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 16), 1147 Todesfälle (+1), Sieben-Tage-Wert: 4,3 (Stand: Dienstag).
  • Bremen: 10 neue Corona-Fälle (27.353), 18 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 7), 479 Todesfälle (+1). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 11,3; Bremerhaven: 11,4 (Stand: Dienstag; Bremen gibt den Inzidenzwert getrennt nach beiden Städten an).