Ex-Warburg-Chef

Wirbel um die Hamburger Joachim Herz Stiftung

Das Archivfoto zeigt Christian Olearius (r.), den früheren Chef des Hamburger Bankhauses M.M. Warburg, und den Ex-Chef der Reederei Hapag-Lloyd, Michael Behrendt. Olearius ist Vorsitzender des Kuratoriums der Joachim Herz Stiftung, Behrendt hat das Gremium am Donnerstag überraschend verlassen.

Das Archivfoto zeigt Christian Olearius (r.), den früheren Chef des Hamburger Bankhauses M.M. Warburg, und den Ex-Chef der Reederei Hapag-Lloyd, Michael Behrendt. Olearius ist Vorsitzender des Kuratoriums der Joachim Herz Stiftung, Behrendt hat das Gremium am Donnerstag überraschend verlassen.

Foto: Juergen Joost

Zahlte sie zu viel für Firmenbeteiligung? Vorgang wird noch einmal überprüft – ebenso die Rolle von Christian Olearius beim Geschäft.

Hamburg.  Den Großteil ihres Vermögens von 1,3 Milliarden Euro hat die Hamburger Joachim Herz Stiftung in Aktien des Kosmetikkonzerns Beiersdorf angelegt, aber die gemeinnützige Institution ist seit Jahren unter anderem auch am Güterwaggonvermieter VTG und am Immobilienfondshaus IntReal beteiligt. Doch nun sieht sich der Vorstand der Stiftung nach eigenen Angaben veranlasst, die Umstände des Erwerbs dieser beiden Hamburger Firmenbeteiligungen „noch einmal sorgfältig zu überprüfen“.

Den Anstoß dazu gibt ein Bericht in der „Zeit“, in dem es um die Rolle von Christian Olearius bei diesen Transaktionen geht. Der frühere Chef des Bankhauses M.M.Warburg & CO ist seit 2013 Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung. Dieses Gremium hat laut Satzung die Aufgabe, den Vorstand zu beraten und zu kontrollieren. Olearius soll dem Bericht zufolge aber im Jahr 2018, zum Zeitpunkt des Zukaufs der Beteiligung an der IntReal, auch mittelbar Anteilseigner des Fondshauses gewesen sein. Noch heute gehört IntReal mehrheitlich zum Warburg-Verbund.

Vorstand der Stiftung in Hamburg will Aufsichtsbehörde einschalten

Wie es in dem Bericht heißt, habe ein anderer Investor damals 95 Millionen Euro für IntReal geboten. Olearius habe jedoch darauf hingewirkt, dieses Angebot nicht anzunehmen, und lieber 49 Prozent der Anteile für angeblich knapp 90 Millionen Euro an die Joachim Herz Stiftung zu verkaufen – die somit einen viel höheren Preis als der andere Interessent gezahlt hätte. Auch als die Stiftung 2016 bei VTG einstieg, war Olearius auf beiden Seiten in den Gremien vertreten: Er gehörte bis zum Jahr 2018 dem Aufsichtsrat des Logistikunternehmens an.

Wie die Joachim Herz Stiftung mitteilt, wurden die Käufe der Anteile an VTG und IntReal „nach gegenwärtigem Kenntnisstand“ des Vorstands „ordnungsgemäß eingeleitet und abgewickelt“. Sämtliche Erwerbe seien „zu marktüblichen Konditionen“ getätigt worden.

Michael Behrendt verlässt Kuratorium „mit sofortiger Wirkung“

Beim Kauf der IntReal-Beteiligung habe sich der Kuratoriumsvorsitzende nicht an den Verhandlungen beteiligt und sich außerdem der Stimme enthalten. Dessen ungeachtet will der Stiftungsvorstand den im Bericht aufgeworfenen Fragen nachgehen und die Stiftungsaufsicht einschalten.

Auf den Rat des bisherigen Kuratoriumsmitglieds Michael Behrendt, früherer Chef der Reederei Hapag-Lloyd, muss der Stiftungsvorstand nun verzichten: Laut Mitteilung der Stiftung vom Donnerstagabend verlässt Behrendt das Kuratorium „mit sofortiger Wirkung“, offiziell aus persönlichen Gründen.

Auf Abendblatt-Anfrage sagte ein Anwalt von Olearius, dieser wolle sich zu dem Bericht nicht äußern.