Corona

Brille wegen Maske beschlagen? Lösung kommt aus Hamburg

Lesedauer: 5 Minuten
Corona-Maske und Brille: Im Herbst und Winter beschlagen Brillengläser häufig. Die Alltagsmaske verstärkt die beschränkte Sicht. Jetzt soll das Antibeschlagtuch Foogy helfen.

Corona-Maske und Brille: Im Herbst und Winter beschlagen Brillengläser häufig. Die Alltagsmaske verstärkt die beschränkte Sicht. Jetzt soll das Antibeschlagtuch Foogy helfen.

Foto: dpa

Start-up hat schon fast zwei Millionen Antibeschlagtücher Foogy verkauft. Das ist der Trick für die klare Sicht mit Maske und Brille.

Hamburg.  Als Nils Fleischhauer und sein Geschäftspartner Sean Uhm sich vor gut drei Jahren entschlossen, das Antibeschlag- und Reinigungstuch Foogy ins Sortiment ihres Tech-Start-ups zu nehmen, war das eher als Serviceangebot gedacht. Eigentlich verkauft Smart Light Solutions komplexe IT-Sicherheitslösungen, mit denen sich große Unternehmer vor unrechtmäßigen Nutzern schützen. „Aber wir dachten, das ist ein gutes zusätzliches Produkt“, sagt Fleischhauer. Der Hamburger trägt selbst Brille und weiß, wie unangenehm es ist, wenn die Gläser bei Temperaturschwankungen beschlagen. Auch Kameralinsen und Taucherbrillen lassen sich damit reinigen. „Das Tuch ist so mitgelaufen“, sagt der 46-Jährige. Bis vor einigen Wochen.

Foogy ist Verkaufsschlager

Seit in Corona-Zeiten das Tragen von sogenannten Alltagsmasken immer mehr zur Normalität wird, suchen Brillenträger nach einer Lösung gegen die vernebelte Sicht. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten sind beschlagene Brillengläser für viele ein Dauerproblem. „Foogy hat sich zum Verkaufsschlager entwickelt“, sagt Nils Fleischhauer, und es klingt ein bisschen so, als ob er das noch nicht so richtig glauben kann. Mehr als 500.000 Tücher verkauft Smart Light Solutions inzwischen im Monat. Insgesamt waren es in den vergangenen Wochen fast zwei Millionen Stück. Tendenz steigend. „Wir tun im Moment nichts anderes, als uns darum zu kümmern, die Bestellungen abzuwickeln“, sagt Geschäftsführer Fleischhauer. Das kleine Unternehmen liefert die Tücher vor allem an Optiker, aber auch Drogerie­ketten und einzelne Supermärkte haben schon geordert. Dazu kommen Kunden im europäischen Ausland etwa in Spanien und Italien. Inzwischen ist die Nachfrage so groß, dass es erhebliche Nachschubprobleme gibt.

Formel von Foogy ist Geschäftsgeheimnis

Das Problem betrifft Millionen Menschen. Schon seit Monaten werden Tipps und Hausmittel gegen beschlagene Brillengläser gehandelt. Danach sollen Spülmittel, Seife oder auch Spucke verhindern, dass die Luftfeuchtigkeit auf den Brillengläsern zu feinen Wassertropfen kondensiert. Auf dem Markt ist auch eine spezielle Beschichtung für Brillengläser, die allerdings mit 90 Euro zu Buche schlägt und immer wieder aufgefrischt werden muss, sowie ein großes Angebot an unterschiedlichen Tüchern und Sprays. Foogy hat einen anderen Ansatz. Im Prinzip ist es ein Mikrofasertuch „auf Basis einer superhydrophilen Nanotechnologie“, so die Herstelleraussage. Unter anderem sind geringe Mengen von Glyzerin und Ethanol enthalten, heißt es auf Anfrage des Abendblatts. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Eine unabhängige Beurteilung von Verbraucherschützern liegt noch nicht vor.

Benutzen lässt es sich wie ein normales Brillenputztuch. Wichtig ist, dass die Gläser sauber und vor allem trocken sind. Bei der Anwendung, am besten mit etwas Druck, bildet sich ein feiner Film, der – ohne Schäden für die Gläser – etwa zehn Stunden für freie Sicht sorgen soll. Ein Test ergab, dass das funktioniert. Voraussetzung ist, dass der Film sehr gleichmäßig bis in alle Ecken reicht. Jedes Tuch, so das Versprechen, lässt sich 200-mal nutzen. Die Preisempfehlung liegt bei 9,99 Euro.

Antibeschlagtücher in Südkorea produziert

Produziert werden die Antibeschlagtücher in Südkorea von einem Partnerunternehmen. Smart Light Solutions hat den Generalvertrieb übernommen. Auch der Name und das schmale Papp-Etui als Verpackung wurden von dem Unternehmen entwickelt. In Hamburg gibt es Foogy unter anderem bei großen Brillenhändlern wie Bode und Fielmann sowie bei einigen inhabergeführten Augenoptiker. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt eine Bode-Sprecherin. In der vergangenen Woche war das Spezialtuch etwa in der Filiale in Ottensen ausverkauft. Eine Nachlieferung war ebenfalls innerhalb weniger Stunden weg. Kein Einzelfall. Bode habe eine Großbestellung für die insgesamt 70 Filialen gemacht, die in diesen Tagen erwartet werde, so die Unternehmenssprecherin.

Fielmann bietet Foogy auch online an

Auch bei Fielmann verkauft sich Foogy gut. Zu Verkaufszahlen will sich der Marktführer nicht äußern. Eine Nachbestellung für die mehr als 600 deutschen Niederlassungen läuft. Eine erste Teillieferung ist diese Woche erfolgt. Auch online bietet der Brillenhändler Foogy an. „Das Produkt überzeugt. Es ist einfach zu handhaben, und es wirkt“, sagt Fielmann-Sprecher Tobias Plöger. Beim Onlinehändler Amazon sind die Bewertungen ebenfalls fast durch die Bank positiv. Zahlreiche Kunden, darunter etwa ein Paketfahrer, schwärmen geradezu von dem Antibeschlagtuch. Allerdings liegen auch bei Amazon die Lieferzeiten inzwischen bei bis zu drei Wochen.

Produktion soll verdoppelt werden

Bei Smart Light Solutions in Hamburg melden sich jeden Tag weitere Händler aus ganz Deutschland, die die Antibeschlagtücher ins Sortiment nehmen wollen. „Wir haben inzwischen zwei zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Und das ist immer noch zu wenig“, sagt Geschäftsführer Nils Fleischhauer. Das Geschäft soll weiter ausgebaut werden. Gerade ist Mitgründer Sean Uhm in Südkorea, um mit dem Foogy-Hersteller zu verhandeln. „Wir wollen die Produktionskapazitäten verdoppeln“, sagt Nils Fleischhauer.