Hamburg

Max-Bahr-Dynastie – Enkel baut Geschäft mit Uhren aus

Julian Ferdinand Möhrle (l.) und Lennart David Schulz vom Uhren-Start-up Ferdinand & David

Julian Ferdinand Möhrle (l.) und Lennart David Schulz vom Uhren-Start-up Ferdinand & David

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Jungunternehmer plant Expansion. Was die Gründung des Uhren-Start-up Ferdinand & David mit der Baumarktkette zu tun hat.

Hamburg.  Seine erste Armbanduhr hatte das Ziffernblatt einer Bahnhofsuhr. Daran erinnert sich Julius Möhrle genau und daran, dass er ziemlich stolz darauf war. Bei seinem Geschäftspartner Lennart Schulz war es ein Modell der Marke Citizen, die er zur Konfirmation bekommen hatte. Dass Uhren im Leben von Möhrle und Schulz mal eine entscheidende Rolle spielen würden, war damals noch nicht absehbar. Heute tragen beide ein Modell ihrer eigenen Uhrenmarke am Handgelenk. Ferdinand & David heißt das Start-up – nach den Zweitnamen der Gründer.

Seit zwei Jahren sind sie mit ihrer Travelmaster auf dem Markt. Jetzt haben die Jungunternehmer der Männeruhr ein Facelift verordnet und planen die Expansion. Die neue Kollektion ist ab Anfang November erhältlich. „Obwohl die Modelle noch kein Kunde gesehen hat, gibt es schon eine Warteliste und Vorbestellungen“, sagt Möhrle. Für einen Newcomer in einem hart umkämpften Markt eher ungewöhnlich.

Großvater Peter Möhrle war Inhaber von Max Bahr

„Wir bieten ein Paket von Funktionen und Qualitätsstandards an, die in der Preisliga nicht oft vorkommen“, sagt Möhrle. Der Aufbau von Unternehmen hat in der Familie Möhrle Tradition. Julius Möhrles im März 2020 verstorbener Großvater Peter Möhrle war lange Zeit Inhaber von Max Bahr und hatte das Unternehmen in wenigen Jahrzehnten zu einer der größten Baumarkt-Ketten Deutschlands gemacht. „Das beeinflusst die Berufswahl. Man wird zum Unternehmertum ermutigt“, sagt der Junior.

Allerdings setzt er auf ein komplett anderes Geschäftsfeld – und vor allem auf unternehmerische Unabhängigkeit. Statt die Familie um Starthilfe zu bitten, haben die Ferdinand-&-David-Gründer das Geld für die Finanzierung der ersten Produktion über eine Kampagne bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eingesammelt. 17.000 Euro kamen so zusammen, zusätzlich zu dem Eigenkapital von jeweils 10.000 Euro. „Mein Großvater fand unsere Idee toll“, sagt Julius Möhrle. Er habe sie unterstützt, wichtige Tipps gegeben. „Und er hat eine der ersten Uhren gekauft.“

Neue Kollektion ab November

Jetzt sitzen die Gründer in einem Bürogebäude in Winterhude. Dort hat Ferdinand & David seinen Firmensitz. In das kleine Büro passen gerade mal zwei Schreibtische und ein offener Schrank, in dem die Uhren in edelen Holzboxen lagern. Oben drauf stehen unterschiedliche Varianten der Travelmaster. Zwei Jahre hatten Möhrle und Schulz, damals beide noch Studenten, an dem Konzept für die Travelmaster gefeilt. Herausgekommen ist eine betont schlichte Männerarmbanduhr aus gebürstetem Edelstahl mit Quarzlaufwerk und kratzsicherem Saphirglas – zu Preisen um 300 Euro.

Der Clou: Mit einem zusätzlichen, roten Zeiger gibt die Uhr die Zeit in einer weiteren Zeitzone an. Bislang gibt es die Travelmaster in Silber oder Rosé, mit blauem oder schwarzem Ziffernblatt und mit verschiedenen Leder-Armbändern mit Steckfunktion. In der neuen Kollektion kommen weitere Farben dazu, außerdem haben Möhrle und Schulz das Gehäuse flacher gemacht, die Ablesbarkeit der zweiten Zeitzone erhöht und die Leuchtziffern verbessert.

Damenuhr geplant

„Es ist ein Update“, sagt Schulz, der im Hauptberuf als Rechtsanwalt für Vertragsrecht arbeitet. Und quasi die Startrampe für weiteres Wachstum. Eine Damenuhr soll das Portfolio erweitern. Auch ein hochwertiges Automatikmodell ist in Arbeit. Dabei kümmern sich Möhrle und Schulz um Produktentwicklung, Design sowie Vertrieb und Marketing.

Dass die Gestaltung von Messinstrumenten aus Schiff- und Luftfahrt inspiriert wurde, ist kein Zufall: Möhrle ist Segler und Wassersportler, Schulz hat einen Pilotenschein und arbeitet auch als Fluglehrer. Gebaut werden die Uhren von einem Fachbetrieb in Baden-Württemberg, der sich auf Auftragsproduktionen spezialisiert hat.

Kleine Auflagen mit Logo für Firmenkunden

„Wir wollen bei unserem Produkt keine Kompromisse eingehen. Gute Qualität ist uns sehr wichtig“, sagt Schulz. Ferdinand & David gibt deshalb auch eine Garantie über fünf Jahre. Die ersten Travelmaster haben die Start-up-Unternehmer Ende 2018 verkauft. Nachdem sie bei der Produktion ihrer ersten Uhren wegen eines Planungsfehlers fast Schiffbruch erlitten hätten. Uhrwerk und Zeiger passten nach einer Gestaltungsänderung nicht mehr und mussten neu besorgt werden. „Vor Weihnachten sind wir selbst durch Hamburg gefahren, um die Uhren noch rechtzeitig auszuliefern“, sagt Möhrle.

Inzwischen haben sie den Absatz auf 500 Uhren gesteigert und einen Umsatz von etwa 150.000 Euro erwirtschaftet. Das Geschäft läuft vor allem online, inzwischen führen auch mehrere Händler in Hamburg die Marke. Zudem bieten die Start-up-Unternehmer kleine Auflagen für Firmenkunden mit Logo auf dem Ziffernblatt an. Einen ersten größeren Auftrag aus der Luftfahrtbranche haben sie bereits.

Im Frühjahr startet wieder eine Crowdfunding-Aktion

„Wir hatten ein kontinuierliches Wachstum, wurden aber durch Corona gebremst“, sagt Schulz. Unter anderem habe es Lieferschwierigkeiten für einzelne Komponenten gegeben. Der Bestseller, eine Travelmaster mit silbernem Gehäuse und blauem Ziffernblatt, war ausverkauft. Jetzt normalisiere sich die Lage langsam. Bislang haben die Unternehmer alles, was sie verdient haben, wieder investiert. In diesem Jahr wollen sie die Produktion auf 1000 Uhren steigern. Im nächsten Jahr sollen es noch mehr werden. So ist eine Crowdfunding-Kampa­gne für die Travelmaster-Damenuhr im Frühjahr fest eingeplant. Das Händlernetz soll ausgebaut werden. „2021 ist der Scheidepunkt“, sagt Co-Gründer Schult.

Ende von Max Bahr hat Familie hart getroffen

Eine Veränderung steht schon fest. Anfang des Jahres will Möhrle sein Betriebswirtschaftsstudium abschließen und stärker ins Unternehmen einsteigen. Vorbilder sind für den Spross der Max-Bahr-Dynastie sein Großvater und sein Vater Dirk Möhrle, der ebenfalls Unternehmer ist. Eine wichtige Rolle spielt auch die Familiengeschichte. Peter Möhrle hatte Max Bahr nach Zwistigkeiten mit Sohn Dirk an die Baumarkt-Kette Praktiker verkauft, die später pleite ging und sein Lebenswerk 2014 mit in den Abgrund riss.

„Eine eigene Firma zu haben, macht stolz. Und ein bisschen süchtig“, sagt Julius Möhrle, dessen Bruder Maximilian auch selbstständig ist. Der Verlust sei für jeden in der Familie hart gewesen. „Wir wollen mit Ferdinand & David eine Marke aufbauen, die es in hundert Jahren noch gibt.“